BECKENRIED: Begegnungszentrum der Kirchgemeinde: Mit Einsprachen ist zu rechnen

Zu teuer, zu überdimensioniert, schädlich fürs Ortsbild. Anwohner Markus Birrer lässt am geplanten Begegnungszentrum kein gutes Haar. German Grüniger, Präsident der Planungskommission, kontert.

Matthias Piazza
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In Beckenried ist ein Begegnungszentrum geplant - das Siegerprojekt Kunigunde Luzern kommt am 27. November an die Urne. (Bild: Visualisierung: Hodel Clauss Merz Architekten)

In Beckenried ist ein Begegnungszentrum geplant - das Siegerprojekt Kunigunde Luzern kommt am 27. November an die Urne. (Bild: Visualisierung: Hodel Clauss Merz Architekten)

Der Kirchenrat will für 11,3 Millionen Franken ein neues Begegnungszentrum neben der Pfarrkirche bauen – mit Büros für die Administration der Kirchgemeinde Beckenried, Sitzungszimmer und Gruppenarbeitsräumen sowie einem öffentlichen Saal für 120 Personen. Darüber hinaus sind 13 Wohnungen vorgesehen. Gegen das Projekt «Kunigunde» regt sich Widerstand (Ausgabe vom 5. November).

«Das Projekt mit über 11 Millionen Franken ist überteuert und überdimensioniert», kritisiert Anwohner Markus Birrer, der auf einem benachbarten Grundstück ein Haus besitzt. «Das Alte Schützenhaus und die geplante neue Schulaula für 100 Personen bieten genug Platz für öffentliche Veranstaltungen.» Auch eine Tiefgarage sei bei einem solchen Neubau nicht notwendig. Damit würden die bisher 14 kostenlos nutzbaren Parkplätze durch 11 kostenpflichtige ersetzt. Er empfindet es zudem als wettbewerbsverzerrend, dass die Kirchgemeinde auch noch als Wohnungsvermieterin aktiv wird und 13 Wohnungen baut. «In Beckenried sind von der privaten Bauwirtschaft zurzeit fast 180 neue Wohneinheiten bereits in Planung oder im Bau. Das bedeutet für die nächsten drei Jahre einen Zuwachs von über 500 Personen oder 16 Prozent, was Beckenried nicht verkraften würde, man denke nur an den Mehrverkehr.»

Kritik übt er auch am Vorgehen des Kirchenrates, der im Eilzugstempo den Planungskredit für das Projekt durchzuboxen versuche, ohne die Bürger und die Nachbarn ausreichend und frühzeitig mit ins Boot genommen zu haben. Und dass am 27. November nur Mitglieder der katholischen Kirchgemeinde über den Projektierungskredit von 690 000 Franken abstimmen dürften, obwohl es auch um «weltliche» Mietwohnungen gehe, erachtet er, selber übrigens nicht Mitglied der Kirchgemeinde, als weiteren wunden Punkt.

«Viel zu dominanter Klotz»

Er sei bei weitem nicht der einzige Gegner des Begegnungszentrums. «Doch der Kirchenrat informierte so kurzfristig über das Projekt und den Planungskredit, dass die Zeit nicht reichte, um uns zu organisieren.» Käme es, was er nicht hoffe, bis zum Baugesuch, seien Einsprachen von verschiedenen Seiten sicher. «Ich hoffe, dass die Leute den Projektierungskredit ablehnen und das Projekt mit dem viel zu dominanten Klotz, der sich gar nicht ins Ortsbild einfügt, damit stirbt.»

German Grüniger, Präsident der Planungskommission, kontert. «Dank der Kombination von Pfarrhaus, Gemeinschaftsräumen und Wohnungen können wir für 11,3 Millionen Franken das Projekt, das übrigens denkmalpflegerisch und mit Bezug auf die Eingliederung ins Ortsbild eng von den entsprechenden Fachstellen begleitet wird, zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis realisieren und die Fläche von 1611 Quadratmetern optimal nutzen, und wir kommen voraussichtlich ohne Steuererhöhungen aus.» Es wäre aus Sicht des Kirchenrates eine Platzverschwendung, wenn anstelle des über 50-jährigen Pfarrhauses «bloss» ein gleichwertiger Ersatzbau errichtet würde.

Alternative zum Alten Schützenhaus

Das Bedürfnis nach einem zusätzlichen Versammlungsraum sei in Beckenried ausgewiesen, nachdem die Hotels mit entsprechenden Räumlichkeiten wie zum Beispiel den Sälen des ehemaligen Hotels Sonne oder des Hotels Mond im Dorfzentrum verschwunden seien. «Der Saal im Alten Schützenhaus ist für viele Anlässe mit 30 bis 100 Personen ungeeignet, weil viel zu gross und nicht unterteilbar. Zudem ist das Alte Schützenhaus bereits heute so stark ausgelastet, dass es an manchen Tagen zu Doppelbelegungen kommt.»

Auch den Vorwurf der mangelnden Kommunikation weist er zurück. «Seit zwei Jahren informieren wir über jeden Schritt, sei es an den Kirchgemeindeversammlungen, in der Gemeindezeitung ‹Mosaik› oder an Orientierungen wie Anfang November. Und zwar so detailliert, wie das in diesem frühen Stadium möglich ist.» Er ist zuversichtlich, dass der Planungskredit angenommen wird. «Ich nehme keine grosse Opposition wahr.»

Matthias Piazza