Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

BECKENRIED: «Ich muss den ersten Schritt für die Integration machen»

Keerti Agrawal lebt seit einem Jahr in Nidwalden. Wichtig für ihre Integration ist der lokale Sportverein.
Martin Uebelhart
Keerti Agrawal ist gebürtige Inderin und lebt seit einem Jahr in Beckenried. Bild: Martin Uebelhart

Keerti Agrawal ist gebürtige Inderin und lebt seit einem Jahr in Beckenried. Bild: Martin Uebelhart

Unter den neuen Mitgliedern, die die Sportunion Beckenried dieses Jahr aufgenommen hat, ist auch die gebürtige Inderin Keerti Agrawal. Seit einem Jahr lebt sie bei ihrem Mann Lukas Wymann in Beckenried. Kennen gelernt hatten sie sich 2006 in Indien. «Mir gefällt es gut hier», sagt sie mit einem Blick auf die an diesem Tag wolkenverhangene Umgebung. Sie ist überzeugt, dass die Integration für Migranten zentral sei. «Niemand ausser meinem Mann hat hier auf mich gewartet», sagt sie. «Ich muss den ersten Schritt für die Integration machen.» Dazu gehöre auch, Respekt vor der lokalen Kultur zu haben und offen auf die Leute zuzugehen. «Dann können wir sogar etwas voneinander lernen.»

Die Sportunion sei ein wichtiger Teil für ihre Integration, wichtig ist auch die Sprache. Deutsch ist ihre sechste Sprache. Keerti Agrawal lernt sie seit einem Jahr und kann sich schon sehr gut verständigen und ausdrücken. Ursprünglich stammt sie aus dem Norden von Indien, Hindi ist ihre Muttersprache. In der Schule hat sie Englisch gelernt. Aufgewachsen ist sie im Süden des Landes als jüngstes von drei Kindern. Dort kamen mit Tamil und Telugu zwei weitere indische Sprachen hinzu. Spanisch hat sie sich während ihrer Zeit in Kalifornien angeeignet.

«Die letzten 19 Jahre war ich eine Einwanderin», sagt die 44-Jährige. 1997 hat sie Indien in Richtung USA verlassen. Zunächst war die ausgebildete Ingenieurin in Elektrotechnik in Kalifornien tätig, dann in New Jersey, wo sie in der Telekommunikationsbranche ein 35-köpfiges, über den ganzen Globus verstreutes Team für den Kundensupport aufbaute und leitete. Dabei hat sie nicht nur den technischen Bereich geführt, sondern auch dafür gesorgt, dass das Team unter Beibehaltung kultureller und geografischer Eigenheiten eine Einheit bildete.

Respekt muss man sich verdienen

Geprägt hat sie eine Umgebung in Indien, wo verschiedene Religionen wie Hindus, Christen, Muslime oder Sikhs zusammenleben. «Von meiner Mutter habe ich die Lehre der Liebe mitbekommen. Sie hat alle in ihrem Umfeld gleich behandelt, egal ob sie eine andere Religion hatten oder eine andere Sprache redeten.» Vom Vater habe sie gelernt, dass man Respekt von anderen nicht verlangen kann, sondern ihn sich verdienen muss.

Ihre Mitgliedschaft in der Sportunion nahm ihren Anfang im vergangenen Dezember mit einer Schnupperstunde. «Dann habe ich viele Angebote genossen wie den Winterplausch, den Kraftraum, Powerfit, Vereinsmeisterschaft oder den Maibummel.» Auch an der kürzlich durchgeführten Generalversammlung nahm sie teil. «Ich habe sehr viele Frauen kennen gelernt.» Sie sei dankbar, dass sie von der Sportunion und den Leuten in Beckenried mit offenen Armen aufgenommen worden ist. Im Gegenzug kommt die Sportunion zu Yoga-Kursen. Keerti Agrawal ist ausgebildete Yoga-Lehrerin. Sie könnte sich vorstellen, vermehrt als Yoga-Lehrerin tätig zu sein. Oder Yoga-Reisen in ihre Heimat zu organisieren. Auch vegetarische indische Kochkurse zu geben, könnte sie sich vorstellen. Und wie sieht es mit ihrem angestammten Beruf aus? «Ich könnte wieder als Ingenieurin tätig sein, ich habe alle notwendigen Papiere», erzählt sie. «Doch zunächst möchte ich mir die Zeit nehmen, die Sprache zu erlernen und noch vertrauter mit der Kultur zu werden.» Und in Sachen Kultur hat sie bisher so ziemlich alles mitgenommen, was die Gegend zu bieten hat: Samichlauseinzug, Fasnacht, 1. August, Älplerchilbi ... Und auch den kulinarischen Genüssen ist sie zugetan, soweit sie sich mit ihrer seit je vegetarischen Ernährungsweise vereinbaren lassen: «Ich mag Fondue, Raclette, Älplermagronen ... und dunkle Schoggi.» Mit den hiesigen Getränken ist sie ebenfalls vertraut: «Beim Fasnachtsanlass der Beggo-Zunft habe ich als Helferin am Buffet Kaffee mit allen möglichen Beigaben zubereitet.»

Martin Uebelhart

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.