BECKENRIED: Allein auf weitem Flug

Vergangenes Jahr war er noch Vierter. Nun will der 14-jährige Maxime Chabloz bei der ­Kitesurf-Junioren-EM auf das Podest. Diese Woche ist er darum nach Frankreich abgereist.

Philipp Unterschütz
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Maxime Chabloz (14) geht gerne hoch hinaus: «Meine höchsten Sprünge sind sieben bis acht Meter. (Bild: PD)

Maxime Chabloz (14) geht gerne hoch hinaus: «Meine höchsten Sprünge sind sieben bis acht Meter. (Bild: PD)

«‹No risk, no fun› ist mein Lebensmotto. Ich könnte mir mein Leben ohne Risiko nicht vorstellen, ich brauche Spannung.» Der das sagt, ist weder ausgewachsener Extremsportler noch Stuntman, sondern der 14-jährige Kitesurfer Maxime Chabloz aus Beckenried. Und sein Motto hat ihn schon weit gebracht. An den Kitesurf-Freestyle-Juniorenweltmeisterschaften 2014 an der spanischen Costa Brava und an den Europameisterschaften in Frankreich wurde er Vierter. Jetzt will er endlich aufs Podium. Dieses Wochenende misst er sich im französischen St. Pierre la Mer mit anderen Jugendlichen an den Europameisterschaften 2015.

Es braucht Mut zum Kitesurfen

Der junge Sportler ist erstaunlich abgeklärt. «Nervös bin ich nur, wenn ich ins Finale komme. Ich bin Wettkämpfe vom Skifahren her gewohnt», sagt der Schüler der Sportschule Hergiswil. Aufgewachsen ist Maxime in Kehrsiten, seit fünf Jahren lebt die Familie in Beckenried. Er habe keine gleich­altrigen Kollegen, die den Sport ausübten, es sei schon speziell. «Manchmal ist es schade. Wenn man niemanden kennt, kann man nicht so viel darüber reden.» Seinen Kollegen hätte er aber auch Videos gezeigt, und die hätten das cool gefunden. Kitesurfen brauche schon etwas Mut, erzählt Maxime, womit wir wieder bei seinem Lebensmotto sind. «Ich bin aber schon nicht nur der harte Kerl, es gibt auch Momente, wo ich mich nicht mehr traue.»

Fliegen war immer sein Traum

Zum Kitesurfen kam er dank seinem Vater, einem Ingenieur für Steuerungsanlagen von Seilbahnen. Der habe erst Windsurfing betrieben, sei dann aber auf Kitesurfen umgestiegen, weil es oft zu wenig Wind für Windsurfing hatte. Zum ersten Mal habe er ihm in den Ferien in Korsika zugeschaut. «Da hat es mich sofort gepackt. Fliegen war schon immer mein Traum. Und es fühlt sich wirklich wie Fliegen an, man kann hohe Sprünge machen – und es sieht cool aus», schwärmt Maxime. Mit sieben Jahren begann er mit kleineren Lenkdrachen am Strand die Steuerung zu üben, mit zehn gings dann ins Wasser. «Ich lerne ziemlich schnell. Mittlerweile beherrsche ich fast 15 Tricks, meine höchsten Sprünge sind sieben bis acht Meter.» Von April bis etwa September trainiert Maxime zweimal pro Woche mit seinem Vater, meistens auf dem Urnersee. «Weil dieses Jahr die Kite-Zone vergrössert worden ist, können wir nun auch am Abend gehen. Da, wo der Wind am Abend bläst, durfte man früher nicht Kitesurfen.» Im Garten der Eltern kann er in einem Trainingsgelände mit einem Seil Bewegungsabläufe üben, was er für die Meisterschaften nun zusätzlich nutzte. Im Winter geht es dreimal wöchentlich zum Skitraining mit der Schule, manchmal auch noch mit dem Vater zum Snowkiten nach Andermatt.

Bis sieben Tricks in sieben Minuten

Die Kitesurf-Freestyle-Junioreneuropameisterschaften im südfranzösischen St. Pierre la Mer dauern vier Tage und werden in einer Art Duell-K.o.-System ausgetragen. «Während sieben Minuten muss man so viele Tricks und Sprünge wie möglich zeigen, das sind etwa fünf bis sieben. Der ‹Run› wird von einer Jury benotet, wobei die beste und die schlechteste Note gestrichen werden», erklärt Maxime den Wettkampf. «Wer sein Duell verliert, ist raus.» Der Unterschied vom See auf das Meer sei für ihn nur das Salzwasser, das in den Mund spritze. Ansonsten gebe es eben Tricks, die für Wellen besser geeignet seien und andere für ruhigeres Wasser. «Die hohen Sprünge, die bei Wellen besser funktionieren, geben aber gar nicht mehr Punkte.» Gefragt seien eher akrobatische Sprünge, bei denen man das Kiteboard nur noch mit den Händen halte, erklärt er fachmännisch.

Vierter wäre eine Enttäuschung

Etwa 15 Leute seien in seiner Altersgruppe dabei, er kenne die meisten bereits. Er ist der einzige Schweizer, die meisten seien Franzosen oder Engländer. «Natürlich sind wir Kollegen, und man wünscht sich Glück. Aber wir sind auch Konkurrenten. Es stinkt mir schon, wenn ich von anderen geschlagen werde. Man muss einfach an sich glauben», zeigt sich Maxime erneut ganz abgeklärt und beweist Selbstvertrauen: «Ich will aufs Podest. Ich wäre enttäuscht, wenn ich wieder nur Vierter würde.»

In der Schweiz kann er sich nicht messen, es gibt keine regelmässige Meisterschaft. Maxime vermutet aber, dass er hier gar keine gleichaltrigen Gegner hätte. «Jedenfalls kenne ich persönlich keine.» Begleitet nach Südfrankreich wird er von seinem Götti sowie seiner Mutter und ihrer Kollegin. Dass sein Vater nicht dabei sei, mache ihm nicht viel aus, er habe dann eher weniger Stress. Für die Wettkämpfe hat er ja auch einen Coach.

Engländer als grosses Vorbild

Wie es sich für Spitzensportler gehört, hat auch Maxime bereits einen Sponsor, der ihn leihweise mit neustem Material ausrüstet. Dazu gehört er zum Next Generation Team des Herstellers «F One», der auch die Kosten fürs jährliche einwöchige Trainingslager übernimmt. «Ohne Sponsor wäre Kitesurfen für mich schon sehr teuer», sagt ­Maxime, dessen Ziel es ist, einmal Profisportler zu werden wie sein Vorbild, der Engländer Aaron Headlow. «Ich könnte mir nicht vorstellen, den ganzen Tag an einem Computer zu sitzen.»

Philipp Unterschütz

 

Hinweis

Weitere Infos unter snurl.com/29u3drf