BECKENRIED: Mit ihm kam das Geislechlepfe ins Dorf

Vor über 50 Jahren packte ihn die Leidenschaft: Uli Amstad brachte das Geislechlepfe nach Beckenried an den Chlais-Izug.

Philipp Unterschütz
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Geislechlepfer Uli Amstad macht seit 50 Jahren mit am Beggrieder Samichlais-Izug. (Bild Jakob Christen)

Geislechlepfer Uli Amstad macht seit 50 Jahren mit am Beggrieder Samichlais-Izug. (Bild Jakob Christen)

Wenn auch dieses Jahr am 5. Dezember am Beggrieder Samichlais-Izug zwölf Geislechlepfer in drei Gruppen mit lautem Knallen ankünden, dass der Samichlaus naht, so ist das insbesondere ein Verdienst von Uli Amstad. Kein Wunder, dass das «Beggriäder Mosaik» in der Novemberausgabe dem leidenschaftlichen Geislechlepfer ein ganzseitiges Porträt widmete.

Den heute 69-Jährigen packte der alte Brauch in der Geislechlöpfer-Hochburg Kriens, als er 1961 bis 1964 dort seine Coiffeurlehre absolvierte. «Bei uns war das Geislechlepfe damals noch nicht in Mode, also haben wir es nach Beckenried gebracht», erinnert sich Uli Amstad, der seine Geiselschnüre seit damals aus der gleichen Seilerei in Willisau bezieht. Vor 50 Jahren, 1965, nahm er mit seinem jüngsten Bruder Edi und Kollege Franz Murer erstmals am Chlais-Izug teil. «Es war einfach, die beiden ‹anzustecken›», schmunzelt Uli Amstad. Und sie waren nicht die Einzigen. Es habe immer wieder Wechsel gegeben über die Jahre, sicher um die 30 Personen habe er begeistern können. «Und bis heute haben wir keine Nachwuchsprobleme, es machen immer wieder Junge mit, denen die alte Tradition ebenfalls gefällt», freut er sich.

Es kommt auf die Technik an

Zwar treten die Beggrieder Geisle­chlepfer im eigenen Burdihemd mit Logo auf, doch sie seien kein Club oder Verein, sagt Uli Amstad. «Bei uns wird einfach per Rundtelefon bekannt gegeben, wann und wo geübt wird.» Die erfahrenen Chlepfer üben in der Regel vier Mal vor dem Chlais-Izug, die jüngeren etwas mehr. «Das ist schon nötig, damit es perfekt klappt. Die vier Chlepfer in einer Gruppe machen zuerst vier gemeinsame Schläge, dann kommt ein Ringlauf mit schnelleren Schlägen im Takt und zum Schluss wieder vier gemeinsame Schläge.» Das gebe pro Runde 30 bis 40 Schläge, am ganzen Chlaus-Izug chlepfe er sicher 300 Mal, rechnet Uli Amstad vor. Das scheint beachtlich für einen knapp 70-Jährigen, doch der Ur-Geislechlepfer relativiert. «Es kommt auf die Technik an; wenn man es richtig macht, braucht es gar nicht so viel Kraft, mir geht es ‹ring›. Kondition braucht es aber trotzdem.» Früher habe er problemlos hundert Schläge am Stück gemacht, heute seien es schon weniger. Uli Amstad hält sich fit mit Skifahren oder Jagen. Auch nach seinem 50. Jubiläum denkt er deshalb noch nicht ans Aufhören. «Wenn ich ‹zwäg› bleibe, wage ich es auch nächstes Jahr wieder.»

Tipps für Nachwuchs-Chlepfer

Rund 20 Geisle haben sich bei Amstad angesammelt. Seine Geiselschnüre sind rund 2,6 Meter lang und verjüngen sich im Durchmesser von 4 auf 1 Zentimeter. «Es gibt zwar längere und schwerere Geislen, aber die hätten ja keinen Platz auf der Strasse», erklärt Uli Amstad, der den Geisleknebel mit zwei Händen schwingt. Es gibt auch hier feine Unterschiede im Brauchtum. Im Kanton Schwyz, beispielsweise am Küsnacher Chlausjagen, sieht man auch oft die kürzeren, einhändig geschwungenen Geislen.

Dass in den Gruppen der Beckenrieder jeweils vier Chlepfer sind, liege daran, dass diese Zahl ideal für den Takt sei. Es werde sonst zu eng im Ringlauf. Man hätte es mit fünf oder sechs probiert, aber das wirke nicht so gut.

Für junge Geislechlepfer hat Uli Amstad auch gleich einige Tipps bereit. «Man sollte nicht mit zu langen oder schweren Geislen anfangen und nicht einfach mit Gewalt reissen. Bei der Technik ist es wichtig, immer leicht nach oben zu ziehen, damit man nicht auf den Boden schlägt. Und ganz wichtig ist eine Kopfbedeckung, damit man sich nicht um die Ohren haut.» Im Übrigen seien junge Interessenten jederzeit willkommen, man solle die Chlepfer einfach am Chlaus-Izug am 5. Dezember in Beckenried ansprechen.