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BALI/ENNETBÜRGEN: «Holland war mir zu kalt»

Heinz von Holzen packte seine Koffer und baute sich in Bali eine neue Existenz auf – und das sehr erfolgreich. Nur weniges vermisst er von der Schweiz.
Matthias Piazza
Heinz von Holzen mit seiner Frau Puji. (Bild: PD)

Heinz von Holzen mit seiner Frau Puji. (Bild: PD)

Matthias Piazza

Er hat sich auf Bali ein kleines Reich aufgebaut. In seinen zwei Restaurants bietet er balinesische Spezialitäten an, besitzt ein Bed & Breakfast mit 26 Zimmern auf zwei Hektaren. Eine Kochschule, wo auch Partys mit bis zu 200 Personen möglich sind, runden das Angebot ab. Zu alldem gesellt sich noch eine Hühnerfarm, wo täglich 5000 Hühner verarbeitet werden. Rund 150 Angestellte beschäftigt Heinz von Holzen in seinen Betrieben. Als Hobby habe er noch zwölf Bücher geschrieben über Küche und Leute auf Bali und Indonesien.

«Ich bin sehr glücklich und stolz auf das, was wir erschaffen haben», erzählt der gebürtige Ennetbürger, der nun seit 26 Jahren auf der Insel nördlich von Australien im Indischen Ozean lebt, zusammen mit seiner Frau, einer Balinesin, und ihrem gemeinsamen 24-jährigen Sohn.

Keine Sekunde habe er den Entscheid bereut, in Indonesien ein neues Leben zu beginnen. «Das ist so eine fantastische Welt mit so vielen irrsinnig schönen, guten und interessanten Plätzen», schwärmt er. «Es war ganz bestimmt der richtige Weg.»

Er träumte von New York

Der Traum, auszuwandern, tauchte beim 57-Jährigen schon in seiner Schulzeit auf. «Ich konnte stundenlang durch den Atlas blättern und von exotischen Ländern träumen.» Doch reisen selber kam damals nicht in Frage. «Dafür fehlten einfach die Mittel.»

Bali war aber nicht seine erste Destination in der grossen, weiten Welt. Er träumte davon, in Kanada oder New York zu arbeiten. Sein Arbeitgeber verlangte vom Koch, der seine Lehre im Hotel de la Paix als einer der Besten abschloss, dass er zuerst irgendwo in Europa arbeitete. So war seine erste Auslandsstation Rotterdam. Das war 1980 nach Abschluss der Rekrutenschule. Das Klima dort behagte ihm nicht. «Holland war mir einfach zu kalt. Auch mit dem Gedanken, nach Kanada oder New York zu reisen, habe ich mich aus demselben Grund schwergetan. Dort ist es ja während der Hälfte des Jahres sehr kalt.» Die Wahl fiel erst mal auf Australien, wo er auch heute noch ein sehr schönes Haus in Cairns (North Queensland) besitzt.

Leute sind offen und freundlich

In seiner neuen Heimat kamen ihm Erinnerungen an seine eigene Schulzeit wieder hoch, die Gastarbeiter, die mit seinem Vater auf dem Bau arbeiteten und teilweise als «Tschingg» beschimpft wurden. «Ich habe mir gesagt, jetzt bin ich selber der ‹Tschingg›». Sein Rezept, um sich zu integrieren: «Als Ausländer suchte ich stets den Kontakt zu Einheimischen. Dies war auch die Voraussetzung, dass mir immer wieder Türen in die verschiedenen Kulturen geöffnet wurden», ist er überzeugt. Entsprechend habe er auch nie Probleme gehabt, Anschluss zu finden. «Ich fand immer Arbeit und konnte schnell Freundschaft schliessen.» Sich anpassen können an Land und Leute sei überhaupt das Wichtigste. «Mir war immer klar: Ich bin der Ausländer und muss mich der lokalen Kultur anpassen.»

Überhaupt habe er wenig Verständnis für Schweizer, die den Kontakt nicht suchen. «Die reisen um die halbe Welt, um in einem anderen Land zu leben. Und das erste, was sie machen: Sie werden Mitglied in einem Schweizer Club. In Melbourne hatte es gar einen sehr beliebten Schwinger-Club.»

An seiner Wahlheimat Bali schätze er das schöne, warme Wetter, die Offenheit und Freundlichkeit der Leute – und auch die hiesige Arbeitsphilosophie. «In der balinesischen Kultur arbeiten die Leute eigentlich nicht, sie leben. Und arbeiten gehört zum Leben.» Beeindruckt ist er auch vom grossen Respekt untereinander und vom Glauben an das Gute im Menschen.

Er vermisst den Landjäger

Dennoch gibt es Dinge aus der Schweiz, die er vermisst. Nebst Brot und dem Landjäger eines Ennetbürger Metzgers auch die «super Freunde, welche ich in Ennetbürgen kenne». Die Zelte zu seiner Heimat hat der Ur-Nidwaldner aber nicht ganz abgebrochen. Jedes Jahr stattet er der Schweiz einen Besuch ab, um Steuern zu bezahlen. Und auch das Elternhaus in Ennetbürgen hat er behalten. Dank moderner Kommunikationsmittel wie E-Mail oder Skype wird der Kontakt zu den Lieben daheim auch unter dem Jahr aufrechterhalten.

Überhaupt: «Die Schweiz wird für mich immer die Heimat sein. Ohne die Schweiz und unsere Kinderstube hätten wir sicher nicht dies alles erreicht. Die Schweiz und ihre Bewohner sind schon etwas ganz Spezielles, worauf wir immer sehr stolz sind.»

Hinweis

In unserer Sommerserie «Auswanderer» stellen wir Nid- und Obwaldner vor, die in einem Land fernab ihrer Heimat ein neues Zuhause gefunden haben. Bisher erschienene Beiträge finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/Auswanderer

Ein Blick in das Restaurant Bumbu Bali 2. (Bild: PD)

Ein Blick in das Restaurant Bumbu Bali 2. (Bild: PD)

Bild: pd

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