BECKENRIED: Urfasnächtler mit Liebe zur Region

Mit dem Zunftmeister Roland I. Gander herrscht ein Urfasnächtler über die närrischen Tage. Auch sein Arbeitgeber unterstützt ihn.

Richard Greuter
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Beggo-Zunftmeister Roland I. mit seiner Frau Andrea. (Bild: Richard Greuter / Neue NZ)

Beggo-Zunftmeister Roland I. mit seiner Frau Andrea. (Bild: Richard Greuter / Neue NZ)

Das Leben von Roland I. und Andrea Gander hat sich in den letzten Wochen gewaltig verändert. «Die Leute kommen vermehrt auf uns zu. Noch heute erhalte ich Gratulationen», erklärt Roland I. Ähnlich ergeht es Ehefrau Andrea, die in der Buochser Migros-Filiale als stellvertretende Filialleiterin arbeitet. «Ich erlebe viele Reaktionen von Kunden und bin auch schon als Frau Zunftmeister angesprochen worden.»

Zunftlokal: Kein Zutritt

Als Zunftmeister nimmt Roland I. automatisch Einsitz in den Zunftrat. Nur, so richtig willkommen sei er in diesem Gremium zurzeit nicht, meint der Fasnachtsherrscher. Jedenfalls nicht bis zur Fasnacht. Derzeit laufen bei der Beggo-Zunft die Vorbereitungsarbeiten für den Fasnachtsumzug vom kommenden Samstag. Zudem wird im Zunftlokal im Moment gezimmert, gehämmert, geschraubt und montiert. Was da genau entsteht, davon soll ja der Zunftmeister nichts wissen.

Auch mit dem Herrscherstatus bekunden beide noch etwas Mühe. «Ich muss mich daran gewöhnen, mich bedienen zu lassen», sagt Roland Gander. Denn beide sind es gewohnt, selber anzupacken. Selbst Andrea darf ihrem Mann in der Öffentlichkeit nicht in den Umhang helfen. Dies sei Sache eines begleitenden Zunftrates, so der leidenschaftliche Fasnächtler. Dabei windet Roland I. dem Zunftrat ein Kränzchen: «Ohne dessen Unterstützung könnte ich die Fasnacht nicht so geniessen.»

Fasnachtsvirus seit Geburt

Seit der Inthronisation ist bekannt, dass Roland I. von Geburt an mit dem Fasnachtsvirus infiziert ist. Während dreier Jahre wirkte er bei den Ennetbürger Sunneguuggern mit. Später war er vier Jahre bei den Beggo-Schränzern, zwei Jahre davon als deren Präsident. Nicht über so heisses fasnächtliches Blut verfügt Andrea. Sie, die in St. Niklausen aufgewachsen ist, absolvierte bei den Kägiswiler Guuggen Dossäbängäler ein Probejahr, musste dann aber einsehen, dass dieses Engagement mit ihrem Beruf im Verkauf nicht vereinbar war. «Ich genoss die Fasnacht viel lieber mit meinen Kolleginnen.»

Stolzer Arbeitgeber

Das Motto «Us dä Region» widmet Roland I. primär seiner Andrea. Dabei sind Parallelen zum Arbeitgeber von Andrea nicht zu übersehen. Doch Roland spannt den Bogen weiter und sagt: «Auch mein Arbeitgeber kommt aus der Region.» Dabei meint er die ISS Kanal Services AG in Kägiswil, bei der er seit etwas mehr als zwei Jahren als Lastwagenchauffeur tätig ist. Diese ist mächtig stolz auf den aktiven Fasnächtler und lässt ihm wo möglich freie Hand. «Normalerweise nimmt Roli Rücksicht auf unseren Betrieb, nun nehmen wir Rücksicht auf Roli», versprach sein Vorgesetzter Pascal Zumbühl an der Inthronisation. So erstaunt es wenig, dass sich die Firma unter die Hauptsponsoren des Beckenrieder Fasnachtsumzugs reiht.

Doch wie kommt der gelernte Maler, der mit seinem Vater ein Malergeschäft führte, zum Beruf als Chauffeur? Gesundheitliche Probleme zwangen ihn zu einer Neuorientierung. Mehrere Beinoperationen musste Roland Gander über sich ergehen lassen und danach den Beruf als Maler an den Nagel hängen. «Für mich war es ein Horror», sagt er. «Das Schlimmste war, meinen Eltern mitzuteilen, dass es nicht mehr geht.»

Abschied von Hochgebirgstouren

Doch die berufliche Neuorientierung war nicht das Einzige. Roland I. zeigt ein Fotobuch mit einem Bild, auf dem er vor dem Mount Everest posiert. Während neun Jahren hat er einige 4000er und auch den höchsten Berg Europas, den 5642 Meter hohen Elbrus in Russland, bestiegen. Später war er auf einer dreiwöchigen Treckingtour in Nepal mit Besteigung des 6189 Meter hohen Island Peak.

«Diese Gebirgstouren sind nicht mehr möglich», erklärt Roland Gander nicht ohne Wehmut. Selbst Andrea begleitete ihn vor sechs Jahren auf das 4027 Meter hohe Allalinhorn im Wallis, wo er sie um ihre Hand bat. Nun freuen sich die beiden auf die närrischen Tage. Aber auch auf eine zweiwöchige Amerikareise im Sommer. Oder auf ihre gemütlichen Töff-Fahrten mit dem 65 Jahre alten Oldtimer. Das Leben der beiden wird dann wieder in etwas ruhigeren Bahnen verlaufen.