BANNALP: Bahn spürt Folgen des Jagdbanngebiets

Seit zwei Jahren ist Bannalp Jagdbanngebiet. Viele Tourengruppen bleiben seither im Winter aus. Hoffnung setzt Hubert Annen auf das touristische Feinkonzept.

Matthias Piazza
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Die Tafel auf dem Walenpfad informiert über das Jagdbanngebiet. (Bild Markus von Rotz)

Die Tafel auf dem Walenpfad informiert über das Jagdbanngebiet. (Bild Markus von Rotz)

Seit Anfang 2014 ist im Gebiet der Bannalp nichts mehr, wie es war. Mit der Verlegung eines Teils des Jagdbanngebietes vom Trübsee auf die Bannalp kamen aufs beliebte Wandergebiet spürbare Einschränkungen zu. Vor allem im Winter. Skitouren abseits offizieller Routen sind im rund zehn Quadratkilometer grossen Gebiet Bannalp/Walen­stöcke nun nicht mehr erlaubt. Skitourengänger oder Schneeschuhwanderer dürfen sich nur noch in einem bestimmten Korridor bewegen.

«Früher hatten wir viele Gruppen, die einen Bergführer mieteten, der mit ihnen Touren auf eigenen Routen unternahm – und so ein spezielles Erlebnis bot. Solche Gruppen fehlen uns heute», bedauert Hubert Annen, der Verwaltungsratspräsident der Luftseilbahnen Fell–Chrüzhütte und Fellboden–Bannalpsee. Der wegen des Jagd­­­­­banngebietes bedingte Ausfall sei schwer zu beziffern. «Fest steht aber auf jeden Fall: Die beliebten Touren im Gebiet Walenstock und Walenchälen sind nun nicht mehr möglich. Dabei sind wir nicht auf Rosen gebettet, sondern auf jeden einzelnen Gast angewiesen.»

Angst vor Verschärfung

Noch besorgter blickt er in die Zukunft. Denn der Bund will die Verordnungen des Jagdbanngebietes bis in zwei Jahren verschärfen, was massive Auswirkungen auf das wichtige Sommergeschäft hätte. «Dann dürften auch im Sommer die beliebten kleinen Wanderwege nicht mehr begangen werden. Das Querfeldein-Wandern mit Karte wäre dann nicht mehr möglich. Nur noch der Walenpfad stünde den Wanderern zur Verfügung. Falls die Verschärfungen tatsächlich in Kraft gesetzt würden, müssten wir mit noch mehr Einnahmeausfällen rechnen.»

Klar ist für den Verwaltungsratspräsidenten der Bannalpbahnen darum, dass er im Rahmen der kommenden Vernehmlassung die neue Regelung bekämpfen werde. «Ich setze mich seit 20 Jahren für die Bahn und das Gebiet ein und will für den Weitererhalt kämpfen.»

Hoffnung auf Tourismuskonzept

Die Hoffnung setzt Hubert Annen auch auf das touristische Feinkonzept, das die Gemeinde Wolfenschiessen zurzeit erarbeitet. Dieses sieht unter anderem zwei neue Wanderwege im Jagdbanngebiet vor, im Gebiet Ruchstock, Schienberg. Die Wolfenschiesser bewilligten im November 2014 an der Gemeindeversammlung dafür 50 000 Franken. Er hofft nun, dass das Konzept die Hürde des Kantons nimmt und demnächst in Kraft tritt.

«Wir spüren noch nichts vom Jagdbanngebiet, zumal die SAC-Routen ja immer noch begehbar sind», sagt Jean-Pierre Bissig, Wirt des Berggasthauses Urnerstaffel. Dies würde sich seiner Meinung aber ändern, wenn der Bund, wie geplant, die Massnahmen verschärften würde. «Vor allem im Sommer müssten wir dann mit spürbarem Einbruch der Gästezahlen rechnen.» Klar ist für den Wirt, dass er sich gegen die angekündigte Verschärfung wehren wird.

Konsequenzen hat die Verschiebung des Jagdbanngebietes auch für Tourenführer Thomas Waser. «Einige Schneetouren im Bannalpgebiet sind nun nicht mehr möglich, darum weiche ich mit meinen Gruppen vermehrt in andere Gebiete aus.»

Von positiven Erfahrungen spricht Fabian Bieri, Leiter Jagd und Fischerei des Kantons Nidwalden. «Weil das Jagdbanngebiet in einem Gebiet mit sanftem Tourismus gebildet wurde, sind die Auswirkungen für die Benutzer meines Erachtens klein. Zumindest für den ‹Normalverbraucher› änderte sich nichts. Die offiziellen Touren sind immer noch erlaubt. Negative Rückmeldungen sind mir zumindest nicht zu Ohren gekommen.» Auch für die Wildtiere habe sich nichts Wesentliches geändert.

Sporadische Kontrollen

Die Wildhüter kontrollieren sporadisch, ob die neuen Regeln eingehalten werden, sprich, ob Schneetourengänger nicht die offiziellen Routen verlassen. Bisher sei es zu keinen Verstössen gekommen, man müsse lediglich ab und zu Aufklärungsarbeit betreiben bei Tourengängern, die mit den Regeln nicht ganz vertraut seien.

Die Verlegung des Jagdbanngebietes stiess bereits bei der Vernehmlassung vor zwei Jahren auf Widerstand. Freunde der Bannalp unter der Federführung von Hubert Annen sorgten sich um die Zukunft des kleinen Skigebietes und wehrten sich vor zwei Jahren mit einer Petition mit 7775 Unterschriften gegen die Verlegung.

Im Juli 2013 gaben die Regierungen Ob- und Nidwaldens bekannt, dass sie am Abtausch mit einer marginalen Änderung festhalten und diese dem Bundesrat zur Genehmigung vorlegen. Im November 2013 fällte der Bundesrat seinen Entscheid im Sinne des Antrags der beiden Kantone.

Matthias Piazza