BECKENRIED: Neubau gegen Engpässe

Nötig und finanzierbar sei das neue Schulhaus, wirbt der Gemeinderat für das 9-Millionen-Projekt. Das letzte Wort haben die Bürger.

Matthias Piazza
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So könnte das neue Schulhaus für Kindergarten und 1./2. Primarklasse aussehen. Visualisierung: PD

So könnte das neue Schulhaus für Kindergarten und 1./2. Primarklasse aussehen. Visualisierung: PD

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

«Beckenried wächst. Auch künftig werden die Einwohnerzahlen steigen – auch bei den Kindern. Dafür sprechen alle Szenarien.» Mit diesen Worten versuchte Gemeinderat Adrian Scheuber die rund 100 anwesenden Beckenrieder am Dienstagabend an der Informationsveranstaltung im Alten Schützenhaus auf die Vorlage vom 21. Mai einzuschwören. Die Stimmberechtigten befinden dann über den Neubau eines Schulhauses für den Kindergarten und die erste und zweite Klasse für total 8,85 Millionen Franken. Ein Ausbau tue jetzt schon not. Auf dieses Schuljahr musste ein vierter Kindergarten eröffnet und in die Bibliothek im Erdgeschoss des Oberstufenschulhauses einquartiert werden. Die Bibliothek wurde ins Dachgeschoss des Schulhauses gezügelt.

Eine erste Hürde nahm das Projekt im Herbst 2015, als die Bürger mit 72 Prozent deutlich Ja zum Planungskredit von 390 000 Franken sagten. In der Zwischenzeit hat sich eine Planungskommission mit Mitgliedern von Gemeinderat und Schule gebildet, sich an die Arbeit gemacht und einen Architekten beauftragt. Es ist dies die einheimische Bissig Murer und Partner Generalunternehmung & Architektur AG, die sich gegen elf Mitbewerber durchgesetzt hat.

Parkplätze werden bewirtschaftet

Architekt Philipp Bissig ging im Hauptteil auf die Details des geplanten dreistöckigen Schulhauses für Kindergarten und 1./2. Klasse ein. Es soll L-förmig westlich neben dem bestehenden Oberstufenschulhaus zu stehen kommen und so auch einen neuen Innenhof bilden. «Die Hauptschulanlagen sind dann alle auf der gleichen Strassenseite angeordnet. Dank der Tiefgarage kann das Schulhausareal weitestgehend autofrei gestaltet werden», strich Bissig einen Vorteil des Verkehrskonzepts hervor. 45 bewirtschaftete Parkplätze (davon auch behindertengerechte) sind in der Tiefgarage geplant, die ohne mechanische Lüftung auskommt. Die geplanten Lagerräume neben der Tiefgarage ­werden als Zivilschutzraum für 50 Personen ausgebaut, da im Gebiet Allmend ein Mangel an Zivilschutzplätzen bestehe.

Eine Aufstockung ist später möglich

Im Erdgeschoss sind ein Gemeinschaftsraum für maximal 100 Personen und eine Kleinküche geplant, ausserdem Garderoben, WC-Anlagen, das Lehrerzimmer und ein Werkraum. Im ersten Obergeschoss werden vier Räume für die Kindergärtler erstellt, sie teilen sich jeweils zwei Gruppenräume, dazu kommen noch zwei Therapieräume. «Mit dieser spielerischen, verwinkelten Anordnung in Form eines L bringen wir den gewünschten Rundlauf hin.» Das bedeutet, jeder Raum ist mit jeweils zwei weiteren Räumen verbunden. Man kann also in einem Durchgang durch sämtliche Räume der ganzen Etage gehen. Mehr noch: «Auch der Korridor kann bei Bedarf für den Schulbetrieb voll genutzt werden.» Das Flachdach des Werkraums im Erd­geschoss dient im ersten Ober­geschoss als kleiner Aussen­aufenthaltsplatz. Im zweiten Obergeschoss sind die vier Schulzimmer der ersten und zweiten Primarklasse untergebracht. Auch diese sind im Rundgangsystem mit den Gruppen- und Therapieräumen verbunden.

Bei Bedarf sei später auch eine Aufstockung um eine weitere Etage möglich. Zwischen dem bestehenden und dem neuen Schulhaus wird ein naturnaher Platz erstellt und mit verschiedenen Spielgeräten bestückt. Und aufgrund der Steigung von maximal 6 Prozent sei das gesamte Schulhausareal auch behindertengerecht. Gemeinderat Adrian Scheuber stellte in Aussicht, dass bei Bedarf auch ein Beachvolleyballfeld realisierbar wäre, wie von verschiedenen Vereinen gewünscht. Dieses wäre im Kostendach von 8,85 Millionen Franken bereits enthalten.

Steuererhöhung ist nicht notwendig

Apropos Kosten: Finanzchef Pascal Zumbühl legte dar, dass sich die Gemeinde diese Millioneninvestition leisten könne – und zwar ohne Steuererhöhung. «Wir hatten im vergangenen Jahr mit einem Überschuss von 1,47 Millionen Franken das beste Ergebnis im Kanton.» Dank hoher Bautätigkeit in der Gemeinde und einer disziplinierten Ausgabenpolitik erwarte der Gemeinderat trotz der hohen Investition bis im Jahr 2021 weiterhin positive Rechnungsabschlüsse. Die Prokopfverschuldung werde sich von 2000 auf 5400 Franken erhöhen, was aber immer noch niedriger sei als beim Höchststand der vergangenen zwanzig Jahre im Jahr 2002 (5960 Franken).

Geben die Beckenrieder Stimmberechtigten dem Baukredit am 21. Mai grünes Licht, sollen im Spätherbst 2017 die Baumaschinen auffahren und soll im Sommer 2019 der Neubau bezogen werden können.