Ausstellung
Carin Studers äussere und innere Landschaften

Für die Künstlerin Carin Studer wurde das Pilgerhaus Maria-Rickenbach während der Coronazeit zum Atelier.

Romano Cuonz
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Die Künstlerin Carin Studer vermittelt über sanfte und wilde Landschaften einen Einblick in ihre innere Welt.

Die Künstlerin Carin Studer vermittelt über sanfte und wilde Landschaften einen Einblick in ihre innere Welt.

Bild: Romano Cuonz (Maria-Rickenbach, 31. Mai 2021)

Für Pilger, Berggänger oder winterliche Skiwanderer ist die Gaststube des Pilgerhauses im nidwaldnerischen Wallfahrtsort Maria-Rickenbach ein (längst nicht mehr ganz geheimer) Geheimtipp. Wer dort einkehrt, kommt an. Fühlt sich zu Hause. Für dieses «Feeling» besorgt sind Gastgeberin Anna-Barbara Kayser und ihr Partner Paul Buchmann samt Mitarbeitenden.

Doch während des Coronalockdowns gab es selbst in dieser Oase des Friedens und der Ruhe, weit über dem Tal, kein Einkehren mehr. Für Wirtin Anna-Barbara Kayser Gelegenheit, sich auf ihre frühere Tätigkeit als Chäslager-Aktivistin und Förderin von Kulturprojekten zu besinnen. Hatte sie nicht immer damit geliebäugelt, auch an ihrer neuen Wirkungsstätte Ausstellungen und Events anzubieten? Nur: Solange der Betrieb auf Hochtouren lief, fand man kaum Zeit dafür. Nun aber kam ihr etwas sehr gelegen: Carin Studer, eine befreundete Innerschweizer Künstlerin, fragte an, ob sie das Pilgerhaus als Atelier auf Zeit – als eine Art Biwak für ihren Dialog mit der Bergwelt – benutzen dürfte. Die beiden Gastgeber machten es möglich.

Carin Studer erinnert sich: «Bald schon verwandelte sich die Gaststube in eine Landschaft für Farbstifte, Pinsel, Kartons und Malutensilien.» Tagelang arbeitete die Künstlerin zwischen Kaffeemaschine und Anrichte. Ungestört. Ab und an war sie mit Skizzenblock und Kamera unterwegs. Auf Erkundung in der Bergwelt. Dem Stanser Kunstvermittler Urs Sibler – auch er hat zum Pilgerhaus Maria-Rickenbach einen sehr persönlichen Bezug – verriet die Künstlerin: «Das Bildermachen ist ein Weg, ein Wechselspiel, ein Pendeln von Intuition und Bewusstsein. Ich kann zwanzigmal an die gleichen Orte gehen, zum Glattigrat, auf die Musenalp, auf den Pilatus, und ich entdecke oder empfinde den Ort jedes Mal neu.»

Sanfte Schönheit und wilde Kraft

Wenn ab nächstem Samstag wieder ein grösseres Publikum die Gaststube in Besitz nimmt, wenn dort wieder gegessen und getrunken wird, dürfte dem einen oder der andern auffallen, dass sich etwas geändert hat. Obwohl sich Carin Studers Lithografien ins dunkle Täfer der Gaststube einfügen als wären sie eigens dafür geschaffen worden, bringen sie neues Leben in den Raum. Schaut man genauer hin, ist einem, als würden sich mit den Bildern viele zusätzliche Fenster auf scheinbar realistische Naturlandschaften öffnen. Doch deren scharfe Konturen lösen sich vor den Augen vorab auf. Die Landschaften – mal sanft, mal wild aquarelliert, lithografiert oder gezeichnet – lösen sich ins Ungegenständliche auf. Und plötzlich kommt in einem das Gefühl auf, als würde man gar nicht mehr nach draussen, sondern nach drinnen blicken. Aus den Ritzen und Spalten der Berge oder auf Matten und Schneefeldern, tauchen undefinierbare, sagen- oder märchenhafte Gestalten auf. «Gebirgslandschaften berühren mich, gehen mir unter die Haut», gesteht Carin Studer. Wohl deshalb titelt sie ihre Ausstellung: «Sanft und wild».

Carin Studer öffnet im Pilgerhaus Maria-Rickenabach über ihre Bilder Fenster zur Landschaft.

Carin Studer öffnet im Pilgerhaus Maria-Rickenabach über ihre Bilder Fenster zur Landschaft.

Bild: Romano Cuonz (Maria-Rickenbach, 31. Mai 2021)

Urs Sibler nimmt die Worte auf, wenn er die eigenwilligen Werke beschreibt: «Aus der Realität geschöpfte und in die Abstraktion geführte Farb- und Formkompositionen sind es, irgendwo zwischen Reichtum und Kargheit angesiedelt, zwischen sanfter Schönheit und wilder Expression.» Eine Spannung, die alle Bilder in dieser Ausstellung durchzieht. Die Lithografien – samt und sonders Steindruck-Unikate – genauso, wie die Aquarelle. Letztere sind auch einmal im Bündner Cavardiras Tal oder im italienischen Piemont entstanden.

Werke sprechen eine eigene Sprache

«Die Räume in diesem Pilgerhaus, in denen schon bald wieder viele Leute sitzen, essen, trinken und miteinander plaudern werden, forderten mich als Künstlerin heraus», besinnt sich Carin Studer. Solange die Gaststube und der Saal noch leer gewesen seien, habe sie ihre Bilder oft an die Wände gehalten und geprüft, ob eine Ausstellung hier funktionieren würde. Mit der Zeit sei ihr klar geworden, dass es kaum einen geeigneteren Kulturraum geben könnte. Dass die Aussen- und die Innenwelt ihrer Bilder nirgends besser zum Ausdruck kämen.

Wie sehr sich das Säli im Pilgerhaus durch Carin Studers Kunst verändert hat, stellt mit Freuden auch Kunstvermittler Urs Sibler fest. Und er findet dafür treffende Worte: «Verblüffend, aber nicht überraschend ist, dass die Werke von Carin in den Räumlichkeiten des Pilgerhauses nicht zur Dekoration werden, sondern sich zur Ausstellung formieren und eine eigene Sprache sprechen.»

Hinweis

Pilgerhaus Maria Rickenbach (NW): Carin Studer «Sanft und Wild – Malereien». Ausstellung 5.Juni bis 1. November 2021. Samstag,19. Juni, bietet die Künstlerin ein Malatelier an. Infos: www.pilgerhaus-maria-rickenbach.ch