AUGUSTUNWETTER 2005: Nach dem Unwetter krähte der alte Hahn

Das Hochwasser traf die Familie Odermatt hart. Drei Jahre danach erinnert auf ihrem Hof praktisch nichts mehr an die Katastrophe. Doch die Angst ist geblieben.

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Kann sich kein anderes Zuhaus vorstellen: Die Familie Odermatt. (Bild Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Kann sich kein anderes Zuhaus vorstellen: Die Familie Odermatt. (Bild Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Ihre Blicke und Stimmen senken sich, wenn Wendel und Heidi Odermatt an den 22. August 2005 zurückdenken. Heute vor genau drei Jahren zerstörte das Hochwasser innert wenigen Stunden das Werk ihrer jahrelangen Arbeit. Auf einen Schlag sah die junge Wolfenschiesser Bauernfamilie ihre Existenz bedroht. Über 1 Meter stand ihr Hof in der Lochrüti unter Wasser, die Tiere musste blitzartig vom Betrieb evakuiert werden, einige Hühner schafften es nicht. Als sich die Wassermassen zurückzogen, begrub eine rund 30 Zentimeter hohe Schlammdecke die Hälfte der 31 Hektaren Land unter sich. Im Keller gingen Waschmaschine und Tumbler, Heizung und Gefriertruhe, Velos und Ski kaputt. Nur die Wohnräume blieben unversehrt.

Doch die Hausmauer erlitt einen beträchtlichen Schaden, der Garten war total verwüstet. «Ich kam mir so komisch vor, als ich das Gemüse nicht aus unserem Garten holen, sondern einkaufen musste», erinnert sich die heute 32-jährige Heidi Odermatt. Und ihr 36-jähriger Ehemann schiebt nach: «Wir wähnten uns im falschen Film. Alles, was wir aufgebaut und über Jahre gepflegt hatten, versank im Dreck.» Traurig sassen Odermatts damals am Morgen nach der grossen Flut am Esstisch und konnten noch nicht richtig fassen, was ihnen widerfahren war. Da krähte – auf einem Baumstrunk mitten im Wasser – ihr alter Hahn in die trügerische Stille hinaus. Es war so etwas wie ein Startsignal. «Wir sagten uns: Wenn er es überlebt hat, dann machen auch wir weiter.»

Hochwasser ist omnipräsent
Gleicher Schauplatz, drei Jahre später: Auf Odermatts Biomilchbetrieb in der Lochrüti erinnert praktisch nichts mehr an die Naturkatastrophe von 2005. Das Gras grünt, das Gemüse spriesst, die Bäume blühen, die Gebäude strahlen im Sonnenlicht, ihre drei Kinder Linus (8), Matteo (6) und Muriel (3) tollen herum

Dennoch ist das Hochwasser bei Wendel Odermatt omnipräsent. Bei seiner täglichen Arbeit auf dem Land stösst er immer wieder auf Stellen, die er noch nicht so intensiv bewirtschaften kann wie früher. «Die Spuren sind immer noch sichtbar.» Als weitere Folge der damals übersarten und nassen Erde wächst lästiges Unkraut. Da Wendel Odermatt auf seinem Hof keine chemischen Mittel einsetzt, ist viel Handarbeit gefragt. «Manchmal sticht er tagelang Unkraut aus», bewundert ihn seine Frau.

Oliver Mattmann

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Freitag in der Neuen Nidwaldner Zeitung.