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Wie sich ein Namensstreit am Beispiel ‹Banalp› entwickelte

Die zuständige Kommission hat in den vergangenen Jahren rund 7000 Orts- und Flurnamen bereinigt. Damit steht die Vereinheitlichung der Nomenklatur vor dem Abschluss. Ein erster Versuch war ein paar Jahre zuvor gescheitert.
Martin Uebelhart
Wendelin Waser, Präsident der Nomenklaturkommission, auf der «Banalp» oder eben «Bannalp». (Bild Corinne Glanzmann (Oberdorf, Wolfenschiessen, 7. Juni 2016))

Wendelin Waser, Präsident der Nomenklaturkommission, auf der «Banalp» oder eben «Bannalp». (Bild Corinne Glanzmann (Oberdorf, Wolfenschiessen, 7. Juni 2016))

Beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich die Nidwaldner Nomenklaturkommission in den vergangenen fünf Jahren mit den Orts- und Flurnamen im Kanton auseinandergesetzt. «Das Ziel war, die unterschiedlichen Schreibweisen für den gleichen Ort zu vereinheitlichen», sagt Wendelin Waser aus St. Jakob, der die Kommission präsidiert. Gerade im Zeitalter von Computern und GPS sei es zentral, dass es einheitliche Schreibweisen gebe, hält er fest. Wichtig sei es beispielsweise auch für die Ambulanz, dass sie einen Ort zuverlässig finden könne.

Die Bereinigung geht auf Bestimmungen des Bundes zurück. «Wir haben rund 7000 Bezeichnungen durchgeackert und bei jeder einzelnen die Schreibweise festgelegt», sagt Waser. «Das war unsere Hauptaufgabe.» Er gibt auch gleich ein Beispiel: «Ich komme vom Schmidsboden in Oberrickenbach. Dafür gab es ganz unterschiedliche Schreibweisen: mit oder ohne ie oder sogar mit tz.» Wert gelegt habe die Kommission auch darauf, dass sich wiederholende Flur- und Ortsnamen im ganzen Kanton gleich geschrieben werden.

Für eine Gemeinde nach der anderen ist die Nomenklatur inzwischen festgelegt worden und von der Regierung in Kraft gesetzt worden. Einsprachen dagegen habe es kaum gegeben. «Wir haben immer das Gespräch mit den Gemeinden gesucht und sie in den Prozess eingebunden», erklärt Wendelin Waser. Jetzt sei die Arbeit der Nomenklaturkommission fast abgeschlossen und die Bevölkerung wüsste kaum darüber Bescheid.

Bevölkerung akzeptierte die neuen Schreibweisen nicht

Vor rund zehn Jahren hat die Anpassung der Nomenklatur hohe Wellen geworfen. Die damalige Kommission hatte die Anpassungen der Nomenklatur für Dallenwil und Oberdorf im Amtsblatt ausgeschrieben. Sie wurden schliesslich rechtkräftig. «Erst als es dann darum ging, die Namen auch tatsächlich zu ändern in den Adressen, die auf einen Flurnamen zurückgehen, fielen die Leute aus allen Wolken», erzählt Waser. Bei der Bestimmung der Namen habe sich die seinerzeitige Nomenklaturkommission auf das fünfbändige Werk «Nidwaldner Orts- und Flurnamen» gestützt, das auch auf ihre Initiative hin entstanden sei. «Aus heutiger Sicht ist das eine sehr gute Arbeit, denn man hat die Namen der Orte aufgeschrieben und die Herkunft der Namen erforscht.» Schade sei, dass man sich dazu habe hinreissen lassen, viele Schreibweisen, die üblich und akzeptiert gewesen seien, an die Mundart anlehnen zu wollen. «Wo es doch an sich nur darum gegangen ist, die unterschiedlichen Schreibweisen zu vereinheitlichen.»

Man habe das durchsetzen wollen, obschon die neuen Schreibweisen von der Bevölkerung nicht akzeptiert worden seien. Der Widerstand dagegen habe schliesslich dazu geführt, dass die Übung gestoppt worden sei, sagt Wendelin Waser. «Ausschlaggebend war wohl ‹Banalp›». Man habe die Schreibweise an die Aussprache in der Mundart anpassen wollen, bei der nur ein «n» hörbar ist. Auch «Welenberg» sollte an die Lautsprache angepasst werden.

Waser hatte sich mit einem Leserbrief für die Kommission «empfohlen», in dem er jenes Vorgehen anmahnte, das nun zu einer erfolgreichen Umsetzung geführt hat. «Den Leserbrief habe ich im richtigen Moment geschrieben, als auch noch ein Vorstoss im Landrat zum Thema eingereicht worden war.» Zuvor habe er sich noch nie mit dem Thema beschäftigt. Daraufhin sei er in die Kommission und später zum Präsidenten gewählt worden. «Das wertete ich als Zeichen, dass der Regierungsrat meine Meinung stützt», sagt er rückblickend.

In der letzten Gemeinde Oberdorf komplizierter

Ausstehend ist der Abschluss noch in Oberdorf. Waser ist zuversichtlich, dass es noch eine Sitzung braucht, bis auch in dieser Gemeinde alles unter Dach und Fach ist. In Oberdorf sei es allerdings etwas komplizierter gewesen, da bereits einige Anpassungen umgesetzt worden seien. Der Gemeinderat habe seinerzeit beschlossen, dass die landwirtschaftlichen Liegenschaften eine Strassenbezeichnung Nummer erhielten, etwa die Waltersberg­strasse 20. «Der Flurname der Liegenschaft durfte in der Adresse lediglich als Zusatzzeile benutzt werden. Das war möglich, weil für die Adresse die Gemeinde zuständig ist. Nur wenn sich die Adresse auf einen Flurnamen bezieht, darf sie von der offiziellen Schreibweise nicht abweichen.»

Die Eigentümer der Liegenschaften hätten sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass sie den Namen ihrer Liegenschaft wieder als Adresse benützen dürfen. Dies sei auch im Sinne der Nomenklaturkommission. «Wenn die Namen der Liegenschaften nicht mehr in der Adresse erscheinen, werden sie mit der Zeit vergessen», sagt Waser.

Die Kommission habe durchaus auch pragmatische Entscheide getroffen, hält Wendelin Waser fest. Die «Gerenmühle» in Oberdorf war im Zuge der ersten Anpassung der Namen in «Gerenmüli» umbenannt worden. «Das haben wir so sein lassen. Nach Gesprächen mit den Anwohnern wollten wir diesen nicht zumuten, ihre Adresse nach sieben Jahren noch einmal ändern zu müssen.»

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