BECKENRIED: Eine fast zwingende Aufforderung zum Tanz

Am Donnerstagabend stach die erste Summer Ferry in See: Auf der umgenutzten Autofähre sorgte das DJ-Duo Hörgenuss für eine rauschende Tanzparty bei frischem Fahrtwind.

Drucken
Teilen
Abtanzen einmal anders: zu Beats und Bässen auf der Fähre Tellsprung auf dem Vierwaldstättersee. (Bild: André A. Niederberger (Beckenried, 3. August 2017))

Abtanzen einmal anders: zu Beats und Bässen auf der Fähre Tellsprung auf dem Vierwaldstättersee. (Bild: André A. Niederberger (Beckenried, 3. August 2017))

Vorerst wirkt alles noch sehr gemütlich, die Gäste trudeln in der Seelounge des Restaurants Seerausch in Beckenried ein, der Apéro ist im Ticketpreis inbegriffen, man kennt sich, Küsschen da, Küsschen dort, es ist ein herrlicher Sommerabend. Und trotzdem liegt eine leichte Nervosität in der Luft – aus zweierlei Gründen: Einerseits steht die erste von fünf Vergnügungsfahrten der Autofähre Tellsprung bevor. Jeweils am Donnerstagabend im August kreuzt das Schiff nach den regulären Kursfahrten bis Mitternacht auf dem See, während auf dem autofreien Deck eine Band zum Konzert aufspielt. Summer Ferry heisst die Aktion, und man ist gespannt, wie dieses «Experiment» funktioniert.

Anderseits steht das DJ-Duo Hörgenuss hinter den Plattentellern, und das sorgt für ganz besondere Freude. Denn nach acht Jahren buchstäblicher Funkstille ist es das erste Mal, dass Marcel Bättig und Stefan Uiting wieder gemeinsam Musik auflegen. Und aus Erfahrung wissen die angereisten Fans, dass sie beide der definitive Garant für einen explosiven Tanzabend sind.

Um halb neun gehen alle an Bord, während sich am Pier die involvierten Chefs zum letzten Check treffen: Polizisten, Rettungsschwimmer, Sanitäter, der Schiffskapitän, der «Seerausch»-Chef und Manuel Streule, er ist der Organisator der Summer Ferry. Diese Runde lässt erahnen, wie gross der Aufwand ist, einen solchen Anlass zu organisieren und durchzuführen. Alle Anforderungen sind erfüllt, die Polizisten nicken, allgemeines Händeschütteln, die Szene erinnert an ein Fussball-Länderspiel nach dem Singen der Nationalhymne.

Wind, Wasser, Beats und Bass

Und dann geht’s endlich los. Die «Tellsprung» tuckert dem Abendrot entgegen, an der Bar gibt’s Drinks und Hotdogs, da und dort glimmen Zigarren, Marcel Bättig und Stefan Uiting legen das erste Vinyl auf den Plattenteller, und schon sind auch die ersten Tanzfreunde in Bewegung. Ungefähr um die Jahrtausendwende haben die beiden angefangen, als DJ-Duo aufzulegen, damals war Dance Music noch frischer und origineller als heute, und Hörgenuss wurden schnell zur hochgeschätzten Marke in den Clubs der Zentralschweiz mit einer treuen Fangemeinde.

Irgendwann kamen Freundin, Kinder, Beruf, und das heitere Hobby ging irgendwie verloren. Bis vorgestern Abend. Uiting und Bättig drehen an den Platten und den Knöpfen ihres Mischpults und strahlen wie die Maikäfer, wie Kinder unterm Weihnachtsbaum. Und das Volk tanzt glücklich und selig, weil Hörgenuss wieder auf dem Parkett sind. Ihre Plattenkunst ist eine spektakuläre Mischung aus treibenden Beats und wummernden Bässen (für Kenner: Big Beat, Elektro, ­gepimpter Acid Jazz, Hip-Hop – übrigens ohne Computer am Mischpult), eine schon fast zwingende Aufforderung zum Tanz.

Dass an dieser ersten Summer Ferry nur gerade 60 Leute erschienen sind, findet eigentlich niemand schade, am wenigsten Manuel Streule, der Organisator. Er wusste, dass es aus unternehmerischer Sicht ein Risiko war, die Summer-Ferry-Serie ausgerechnet mit einem DJ-Set zu eröffnen. Aber gute Musik bleibt auch mit wenigen Zuhörern gute Musik. Zudem habe sich der «Donnschtig-Jass» in Buochs als Konkurrenzanlass erwiesen, da könne man nichts dagegen tun. Aber, sagt Streule, der Vorverkauf für die kommenden Fährenausflüge laufe hervorragend.

Das Schiff fährt, die DJs strahlen, die Fans hören und geniessen, man könnte sagen: Die «Tellsprung» ist «the boat that rocks». Um Mitternacht legt die Fähre wieder an, viel zu früh, die Leute hätten problemlos weitertanzen mögen, aber hey, es war wunderbar, danke, Hörgenuss, tschüss, und hoffentlich dauert’s bis zur nächsten Party nicht wieder acht Jahre.

 

Christian Hug

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Hinweis

Die nächsten Summer Ferrys: 10. August: Schüpferi-Meitli; 17. August: Henrik Belden; 24. August: Jolly & The Flytrap; 31. August: The Knocked Out Rhythms featuring Coal. Die Fähre legt jeweils um 20.30 Uhr ab und um Mitternacht wieder an. Die Konzerte finden nur bei guter Witterung statt, Verschiebedaten gibt es keine. Alle Infos unter www.seerausch.ch.