BECKENRIED: Der Lielibach soll gleich zweimal Strom liefern

Das Gemeindewerk will den Lielibach noch besser als Stromlieferanten nutzen. Ein neues Kleinkraftwerk soll Strom für 260 Haushaltungen liefern.

Merken
Drucken
Teilen
In Beckenried wird die Einmündung des Lielibachs ausgebaggert. (Bild: PD)

In Beckenried wird die Einmündung des Lielibachs ausgebaggert. (Bild: PD)

Die Beckenrieder stimmen an der Gemeindeversammlung von morgen Freitag über ein viertes gemeindeeigenes Kleinwasserkraftwerk ab. Damit würde das Wasser des Lieli­bachs künftig gleich zweimal Turbinen antreiben. Seit 1955 schon fliesst Wasser des Mühle- und Lielibachs durch das Kraftwerk Sustli, das jährlich rund 9 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Das Wasser, das vom Lielibach und der Fassung Berlix in das Ausgleichsbecken Napf fliesst, wurde dagegen bisher für die Stromproduktion nicht genutzt.

Das soll sich nun ändern. Der Gemeinderat will gleich unterhalb des Ausgleichsbeckens ein weiteres Kleinwasserkraftwerk bauen. Mit der erwarteten jährlichen Stromproduktion von rund 1,2 Millionen Kilowattstunden würde es den Strombedarf von rund 260 Haushaltungen abdecken.

Kredit von über 5 Millionen Franken beantragt

Dabei war die Idee eigentlich aus der Not heraus entstanden. Denn die rund zwei Kilometer lange Zuleitung des Lielibachs zum Ausgleichsbecken Napf wurde beim Erdrutsch am Bodenberg 2013 stark beschädigt. Sie verläuft seither auf einer Länge von rund 600 Metern beim Staldiwald provisorisch oberirdisch. Da sich der Bodenberg inzwischen wieder beruhigt hat, soll nun die 60-jährige Leitung auf der gesamten Länge ersetzt werden. Die Gefälle seien mit Höhenunterschieden von 68 Metern (Lielibach–Napf) und 58 Metern (Berlix–Napf) für die Stromerzeugung ideal, schreibt der Gemeinderat in der Botschaft. Die Beckenrieder stimmen über einen Kredit von 5,3 Millionen Franken ab (2,2 Millionen fürs Kraftwerk, 3,1 Millionen für den Ersatz der Leitung). Mit dem neuen Kraftwerk kann das Gemeindewerk total rund 11 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren und damit rund 57 Prozent des Jahresbedarfs der Gemeinde Beckenried abdecken. Bereits schon am Netz sind die Kraftwerke Sustli, Lätten und Lanzig, die zusammen rund die Hälfte des Stromes produzieren, den die Beckenrieder Haushaltungen und Unternehmen brauchen. Der Ausbau der Stromproduktion und damit die Sicher­stellung eines möglichst hohen Eigenversorgungsgrades gewährleiste die Stromversorgung der Gemeinde Beckenried, heisst es in der Botschaft.

Wenn am 9. Juni überdurchschnittlich viele Pfadfinder an der Gemeindeversammlung teilnehmen sollten, liegt dies am Traktandum 6. Darin geht es um einen Beitrag der Gemeinde über 150 000 Franken für den An- und Umbau des Pfadiheims. Die restlichen Kosten von 300 000 Franken will der Pfadihüttenverein Beckenried mit Spenden decken. Das Dach des zwischen 1983 und 1989 erbauten Hauses muss saniert und die Fenster müssen ersetzt werden. Ausserdem fehlt eine moderne Heizung. Küche und WC entsprächen nicht mehr den heutigen Anforderungen und seien nicht für die aktuelle Anzahl Pfadfinder ausgelegt, heisst es in der Botschaft. Seit der «Fusion» mit dem Blauring in den frühen 1990er-Jahren besteht die Pfadi aus über 140 Mitgliedern.

Der Überschuss von 1,5 Millionen Franken der Gemeinderechnung liegt rund 1 Million höher als budgetiert. Dies bei einem Ertrag von 13,7 Millionen und einem Aufwand von 12,2 Millionen Franken. Zu diesem überraschend guten Ergebnis haben unter anderem die höheren Steuererträge bei­getragen. Die Nettoerträge aus Steuern übertreffen die Erwartungen des Budgets um 237 000 Franken. Diese Entwicklung sei unter anderem auf die rege Bautätigkeit und das damit verbundene Bevölkerungswachstum zurückzuführen, heisst es in der Botschaft. Um 434 000 Franken höher als vorgesehen fallen die Beiträge aus dem Finanzausgleich aus. Rund eine halbe Million höher ausgefallen als im Vorjahr ist der Ertrag aus den Grundstückgewinnsteuern. Investiert wurden im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Franken.

Bei einem Ertrag von 8,3 und einem Aufwand von 7,6 Millionen Franken weist die Rechnung der Gemeindewerke ein Plus von 656 000 Franken aus – 200 000 Franken besser als budgetiert.

Mit einem Plus schliesst auch die Rechnung der Kirchgemeinde ab. Der Mehrertrag von 58 680 Franken liegt sogar noch 48 950 Franken über dem Budget. Dies sei auf eine kostenbewusste Ausgabenpolitik zurückzuführen, schreibt der Kirchenrat.

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Hinweis

Gemeindeversammlungen Beckenried: 9. Juni, ab 19.30 Uhr, Altes Schützenhaus.