BECKENRIED: «Goethe und Schiller sind voll cool»

Goethe und Schiller kann man auch rappen. Beckenrieder Schüler bewiesen es – und waren begeistert.

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Goethe und Schiller gerappt statt gelesen. Rap-Meister Doppel-U machts den Beckenrieder Schülern vor. (Bild Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Goethe und Schiller gerappt statt gelesen. Rap-Meister Doppel-U machts den Beckenrieder Schülern vor. (Bild Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Was hat Goethe mit Rap zu tun? Rein gar nichts, ist man versucht zu sagen. Im Beckenrieder Schützenhaus wurde man eines Besseren belehrt. Goethe- und Schiller-Gedichte kann man sehr wohl als Rap interpretieren. Und genau das machten die Schüler gestern. Aus voller Kehle rappen sie das Goethe-Gedicht «Gefunden»: «Ich ging im Walde – so für mich hin, – Und nichts zu suchen, – das war mein Sinn.» Im Hintergrund liefern die Boxen den passenden Rap-Teppich. Auf der Bühne oben ist Rap-Meister Doppel-U (26) in seinem Element. Rund 110 Schüler der fünften bis sechsten Klasse und der Oberstufe kommen in den Genuss dieses aussergewöhnlichen literarischen Erlebnisses.

«Ich erhalte ein wichtiges Kulturerbe»
Mit «Rap macht Schule» will der Rapper den Teenagern in Workshops und Konzerten den Zugang zu klassischer Dichtkunst erleichtern. Die Lehrerschaft in Beckenried wurde an der Schweizerischen Schulleitertagung in Hergiswil auf den ungewöhnlichen Rapper aufmerksam. Der Sechstklässler Cellestino Syfrig ist begeistert: «Mir hat das Rappen mit Doppel-U sehr gefallen. Er hats super gemacht.»

200 Jahre alte Weltliteratur und Rap: Wie kam es zu dieser Symbiose? «Ein belesener Mann brachte mich vor Jahren auf die Idee», erzählt Doppel-U. Nach anfänglichen Berührungsängsten befasste er sich mit den Werken und schrieb daraus einen Rap. Er könne nicht erwarten, dass die Jugendlichen danach tonnenweise Schiller-Literatur lesen, aber über den Rap könne man ihnen den Zugang zur Sprache ebnen. Mit nachhaltiger Wirkung: «Goethe und Schiller sind voll cool», bekomme er von ehemaligen Workshop-Teilnehmern oft zu hören. Er ist überzeugt, dass er mit den Gedichten in Rap-Form der Wortschatzverkümmerung, die seiner Meinung nach stattfindet, entgegenwirken kann. «Ich bin ein Werbeträger der deutschen Sprache und erhalte damit ein wichtiges Kulturerbe.»  Baden und Diessenhofen sind die weiteren Schweizer Stationen von «Rap macht Schule».

Matthias Piazza

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Nidwaldner Zeitung.