Bahnhof Stans: Zigarettenstummel auf den Gleisen

Mit dem Müll am Bahnhof Stans befasste sich die 5./6. Klasse von Markus Zimmermann. Sie baute den Bahnhof aus Abfall nach.

Marion Wannemacher
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Die Sechstklässler der Klasse MS2i Schule Stans mit ihrem Lehrer Markus Zimmermann und dem Modell des Bahnhofs, den sie aus Müll gebaut haben.

Die Sechstklässler der Klasse MS2i Schule Stans mit ihrem Lehrer Markus Zimmermann und dem Modell des Bahnhofs, den sie aus Müll gebaut haben.

Bild: Marion Wannemacher (Kniri-Schulhaus Stans, 12. März 2020)

Alessio Bieri ist empört. «Das ist überhaupt nicht gut, die Tauben fressen den Müll vielleicht, ausserdem ist der Abfallbehälter gleich neben dran», regt sich der Sechstklässler auf. Es geht um ausgespuckte Kaugummis auf dem Boden und Zigarettenstummel auf den Gleisen am Bahnhof Stans. Mit einem Projekt nimmt die 5./6. Klasse der Schule Stans von Markus Zimmermann aus dem Kniri-Schulhaus am Wettbewerb vom Kehrrichtverwertungsverband Nidwalden und dem Verein Natur und Umwelt Ob-/Nidwalden «Für es suibrs Nidwaldä» teil.

Eine Stunde lang haben die Schüler an einem Januartag am Bahnhof Müll gesammelt. Zusammen kamen 15 Liter Zigaretten, Getränkedosen, Kronkorken, Trinkhalme – halt eben das, was Benutzer des öffentlichen Personennahverkehrs so wegwerfen, wenn sie unterwegs sind.

Lego- und Duplomännchen dienen als Fahrgäste

Die Schüler nutzten den Müll und fertigten daraus ein Kunstwerk, ein Modell des Bahnhofs Stans. Einer von ihnen, Joan, stellte einen Tisch zur Verfügung, der als Gestell für das Modell diente. Elia und Jan opferten ihre Lego- und Playmobilmännchen. Nun tummeln sich Star-Wars-Krieger, Chewbacca und Co. zwischen Gleisen und Wartehalle. Angemalte aufgeschnittene Milchbidons dienen als Lok, Kohlewagen und Waggons. Leere Leimstifte wurden zu Säulen für die Wartehalle des Bahnhofs umfunktioniert. «Suibr» prangt in Grossbuchstaben auf einem Schild am Dach. Doch so sauber ist der Bahnhof nicht: Auf den Gleisen finden sich Kronkorken, Zigarettenstummel und Trinkhalme – wie im richtigen Leben. «Mir war es wichtig, dass es ihr Projekt ist, dass sie ihren Weg gehen können», betont Lehrer Markus Zimmermann in Bezug auf seine Klasse. Seine Schüler hätten viele Ideen gehabt, erzählt er. «Nur mussten die auch umsetzbar sein.» Ihm als Lehrer sei eher die Rolle des Projektmanagers zugekommen.

In vier Gruppen befassten sie sich ausserdem mit den Themen Stanserhornbahn, einem «Wald aus Plastik» und dem «richtigen» Abfalltrennen. Eine Abstimmung fiel dann aber knapp für den Bahnhof aus.

Irgendwie betrifft die Schüler ihr Erlebnis mit der Müllsammlung am Bahnhof: «Wenn man einfach mit dem Velo vorbei fährt, sieht man den Dreck nicht, erst bei genauem Hinschauen», hat Leon festgestellt. «Mich hat gewundert, dass so viel zusammen gekommen ist», sagt Marc. Und Elia kommentiert: «Mich hat erstaunt, wie faul die Leute sein können, die ihren Müll auf den Boden werfen. Es wäre nur ein Schritt weiter zum Abfalleimer.»

Bald wird das Werk beim Bahnhof ausgestellt

Für die Klassenkasse gibt es 500 Franken. Profitiert haben die meisten jetzt schon von der Teilnahme am Wettbewerb. «Wir haben sicher gelernt, dass es Teamgeist braucht, und man selbst etwas dazu beisteuern muss», fasst Joan zusammen. Drei Schüler begleiteten das Projekt im Rahmen der Begabtenförderung als Journalisten. Jan Brinkhaus hat die ganze Aktion mit Bildern dokumentiert. Auf einem Blatt haben er, Alessio Bieri und Elia Bader die wichtigsten Entwicklungsschritte zusammen gefasst.

Bald soll das Kunstobjekt am Bahnhof aufgestellt werden. In Eigenregie fanden die Schüler den richtigen Ansprechpartner für die Genehmigung heraus. Schüler und Lehrer schickten bei der Leitstelle der Zentralbahn einen Beschrieb des Projekts ein. Jetzt dürfen sie tatsächlich vom 20. März bis 5. April am Bahnhof ausstellen.

In einer Prozession mit dem Kunstwerk zum Bahnhof

Bis dahin werden sie ihr Anliegen auf einem Plakat zusammenfassen. «Uns geht es nicht darum, die Leute zu bevormunden, sondern sie zu sensibilisieren», betont Zimmermann. Einen Wagen für den Transport brauchen sie nicht. «In feierlicher Prozession werden wir das Kunstwerk gemeinsam dorthin tragen», kündigt der Lehrer an.