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BECKENRIED: «Bin zum ewigen Sport verdammt»

Das Alpenbrevet hat für Beda Zimmermann einen speziellen Reiz. Er bezwingt den Grimsel- und den Furkapass auf dem Velo als stark Sehbehinderter. Das Rennen bildet einen krönenden Abschluss.
Matthias Piazza
Beda Zimmermann steht vor einer besonderen Herausforderung. (Bild: Corinne Glanzmann)

Beda Zimmermann steht vor einer besonderen Herausforderung. (Bild: Corinne Glanzmann)

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

«Das Alpenbrevet war schon immer mein grosses Ziel», blickt Beda Zimmermann auf das anspruchsvolle Velorennen von morgen Samstag. Er startet in der Kategorie Bronze, sie führt ihn von Meiringen nach Andermatt, durch Haarnadelkurven, über den Grimsel- und den Furkapass. Unter den total 2500 Teilnehmern startet der 53-jährige Beckenrieder unter ganz besonderen Vorzeichen. Er ist fast blind. Die Welt sieht er quasi nur noch durch ein WC-Papierröllchen. Statt eines Gesichtsfeldes von 160 bis 170 Grad wie bei normal Sehenden sind’s bei ihm gerade noch 3,5 bis 5 Grad. «Zwei Pässe habe ich schon öfters befahren, mehr wäre nicht möglich. Die Kondition ist dabei nicht das Problem, aber meine Augen wären bei einer längeren Pässefahrt überanstrengt. Darunter würde auch der Gleichgewichtssinn leiden», begründet er seine Wahl zur kürzesten Tour (Bronze).

Doch auch die 68 Kilometer und 2381 Meter Höhendifferenz haben es in sich, erst recht für einen mit starker Sehbehinderung. «Ich muss extrem vorausschauend fahren, mich am rechten Strassenrand orientieren, immer auf alles vorbereitet sein. Denn ich kann nicht alles früh genug sehen. So kann es vorkommen, dass ich in ein Schlagloch fahre.» Im Windschatten des Vordermanns wäre es wegen des zu geringen Abstands zu gefährlich. Auf viel Rücksicht anderer Velofahrer kann er nicht hoffen, da diese von seiner Sehbehinderung gar nichts wissen. Aus Sicherheitsgründen wird er von ein paar Urner Fahrern beim Start noch abgeschirmt, danach und vor allem bei den Abfahrten ist er aber auf sich alleine gestellt. Der Kraftakt bildet den Schlusspunkt einer langen erfolgreichen Karriere als Behindertensportler – nicht nur im Velosattel.

Von einem Tag auf den anderen fast blind

Der Auslöser für seine Karriere war ein tragischer. Als Beda Zimmermann vor dreizehn Jahren eines Morgens aufwachte, war er fast blind. Die seltene, unheilbare Erbkrankheit stellte sein ganzes Leben auf den Kopf. Seinen Job als technischer Leiter der Gemeinde Stansstad musste er aufgeben. «Ich wusste, dass ich mich völlig neu ausrichten musste.» Er wurde Hausmann, begann mit dem Behindertenskisport, immer von zwei Guides auf der Piste begleitet, trainierte täglich auf der Klewenalp. Die Erfolge blieben nicht aus. 22-mal schaffte er es aufs Podest, 2008 reichte es in Schweden an den alpinen Paralympics-Games gar für die Silbermedaille.

Unvergessen bleibt ihm ein Schlüsselerlebnis während der Vorbereitungen für die Paralympics in Sotschi 2014. «Es gelang mir ein Sprung über eine Schanze, den niemand für möglich hielt. Seither gibt es für mich keine Grenzen mehr. Fast nichts ist unmöglich.» Doch ein sechsfacher Fussbruch liess nicht nur seinen Traum von Sotschi platzen, sondern beendete seine Skikarriere ein Jahr früher als geplant.

Vom Spitzensportler zum Botschafter

Als grössten Erfolg im Radsport erwähnt er die Teilnahme am Weltcup vor zwei Jahren. Stolz ist er auch, dass er sich als Schweizer bei Surfwettbewerben gegen Konkurrenten aus Ländern mit Meeranstoss durchsetzen konnte. Nun zieht er unter das Kapitel Spitzensport einen Schlussstrich. «Wir sind am Aufgleisen vieler Projekte, um den Behindertensport noch populärer zu machen», erzählt der designierte Plusport-Botschafter. «In diesem Bereich gibt es noch viel zu tun.» Ganz lassen kann er es mit dem Velo- und dem Skifahren trotzdem nicht. Er rechnet damit, dass sich seine Sehleistung in Zukunft weiter verschlechtert. Doch Bewegung verlangsame den Krankheitsverlauf. «Ich bin zum ewigen Sport verdammt.»

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