Beckenried
Künstlerpaar erstellt geheimnisvollen Garten für Nidwaldner Dichterin

Einen «Jardin secret» schafft das Künstlerpaar Pascal Murer und Nino Doborjginidze in der Ermitage. Isabelle Kaiser hätte sich gefreut.

Romano Cuonz
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Vor der Beckenrieder Galerie Ermitage breitet sich ein wunderschöner Garten mit direktem Anstoss an den Vierwaldstättersee aus. In dieser fast schon monumentalen Landschaftskulisse steht zurzeit die Bronzefigur einer grazilen Ballerina. Schaut man etwas genauer hin, entdeckt man, dass der Künstler Pascal Murer sie einer bekannten Nidwaldner Dichterin widmet: «Hommage – Isabelle Kaiser» steht in der Werkliste. Und man darf gewiss sein: Die Ästhetin Isabelle Kaiser (1866-1925), die das Anwesen Ermitage gestaltet und bewohnt hatte, wäre über diese Figur hocherfreut gewesen. Und wohl nicht weniger über den geheimnisvollen Garten, den das Locarneser Künstlerpaar Pascal Murer (Skulpturen) und Nino Doborjginidze (Malerei) im Galerieraum zurzeit erblühen lässt – mit seltsamen, aus Holz emporwachsenden Pflanzen. Mit Blumen- und Landschaften, die in vitalen Farben gemalt sind und mit ihrer vollen Sinnlichkeit bestechen.

Pascal Murer und Nino Doborjginidze. Im Hintergrund hängen Bilder von Doborjginidze.

Pascal Murer und Nino Doborjginidze. Im Hintergrund hängen Bilder von Doborjginidze.

Bild: Romano Cuonz (Beckenried, 24. April 2021)

«Meine Wurzeln habe ich hier in Beckenried, da bin ich über drei Generationen z’ Matte Migis Pauls, Pauls, Pascal Paul», sagt Pascal Murer und lacht übers ganze Gesicht. «Meine Urgrosseltern waren befreundet mit Isabelle Kaiser. In ihrem Haus, zusammen mit meiner Frau, eine Ausstellung zu machen, war eine Herzensangelegenheit.» Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist der Bildhauer in Altdorf. Seit nunmehr 20 Jahren lebt und arbeitet er mit seiner Frau Nino Doborjginidze in Locarno. Ihr gemeinsames Atelier trägt den vielsagenden Namen «Vedo arte». Kennen gelernt haben sich die beiden, als sie an der Akademie der Bildenden Künste Wien studierten. Beiden gemeinsam war, von Anfang an, ihr tiefer Bezug zur Natur. Und so schaffen sie denn im Galerieraum Ermitage auch einen «Jardin secret». Voller Magie setzen sich die beiden mit dem Wachsen und Gedeihen auseinander, tauchen ein in fantastische Welten und nehmen Besucherinnen und Besucher dorthin mit.

Eigentlich ein Zeichner

Eigentlich ist Pascal Murer Zeichner. «Ich haue nicht, ich arbeite mit dem Bleistift», sagt er. Der Künstler liebt feine Linien, Fragmente und transparente Strukturen. Doch seine grosse Kunst ist es, seine Zeichnungen auf Holz – oder auch einmal Bronze – zu übertragen und zu filigranen, spannungsvollen Skulpturen werden zu lassen. Ihre Titel: «Fleur», «Poesia», «Fleur de Jour», «Segreto». Zerbrechlich fein sind diese Pflänzchen und verlangen von den Besuchern Vorsicht. Für Murer gilt, was Bernhard von Clairvaux im Mittelalter sagte: «Den Garten des Paradieses betritt man nicht mit den Füssen, sondern mit dem Herzen.» Die Oltner Schriftstellerin Madeleine Schüpfer schildert die Arbeitsweise Murers treffend, wenn sie sagt: «Pascal ist ein Künstler, der einem aufzeigt, dass man hinter die Dinge sehen muss, und dass vor allem die Natur in ihrer Vollkommenheit uns solche Bilder schenkt, aber nicht nur in ihrer Vollkommenheit, sondern in ihrer inneren und äusseren Schönheit.»

Skulpturen von Pascal Murer in der Galerie Ermitage.

Skulpturen von Pascal Murer in der Galerie Ermitage.

Bild: Romano Cuonz (Beckenried, 24. April 2021)

Nino Doborjginidze stammt ursprünglich aus Georgien. Aber die Liebe zu Pascal Murer hat sie zur Schweizerin werden lassen. «Ich versuche das, was ich sagen möchte, mit Farbkraft und Farbwirkung auszudrücken.» In der Tat: Die Bilder dieser Künstlerin sind Momentaufnahmen. Sie dokumentieren das oft flüchtige Zusammentreffen von Mensch und Natur. «Ich liebe die Momente, in denen man nicht mehr alles genau festhalten und fixieren kann, wenn Bewegung in die Farben kommt», schildert sie.

Bilder stehen in Kontakt mit Skulpturen

Genau diese Bewegung empfindet man, wenn man vor ihren Bildern steht: Die farbigen Landschaften erscheinen einem wie aus dem fahrenden Zug oder Auto aufgenommen. Mit ihren Bildern nimmt sie unwillkürlich auch Kontakt zu den Skulpturen ihres Mannes auf. «Unsere Werke passen zusammen, auch wenn wir nie etwas miteinander absprechen», sagt Pascal Murer. «Es ist, als ob ich eine Pflanze kreiere und Nino dann daraus Farben und Blumen hervor wachsen lässt.» In den Werken von Nino Doborjginidze schlummert sehr viel Persönliches und Geheimnisvolles. Wir befinden uns ja schliesslich in einem «Jardin secret», in dem zauberhafte Spontaneität Programm ist. Die kulturaffine Schriftstellerin Madeleine Schüpfer sagt es so: «Beide Kunstschaffenden haben in sich eine Kreativität, die sich durch Lebendigkeit auszeichnet, persönlich geprägt ist, unvergessliche Eindrücke hinterlässt und jede und jeden gefangen nimmt.»

Pascal Murers Skulpturen aus Holz sind filigran wie Blütenblätter.

Pascal Murers Skulpturen aus Holz sind filigran wie Blütenblätter.

Bild: Romano Cuonz (Beckenried, 24. April 2021)

Hinweis: Die Ausstellung «Jardin secret» ist noch bis zum 9. Mai in der Galerie Ermitage in Beckenried zu sehen. Weitere Infos: www.kulturverein-ermitage.ch.