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BECKENRIED: Bald schlägt die letzte Stunde

Gegen 30 Jahre lang brachte Martin Kamber antike Uhren wieder zum Laufen. Mit seiner Pensionierung Ende Jahr verschwindet nun ein seltenes Handwerk in der Region.
Matthias Piazza
Uhrmacher Martin Kamber in seinem Uhrenatelier: «Eine historische Uhr wieder zum Leben zu erwecken, beseelt», sagt er.Bild: Corinne Glanzmann (Beckenried, 21. September 2016)

Uhrmacher Martin Kamber in seinem Uhrenatelier: «Eine historische Uhr wieder zum Leben zu erwecken, beseelt», sagt er.Bild: Corinne Glanzmann (Beckenried, 21. September 2016)

Die grossen antiken Wanduhren ticken. Zur vollen Stunde ertönt der Gong. An der Dorfstrasse 65 in Beckenried ist das Reich von Martin Kamber. Seit fast 30 Jahren bringt der gelernte Uhrmacher Uhren wieder zum Laufen, seit 20 Jahren in Beckenried, davor während acht Jahren in Buochs, wo der gebürtige Solothurner mit seiner Frau seit 1982 wohnt. Es waren die batteriebetriebenen Quarzuhren, die in den 1970er-Jahren aufkamen und die Arbeit des Uhrmachers eintöniger machten. Das weckte in ihm das Interesse an den mechanischen Uhren.

Viele Uhren haben schon über 100 und mehr Jahre überlebt. Die ältesten stammen gar aus dem 17. Jahrhundert. Wie viele durch seine Hände gingen, kann er nicht genau sagen, es dürften Hunderte gewesen sein. «Ein 300-jähriges mechanisches Uhrwerk wieder zum Funktionieren zu bringen und dabei das Aussehen des antiken Stücks in Originalzustand zu setzen, ist etwas Faszinierendes», sagt Kamber. Häufig laufen die Räder nach so vielen Jahrzehnten nicht mehr richtig, weil sie zum Beispiel eingerostet sind. In nur ganz wenigen Fällen habe er bis jetzt Forfait geben müssen. «Eine solche historische Uhr wieder zum Leben zu erwecken, beseelt. Auch die Kunden freuen sich.» Und seien darum auch bereit gewesen, den zum Teil grossen Aufwand zu bezahlen.

In der ganzen Zentralschweiz bekannt

Sein Antikuhr-Atelier war bis weit über die Kantonsgrenze hinaus bekannt. Aus der ganzen Zentralschweiz und darüber hinaus empfing er Kunden, die ihm eine antike Uhr in die Reparatur gaben oder sie ihm verkauften. Auch heutzutage laufe das Geschäft mit der Reparatur und dem Handel von Antik-Uhren gut, so Kamber. Er habe bis zuletzt davon leben können. Allerdings bedauert er, dass nur wenige junge Leute einen richtigen Bezug zu solchen Uhren haben.

Zurzeit ist in seinem Geschäft besonders viel Betrieb. «Die Kunden haben erfahren, dass ich mein Geschäft schliesse, und wollen noch ihre antiken Uhren restaurieren oder überprüfen lassen. Auch die Sammler waren dankbar, einen Fachmann in der Nähe zu haben.» Kein Wunder. Schliesslich ist er gemäss eigenen Angaben einer der wenigen, die in der ganzen Zentralschweiz noch dieses Handwerk betreiben.

450 potenzielle Nachfolger angeschrieben

Martin Kamber zieht Ende Jahr unter das Kapitel einen Schlussstrich – altershalber. Er geht mit 65 Jahren ordentlich in Pension. «Ein bisschen Wehmut kommt schon auf», meint der gelernte Uhrmacher. Zu gerne hätte er gehabt, dass das Geschäft weiter bestehen bleibt. «Ich suchte intensiv nach einem Nachfolger, schrieb rund 450 Uhrmacher an. Doch niemand hatte am Geschäft in Beckenried Interesse. Vor allem, weil niemand aus der Nähe kam.» Und so dürften sich wohl vor Weihnachten die Türen des Geschäfts an der Dorfstrasse 65 in Beckenried für immer schliessen. Das heisst, einen Fachmann als Nachfolger hat er doch noch gefunden.

Das Inventar sowie die Kunden übernimmt ab nächstem Jahr Silvan Schwab. Der Uhrmacher ist ebenfalls auf antike Klein- und Grossuhren spezialisiert und führt ein ähnliches Geschäft in Langenthal. Und so wird ab Januar 2017 das ganze Atelier-Inventar nach Langenthal gezügelt.

Die Branche hat einen schweren Stand, die Preise sind am Sinken. «Vor allem bei der jüngeren Generation hat das Interesse nach antiken Uhren nachgelassen», sagt Daniel Wegmüller, Rektor der Uhrmacherschule in Grenchen. «Auch ist kaum noch jemand bereit, grössere Beträge für die Reparatur hinzublättern.» Immer weniger Uhrmacher spezialisierten sich darum noch auf Handel oder Reparatur von antiken Uhren.

Matthias Piazza

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