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BECKENRIED: Solarstrom fliesst ohne Umweg zur Dose

Im neu gebauten Mehrfamilienhaus von Thomas Käslin wird die Elektrizität in einer Eigenverbrauchsgemeinschaft verwaltet. Für die Schweiz ist das heute noch ein seltenes Konzept.
Martin Uebelhart
Hausbesitzer Thomas Käslin vor dem Mehrfamilienhaus Oberbächli in Beckenried. (Bild: Corinne Glanzmann (Beckenried, 6. Februar 2018))

Hausbesitzer Thomas Käslin vor dem Mehrfamilienhaus Oberbächli in Beckenried. (Bild: Corinne Glanzmann (Beckenried, 6. Februar 2018))

Über eine Luke im obersten Stock gelangt man aufs Dach des Mehrfamilienhauses Oberbächli an der Ridlistrasse in Beckenried. Fast über die ganze Dachfläche erstreckt sich eine Fotovoltaik­anlage, wie sie auf vielen Häusern zu sehen ist. Das Besondere an diesem Haus ist die Eigen­verbrauchsgemeinschaft, der die insgesamt acht Mietparteien angehören. Die heutigen gesetz­lichen Bestimmungen ermöglichen es Hausbesitzer Thomas Käslin, den Solarstrom vom Dach direkt an seine Mieter zu verkaufen – ohne Umweg über das Gemeindewerk Beckenried. Produzieren die Solarzellen zu wenig Strom für den Verbrauch im Haus, kommt Strom aus dem Netz hinzu. «Wenn das Haus mehr Strom produziert, als verbraucht wird, kann ich den Überschuss an das Gemeindewerk verkaufen», sagt Thomas Käslin.

App informiert Mieter über den Energieverbrauch

Er zückt sein Smartphone und zeigt auf einer App den momentanen Stromverbrauch. Die Solaranlage liefert rund 5 Kilowatt Leistung, etwa gleich viel wird aus dem öffentlichen Stromnetz bezogen. Das ändert sich in dem Moment, als sich die Wärmepumpe für die Heizung in dem nach Minergie-A-Standard erbauten Haus zuschaltet. Nun vermag die Sonne an dem frühlingshaften Winternachmittag nur mehr rund einen Drittel an die benötigte Leistung beizusteuern.

Seit dem Erstbezug im vergangenen März habe sich das Haus bewährt, sagt Thomas Käslin. Die Mieter hätten sich vom Konzept überzeugen lassen und sich der Eigenverbrauchsgemeinschaft angeschlossen. «Jeder Mieter kann eine App nutzen, die ihm als Momentaufnahme oder im Total seinen Verbrauch aufzeigt», erklärt er. Und das nicht nur beim Strom-, sondern etwa auch beim Wasserverbrauch.

Laut Bundesamt für Energie motiviere eine solche Visualisierung zusätzlich zum haushälterischen Umgang mit den Ressourcen, was bis zu 10 Prozent Einsparungen bringen könne, so Käslin. «Produziert die Anlage auf dem Haus mehr Strom, als aktuell verbraucht wird, zeigt dies auf jedem Stockwerk eine blaue LED an.» Rückmeldungen seiner Mieter zeigten ihm, dass sie zufrieden seien. Sie erhalten den Strom rund 2 Rappen pro Kilowattstunde günstiger als beim Gemeindewerk. «Und sie haben die Gewissheit, dass der Solarstrom vom eigenen Dach stammt.» Zudem steht ihnen und ihren Besuchern – im Moment kostenlos – eine Ladestation für Elektroautos zur Verfügung. «Derzeit hat noch niemand im Haus ein Stromauto», sagt Käslin, «aber das wird kommen.»

Gesteuert wird die ganze Haustechnik in einer Zentrale, in der neben der Wärmepumpe und den Boilern für Heizung und Warmwasser auch die Elektrozähler – sogenannte Smartmeter – für die einzelnen Wohnungen und das ganze Haus untergebracht sind. Das Haus Oberbächli sei eines der ersten Mehrfamilienhäuser mit Eigenverbrauchsgemeinschaft in der Schweiz, sagt Thomas Käslin. Das Konzept werde nach und nach bekannter. Er weiss von Plänen im Berner Oberland, wo ein ganzes Neubauquartier so eine Gemeinschaft bilden soll – mit nur noch einem einzigen Zähler für das öffentliche Stromnetz.

Vollständige Unabhängigkeit vom Netz ist kein Ziel

Mit Blick auf die vom Volk bewilligte Energiestrategie 2050 glaubt Thomas Käslin, dass zentrale Produktion und Verbrauch von Elektrizität ein Modell für die Zukunft sein können. «Wenn der Strom gleich vor Ort eingesetzt werden kann und nicht erst ins öffentliche Netz eingespeist wird, belastet er auch die Leitungen nicht zusätzlich.» Sein Haus dient ihm als Referenzobjekt. Eben hat sich der Elektroingenieur mit seiner Firma E-Man AG auf dem Gebiet des Energiemanagements selbstständig gemacht.

Ein weiterer Schritt könnte der Einbau einer grossen Batterie sein. «So könnten die Überschüsse gespeichert und bei Bedarf wieder abgerufen werden», sagt Käslin. Heute lohne sich eine solche Investition allerdings noch nicht. «Die Batterien sind im Verhältnis zum Strompreis heute noch zu teuer.» Kein Ziel sei es, so ein Haus vollständig unabhängig vom öffentlichen Stromnetz zu machen. «Der Aufwand dafür wäre viel zu gross. Denn auch an den kältesten Wintertagen ohne Sonne müsste immer genug Energie für alle Verbraucher zur Verfügung stehen.»

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch

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