Die Autofähre hat ihren grossen Auftritt – dank der gesperrten Axenstrasse

Seit der Sperrung der Axenstrasse hat die Autofähre von Beckenried nach Gersau Hochbetrieb. Bis zu 10 000 Franken pro Tag spült der Betrieb in die Kassen.

Andreas Seeholzer
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Die Fähre zwischen Beckenried und Gersau steht derzeit besonders hoch im Kurs. (Bild: Andreas Seeholzer)

Die Fähre zwischen Beckenried und Gersau steht derzeit besonders hoch im Kurs.
(Bild: Andreas Seeholzer)

Auto um Auto rollt auf das Deck der «Tellsprung». Seit 1930 erspart die Autofähre rund 50 Kilometer Fahrt, wenn die Axenstrasse geschlossen ist. Seit der Sperrung der Strasse vor einer Woche hat die Fähre wieder ihren grossen Auftritt: Dank der Navigationstechnologie der modernen Fahrzeuge finden Fahrer aus der ganzen Schweiz und Europa auf ihr Platz.

«Für uns ist die Sperrung am Axen eine gute Sache», sagt die Schiffsführerin Eva Salzmann, «am Sonntag war hier die Hölle los, die Autos sind in Gersau über den Parkplatz hinaus bis auf die Strasse gestanden.»

Arbeiten in zwei Schichten

Die Schiffsführerin sitzt am Steuer der «Tellsprung», einer Doppelendfähre, die nicht nur Klappen an beiden Enden hat, sondern auch vorwärts und rückwärts gleich schnell fahren kann, sodass sie nicht wenden muss. Salzmann pendelt die Fähre zwischen Gersau und Beckenried hin und her, «elf Pendel sind üblich – im Moment sind es aber täglich bis zu 16», sagt die erfahrene Seefahrerin, die auch für die SGV Schiffe steuert. Aufgrund der hohen Nachfrage legt die Fähre am Morgen nun bereits um 6.30 Uhr von Beckenried ab. 30 Fahrzeuge finden jeweils Platz. Ein Fahrzeug mit Fahrer kostet 22 Franken. Voll ausgelastet könnte die Fähre also bis zu 10 000 Franken täglich in die Kasse spülen, was wiederum hilft, Tage, an denen wenig los ist, zu kompensieren. Das Schiff wurde 1929 gebaut. In den 1950er-Jahren nahm die Nutzung stark zu. Zwischen 1960 und 1963 wurde die Fähre zertrennt, verbreitert und mit neuen Teilen wieder zusammengebaut.

Mit rund 14,5 Kilometern pro Stunde (fast acht Knoten) tuckert Salzmann die «Tellsprung» auf Sicht oder entlang einer Linie auf ihrem Navigationsgerät über den See. Ihr Mobiltelefon klingelt, ein Busfahrer möchte einen Platz reservieren. «Reisebusse können reserviert werden, Privatfahrzeuge nicht», sagt sie mit dem Verweis, dass Carunternehmen Planungssicherheit bräuchten und man ihnen diese gerne ermögliche. Dann schaut sie über den Bug, Beckenried ist nah. Rund 20 Minuten hat die Überfahrt gedauert. In Beckenried verlässt Salzmann die Kabine. Sie wird dem Kassier beim Entladen und Einweisen helfen. «Wir sind ein Zweimann-Team und arbeiten zurzeit in zwei Schichten», sagt sie.

Um den Verlad zu gewährleisten, arbeiten in Gersau und Beckenried auf den Parkplätzen zudem Fahrzeugeinweiser. Das ist auch bitternötig, denn die Fähre ist fast immer voll.