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BECKENRIED: Sie gibt bei den Männern den Ton an

Seit sechs Jahren hat Franziska Bircher das Sagen als Dirigentin bei den Jodlern. Ihr Eintritt in die Männerdomäne Jodeln war zu Beginn alles andere als einfach.
Rosemarie Bugmann
Franziska Bircher als Vorjodlerin inmitten der Beggrieder Jodler. (Bilder Corinne Glanzmann)

Franziska Bircher als Vorjodlerin inmitten der Beggrieder Jodler. (Bilder Corinne Glanzmann)

Rosemarie Bugmann

Wie ein Farbtupfer mit ihrem bunten Outfit und der Sonnenblume im Haar steht Franziska Bircher inmitten der Beggrieder Jodler. Ein gutes Dutzend Männer und eine Frau scharen sich um ihre Dirigentin. Es ist Mittwochabend, kurz vor der Probe. Vor allem Männerstimmen könnte der Verein noch gut brauchen. Nachwuchs zu finden, ist gar nicht so einfach. «Buben sind lieber draussen und haben mit dem Singen weniger am Hut als Mädchen» sagt Franziska Bircher. Als Primarlehrerin weiss sie, wovon sie spricht. Dazu kommt, dass heute zu Hause generell nicht mehr viel gesungen werde.

Eine gesangsfreudige Familie

Ihre eigene Familie bildet da eine Ausnahme. Die vier inzwischen erwachsenen Söhne singen alle, zwei davon im Moment auch in Beckenried, ihr Mann ist ebenfalls Chormitglied. Zurzeit geht es um den grossen Auftritt am 60. Zentralschweizerischen Jodlerfest in Sarnen. 3500 Aktive werden erwartet, mehrheitlich Männer, denn die Frauen sind in den Klubs noch immer in der Minderheit. «Meistens sind es höchstens drei bis vier Frauen pro Verein. Sie sollen eine Ergänzung sein und keine Konkurrenz», sagt Bircher. Als junge Frau hat sie entsprechende Erfahrungen gemacht, musste Klubs verlassen, weil sie als Konkurrenz empfunden wurde. Gottlob sind das tempi passati und in Beckenried kein Thema.

Frühe Kommunikationsform

Aber um es zu verstehen, muss dem Ursprung des Jodelns nachgegangen werden. Das Brauchtum ist keine Erfindung der Schweiz, auch nicht der umliegenden Alpenländer. Vielmehr war der Jodel weltweit eine Kommunikationsform von Hirten und Sennen. Wie anders hätte man vor unserer Zeit weite Distanzen akustisch überbrücken können? Später hat sich der Jodel in allen Erdteilen weiterentwickelt, ist zum Brauchtum geworden, unter anderem in den Alpenländern und damit in der Schweiz. Waren Jodelklubs zu Beginn ausschliesslich Männervereine, so gibt es heute bereits wenige reine Frauenklubs. «Früher hatten die Frauen auch kein Stimm- und Wahlrecht», sagt Franziska Bircher zu dieser Entwicklung. Die Rollen waren klar verteilt. Parallel zur vermehrten Präsenz der Frauen in Politik und Wirtschaft sind sie auch in diese Männerdomäne vorgestossen.

Liebe zum Gesang und zur Tracht

Franziska Bircher selber hatte die Liebe zur Tracht und zum Singen schon als Kind in sich. «Als junges Mädchen habe ich mir eine Tracht gewünscht», erinnert sie sich. Sie ist im Kanton Zürich aufgewachsen, nicht gerade eine Hochburg in dieser Beziehung. Eine Trachtentanzgruppe aber gab es, und sie ist ihr beigetreten. Dazu kommt, dass in ihrer Familie immer viel gesungen wurde. So war die Verbindung von der Liebe zur Tracht und zum Gesang nur noch ein kleiner Schritt. Gemeinsame Auftritte von ihrer Trachtentanzgruppe mit dem Jodelklub führten sie schliesslich zum Jodeln. Franziska Bircher hat den Lehrerberuf ergriffen und sich gesanglich kontinuierlich weitergebildet. Irgendwann kam ein Dirigentenkurs dazu. Durch Heirat ist sie als junge Frau in Nidwalden gelandet. Heute lebt die 51-Jährige mit ihrem Mann und den vier Söhnen in Oberdorf. Dass sie auch hier weiterjodeln wollte, war keine Frage. Doch wie viele Frauen fand Franziska Bircher keinen Verein. Kurzerhand hat sie den Jodelchor Brisenblick in Oberdorf ins Leben gerufen. Nach Beckenried ist sie gekommen, weil kurzfristig ein Dirigent ausgefallen war. Heute ist sie bei den Beggrieder Jodlern fest verwurzelt.

Inzwischen ist die Probe in vollem Gang. Der Chor hat sich im Halbkreis um die Dirigentin aufgestellt. Alle Augen sind auf sie gerichtet. Angefangen wird mit Stimmübungen, dann geht es mit Rhythmusübungen weiter. Später wird das Festlied angestimmt, eine halbe Strophe, der Refrain, das Ganze von vorn. Dazwischen fällt auch mal ein Spruch, dann wird wieder gesungen. Auf diese Weise werden schwierige Passagen geübt und ausgefeilt. Schliesslich will man sich am Jodlerfest keine Blösse geben.

Oft keinen Platz

bur. Während bei den meisten grösseren Klubs die Männer in der Überzahl sind, überwiegt bei Kleinformationen die Anzahl der Frauenstimmen. Jodelkurse werden zu 80 Prozent von Frauen besucht, die jedoch oft keinen Platz in den Vereinen finden. Der Jodelpart eines Liedes kann nur von hohen Männerstimmen oder Frauen gesungen werden. Die Art zu jodeln hat sich ebenso wie die Stellung der Frau entwickelt und wird sich auch in Zukunft verändern. Im Festführer schreibt Richard Huwiler, Präsident des Zentralschweizer Verbandes treffend: «Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.»

Warum können ältere Frauen nicht mehr jodeln?

mw. Fast täglich hat Matthias Echternach, Oberarzt am Institut für Musikermedizin der Uniklinik Freiburg im Breisgau (D), mit Berufssängerinnen zu tun, die sich behandeln lassen möchten, weil sie stimmlich ab einem gewissen Alter an ihre Grenzen stossen. Der Professor hat eine einleuchtende Antwort, wieso Frauen unter diesem Phänomen leiden und Männer nicht.

Eine Frage der Hormone

«Das Stimmsystem von Frauen ist anderen Hormonschwankungen ausgesetzt als das von Männern», sagt er. Nach dem Stimmbruch, der bei Frauen sehr viel kleiner ausfalle als bei Männern, sei die Entwicklung der Stimme bei Frauen kontinuierlich. Bei Männern würden die Geschlechtshormone erst im Alter abnehmen, bei Frauen setze dieser Abfall der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron bereits mit den Wechseljahren zwischen 50 und 55 ein. «Dadurch werden die Schleimhäute trocken, und auch die Flexibilität der Stimmlippenschwingung nimmt ab», lautet die einleuchtende Antwort des Hals-Nasen-Ohren-Arztes.

Ähnlich wie beim Singen

«Auch wenn es Ausnahmen gibt, Sie werden kaum eine Sopranistin über 55 Jahre finden», sagt Matthias Echternach. Zwar gebe es für das Jodeln keine Studien, für den Fachmann steht aber fest: «Die Steuerung der Register, die so wichtig für das Jodeln ist, nimmt ab. Das ist beim Singen wie beim Jodeln.» Die Behandlung mit Hormonen lehnt Echternach ab. «Sie würde das Brustkrebsrisiko erhöhen.»

Viele Lösungsansätze

Für ihn gibt es als Lösungsansatz des Problems die Möglichkeit, logopädisch oder gesangspädagogisch an der Stimme der betroffenen Sängerin zu arbeiten, das Repertoire und die Belastung des Singens anzupassen und möglicherweise auf ein anderes Berufsfeld wie pädagogisches Singen auszuweichen.

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