Bahnübergänge in Stans: Unterführungen sind kaum eine Lösung

Die Regierung hat Möglichkeiten zur Entflechtung von Strasse und Schiene in Stans verglichen.

Philipp Unterschütz
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Am Bahnübergang beim Karliplatz in Stans kommt es zu Rückstaus.

Am Bahnübergang beim Karliplatz in Stans kommt es zu Rückstaus.

Bild: Nidwaldner Zeitung (Stans, 22. Dezember 2017)

Bis zu acht Mal pro Stunde senken sich an Werktagen zur Rushhour die Barrieren der Zentralbahn (ZB) in Stans. Und führen zu Stosszeiten an einigen der sieben Bahnübergänge in Stans regelmässig zu Rückstaus. Aus einem Postulat der Landräte Andreas Gander-Brem und Hans-Peter Zimmermann (beide CVP, Stans) vom Dezember 2017 resultierte 2018 ein Auftrag des Landrats an die Regierung, die Möglichkeiten einer generellen Entflechtung zwischen Strasse und Bahn aufzuzeigen. Dieser Aufgabe ist die Regierung mittlerweile nachgekommen. Wie sie in ihrer Antwort schreibt, hat eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Gemeinde, der ZB und der Baudirektion verschiedene Lösungsansätze eingehend diskutiert. Dabei ging es um vier Möglichkeiten: Bau von Strassenunterführungen, Tieflegung der ZB, eine Hochbahn oder die Verlegung der Linienführung.

Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt nicht

Zur Machbarkeit von Strassenunterführungen beim Bahnhof und beim Karliplatz wurde für 45000 Franken eine Studie erstellt. «Diese zeigt, dass Unterführungen technisch grundsätzlich machbar sind, allerdings bei schwierigen Grundwasserverhältnissen in Stans», erklärt Hanspeter Schüpfer, Leiter der Fachstelle öffentlicher Verkehr. Diese Lösung würde das Ortsbild beeinträchtigen, schreibt die Regierung ausserdem in ihrer Antwort auf das Postulat. Ein weiterer Nachteil seien die beschränkten Platzverhältnisse und die bestehenden Bauten.

«Das Ergebnis ist insgesamt unbefriedigend.»

Die Kosten pro Unterführung schätzt die Studie sehr grob auf 23 Millionen Franken. «Bei der Frage, ob sich die Verkehrsprobleme dadurch lösen liessen, war sich die Arbeitsgruppe einig, dass es mehr und übergeordnete Massnahmen brauchen würde», so Schüpfer weiter. Es sei im Verhältnis zu den hohen Realisierungskosten nur eine geringe Verbesserung des Verkehrsflusses zu erwarten. «Das Ergebnis ist insgesamt unbefriedigend», hält die Regierung fest.

Tieflegung könnte bis 250 Millionen kosten

Bereits 2011 hat die ZB eine Studie zur Tieflegung gemacht, seither sind weitere Arbeiten zum Thema hinzugekommen. Untersucht wurden Neubaustrecken von gut 2,6 Kilometern Länge mit einem 1900 Meter langen Tunnel. Fazit: Damit würde tatsächlich eine Entflechtung erreicht, der Verkehrsfluss optimiert, der Bahnlärm reduziert und am Bahnhofplatz wären neue Nutzungen möglich. «Diesen Vorteilen steht aber eine äusserst grobe Kostenschätzung von bis zu 250 Millionen Franken gegenüber», sagt Hanspeter Schüpfer. Aus Sicht der ZB und der Nutzer des öffentlichen Verkehrs sei das ein hoher Preis, da damit kein Angebotsausbau verbunden wäre. Im Bericht der Regierung heisst es ausserdem, dass die Zentralbahn nicht tief gelegt werden könne, «ohne eine ganze Reihe von Gebäuden abzubrechen. Insbesondere im Bereich des Ortskerns dürfte auch historisch wertvolle Bausubstanz betroffen sein.»

Die Regierung schreibt zudem, dass das Projekt durch den Bahninfrastrukturfonds (BIF) des Bundes finanziert werden könnte. Das Projekt wäre dann in den Planungsprozess zum nächsten Ausbauschritt der Bahninfrastrukturen einzubringen. Der Prozess beginnt 2021 und wird voraussichtlich 2026 mit dem Beschluss des eidgenössischen Parlaments zum Ausbauschritt 2040/45 enden.

Wenig Konkretes gibt es bisher zur Hochbahn oder zur Verlegung der Linienführung der Zentralbahn. Eine Studie zur Machbarkeit der Hochbahn in Stans wurde noch nicht gemacht. «Dies aus Gründen der zu erwartenden Kosten», hält die Regierung im Bericht fest. «Zudem wäre der Eingriff ins Dorfbild noch viel grösser», ergänzt Hanspeter Schüpfer. Eine Hochbahn sei im Rahmen einer Gesamtstrategie weiter zu prüfen. Auch die Verlegung der Linienführung, beispielsweise entlang der Autobahn oder in die Stanserhornflanke, sei aufgrund der Siedlungsdichte und der Kosten eher unrealistisch.

Zuerst braucht es ein Gesamtverkehrskonzept

Die Regierung kommt zum Schluss, dass angesichts der zahlreichen Vorstösse und gegenwärtigen Abklärungen rund um die Verkehrsprobleme zuerst ein Gesamtverkehrskonzept erarbeitet werden müsse, das aufzeige, wie eine strategisch gewünschte Mobilität erreicht werden kann und welche Massnahmen dazu erforderlich sind. Dann werde sich auch zeigen, inwiefern eine Tieflegung der Zentralbahn zur Lösung beitragen könnte. «Wird diese Variante von der Politik priorisiert, würde in einem nächsten Schritt eine Vorstudie mit anschliessender Evaluation einer Bestvariante in Auftrag gegeben», schreibt die Regierung.

Eine wichtige Rolle in der Stanser Verkehrsproblematik spielt auch die Robert-Durrer-Strasse, bei der auch nach jahrelanger Planung noch keine Lösung in Sicht ist. An die Adresse der Gemeinde Stans hält die Regierung unmissverständlich fest, es sei nach dem gescheiterten Einbahnversuch nun die Planung für die Sanierung wieder aufzunehmen.