BECKENRIED: Der Solarstrom macht keinen Umweg

Thomas Käslin setzt bei seinem 7-Familien-Haus auf innovative Energielösungen. Der Bau wurde erst dank des Hochwasserschutzes beim Träschlibach möglich.

Martin Uebelhart
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So wie auf dem Bild soll das neue Haus dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

So wie auf dem Bild soll das neue Haus dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

Martin Uebelhart

Vom über 100 Jahre alten Haus Oberbächli in Beckenried, einem Dreifamilienhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ridlikapelle, sind nur noch einige wenige Reste zu sehen. Der Abriss ist weit fortgeschritten. Das neue Wohnhaus, das der gebürtige Beckenrieder und heute in Hergiswil wohnhafte Thomas Käslin an dem Ort baut, ist gleich in mehrfacher Hinsicht besonders.

Bis vor kurzem wäre der Bau an dieser Stelle überhaupt nicht möglich gewesen. Wegen der Gefahren, die vom Träschlibach gleich daneben ausgingen, lag das Grundstück in der Bauverbotszone. Schon 2010 hat Thomas Käslin mit der Gemeinde das Gespräch gesucht, um die Möglichkeiten auszuloten. «Die Zusammenarbeit war stets sehr gut», lobt Käslin die Gemeindebehörden. Mittlerweile ist das Bachverbauungsprojekt am Träschlibach Tatsache. Ein Sammler weiter oben am Bachlauf soll verhindern, dass Geschiebe in Richtung See gelangt, und die neue Brücke zur Ridlikapelle wurde höher gelegt, um ein Blockieren des Flusslaufs möglichst zu verhindern. «Bei einem grossen Ereignis kann der Bach über die Ufer treten», sagt Käslin. Doch dank einer Mauer entlang des Grundstücks werde das Wasser abgeleitet. Sollte es dennoch überschwappen, rinne es neben dem Haus vorbei.

Höchster Minergie-Standard

Das 7-Familien-Haus, das innerhalb rund eines Jahres entstehen soll, wird nach dem Minergie-A-Standard gebaut. Acht Erdsonden versorgen die Wärmepumpe. «Das Haus ist das erste Mehrfamilienhaus im Kanton in diesem Standard. Bis jetzt gibt es erst zwei Einfamilienhäuser in Minergie-A», sagt Käslin.

Er habe sich stets gegen ein Atomendlager am Wellenberg ausgesprochen, sagt Käslin. «Nun liegt es auch an mir, etwas für die Energiewende zu tun.» Niederschlag findet dies in einer Fotovoltaikanlage, die auf dem Flachdach installiert wird. Rein rechnerisch genügt die Anlage, um gut vier Fünftel des Strombedarfs des gesamten Hauses abzudecken. «Allerdings fällt ein schöner Teil des Solarstroms zu Zeiten an, wo er nicht gebraucht wird.» Auch hier denkt der bei Schindler Aufzüge tätige Elektroingenieur bereits weiter. Zu einem späteren Zeitpunkt will er das Haus mit einem Energiespeicher ausrüsten. Überschüssiger Solarstrom wird dort gespeichert und kann dann genutzt werden, wenn man ihn braucht, etwa am Morgen und am Abend. Dass Käslin den Energiespeicher nicht schon auf den Bezugstermin Anfang 2017 einrichtet, hat seinen guten Grund: «Ich gehe davon aus, dass die Batterietechnik in den kommenden Jahren deutliche Fortschritte machen wird, und auch die Preise dürften sich um 40 bis 60 Prozent verbilligen.»

Eigenverbrauchsgemeinschaft

Als Mieter für die Wohnungen kann er sich sehr gut Personen vorstellen, die ein Elektroauto haben und von der hauseigenen Stromproduktion profitieren. Der Solarstrom wird im Übrigen nicht via Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Vielmehr wählt Käslin einen Ansatz, der erst seit 2014 möglich ist. «Ich setze auf eine Eigenverbrauchsgemeinschaft, an der sich möglichst alle Mieter beteiligen sollen», erklärt der 43-Jährige das System. Die Mieter beziehen den Strom vom Dach direkt – und das zu Preisen, die mit der Energie aus dem Netz mithalten können: 20 Rappen pro Kilowattstunde. Den überschüssigen Solarstrom verkauft er für 6,5 Rappen ans Gemeindewerk. «Diese Entschädigung wird in den kommenden Jahren gegen null sinken», sagt Käslin. Was den Einsatz des erwähnten Energiespeichers umso eher rechtfertige.

Mehrere Millionen Franken investiert Käslin in dieses Haus, das von den Kontur-Architekten in Stans geplant wurde. Die Wohnungen werden zwischen 21/2 und 51/2 Zimmer (Attika) haben, und er vermietet sie über seine Firma Kaeslin Solutions GmbH. Dazu gibt es zehn Einstellplätze und sechs Aussenparkplätze sowie Gewerberäumlichkeiten im Parterre. Die Mietpreise stehen noch nicht im Detail fest.

Bauherr Thomas Käslin (rechts) im Gespräch mit Remigi Zumbühl, Bauleiter der Stanser Kontur Architekten AG. (Bild Corinne Glanzmann)

Bauherr Thomas Käslin (rechts) im Gespräch mit Remigi Zumbühl, Bauleiter der Stanser Kontur Architekten AG. (Bild Corinne Glanzmann)