Beckenried
Eine etwas aussergewöhnliche Schlüsselübergabe in Beckenried

Das Boutique-Hotel Schlüssel überzeugt mit einem einzigarten Konzept. Und dieses soll erhalten bleiben, wie der Nidwaldner Gastrokenner Herbert Hubert bei einem Besuch bei den bisherigen und neuen Gastgebern erfuhr.

Herbert Huber
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Besitzerwechsel im «Schlüssel» in Beckenried: Gabrielle und Dani Aschwanden (beide aussen) mit ihren Nachfolgerinnen Malgorzata Lepska (links) und Conny Huser.

Besitzerwechsel im «Schlüssel» in Beckenried: Gabrielle und Dani Aschwanden (beide aussen) mit ihren Nachfolgerinnen Malgorzata Lepska (links) und Conny Huser.

Bild: Herbert Huber (Beckenried, 11. Mai 2022)

Just am Tage meines Besuches, um über die Schlüsselübergabe im Beckenrieder «Schlüssel» mehr zu erfahren, erhielten die Gastgeber Gabrielle und Dani Aschwanden ein unerwartetes Abschiedsgeschenk. Auf der viel beachteten Plattform Tripadvisor wurde das Boutique-Hotel Schlüssel auf den 17. Rang der weltbesten Hotels gehievt. Wohlverstanden – vom Publikum und nicht von einer «eingeseiften» Jury.

«Das macht doch den Abschied gerade noch um einiges schwerer?», fragte ich Gabrielle und wollte auch gleich wissen, warum sie, für viele Gäste so unerwartet plötzlich aufhören? «Eigentlich schwirrten bei uns schon länger Vorstellungen im Kopf, wann unser leidenschaftliches Engagement, immerhin seit 24 Jahren, ein Ende finden würde. Doch das ist alles einfacher gesagt als getan», erklärt die bisherige Gastgeberin.

Verpachten sei auch nicht in Frage gekommen. «Das ist meistens programmierter Ärger. Verkaufen schon, aber nicht an irgendeinen Spekulanten, der aus dem ‹Schlüssel› ein Renditeobjekt mit Wohnungen macht. So hat bei uns einmal mehr das Glück mitgespielt und wir konnten die prachtvolle Wirtschaft an eine Familie aus Beckenried verkaufen. Im gleichen Atemzug, wobei auch da wieder das Glück im Spiel war, fanden wir die passenden Nachfolger. Conny Huser als Gastgeberin und Małgorzata Łepska, oder einfach «Gosia» genannt, als Vollblutköchin.»

Wie alles begann

Vor 24 Jahren ging ein Raunen durch die Nidwaldner Gastrolandschaft. Ein spezielles Konzept war das Gesprächsthema. Keine Speisekarte – kein kulinarisches Wunschkonzert. So ging es bei den «Schlüssel»-Gastgebern Daniel und Gabrielle zu und her. Man reservierte und trat ein in die wunderschöne Wirtschaft mit den auf Hochglanz polierten Holztischen. War wohlig eingestimmt nach dem Apero im lauschigen Gärtchen oder in der hauseigenen «Spezereihandlung». Bald war man mit den Gastgebern auf Du und Du! Bewahre – niemand musste dieses innige Verhältnis eingehen. Alles war freiwillig im «Schlüssel», aber einfach sympathisch.

Daniel erschien jeweils am Tisch, begrüsste und empfahl im urigen Beckenrieder Dialekt, was er wo frisch gepostet hat. Ein «Vorspeisli», ein «Sippli» aus Grosis Suppentopf oder ein «Salätili» mit der herrlichen Haussauce? Man wählte zwischen Fisch und Fleisch, oder «ohne» für Vegetarier. Dann wartete man andächtig, genoss einen zum Gericht passenden Wein aus Gabrielles Wein-Welt.

Und wie geht es jetzt weiter?

Ab Juni wird Conny Huser, eine waschechte, mit viel natürlichem Charme gesegnete Wienerin, übernehmen. Zusammen mit dem bekannten Gastronomen Samuel Vörös und dem Hotelier Dominik Grossenbacher ist Conny an der neu gegründeten Betreibergesellschaft beteiligt. Geht nun die Erfolgsgeschichte weiter? «Sicher ist, dass ich das Konzept wie es ist telquel übernehmen werde. So werde ich das, was die Köchin «Gosia» gerade im kulinarischen Programm hat, den Gästen schmackhaft vortragen. Auch bei der Du-Form wird es bleiben.»

Conny hat während der Schulzeit in Gastronomiebetrieben geschnuppert und mit der Tourismus Fachschule eine besondere Ausbildung abgeschlossen. Seit 2018 ist sie Gastgeberin im Seelisberger «Träumli». «Gastgeberin zu sein ist für mich eine Passion und im «Schlüssel» habe ich die Möglichkeit, einen wunderschönen und erfolgreichen Betrieb weiterzuführen.» Zusammen mit der Kochfrau «Gosia».

Und wer ist Gosia? «Im Moment unterhalten wir uns auf Englisch. Aber ich bin am Deutsch büffeln – was zwar keine einfache Sprache ist. Sicher werde auch ich mich bei den Gästen nach getaner Arbeit vorstellen. Aber vor allem will ich Kochen», erklärt die neue Köchin vom «Schlüssel». «Dekorieren oder Kochen?», wollte ich wissen. Wie aus dem Kanonenrohr geschossen, kam die Antwort: «Kochen bitte: Klassisch mit neuzeitlichen Komponenten. Augengefällig angerichtet, ohne dekorierte Mustermessen auf den Tellern. Viel habe ich schon bei meiner Mutter und der Oma als Kind gelernt.»

Da darf man echt gespannt sein, insbesondere da Gosia nicht gelernte Köchin ist, aber immerhin in Breslau in einem Michelin ausgezeichneten Betrieb und im 5-Sterne-Hotel The Caprain Saas Fee am Herd stand. Und im Seelisberger Träumli? Scharf auf Punkte und Sterne? «Zuerst wollen wir bei den Gästen punkten, dann sehen wir weiter», bemerken schmunzelnd Conny und Gosia.

Dani und Gabrielle? Werden die beiden jetzt ständig im «Schlüssel» aufkreuzen? «Bis Ende des Jahres 2022 werden wir die beiden Gastgeberinnen auf Wunsch begleiten und dabei das neue Gastgeberteam den Gästen vorstellen. Dann fällt auch uns der Abschied etwas leichter. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge.»

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