Bern
Hommage auch an mutige Obwaldner und Nidwaldner Frauen

Je zwei mutige Frauen aus jedem Schweizer Kanton – insgesamt 52 Porträts – sind seit Sonntag in der Berner Altstadt gut sichtbar an verschiedenen Hausfassaden abgebildet.

Romano Cuonz
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«Hommage 2021» ist die Outdoor Ausstellung, die am Sonntag mit einer virtuellen Vernissage eröffnet wurde, getitelt. Allein die Bilder ziehen die Blicke der Passanten auf sich, und über einen QR-Code kann man auch die spannenden Zitate und Geschichten der Frauen via Handy abrufen und individuell entdecken.

Schulklassen trafen die Auswahl

Am Sonntag feierte das künstlerische Team unter der Leitung von Liliana Heimberg virtuelle Vernissage. Aus den Tausenden Schweizerinnen, die sich während 100 Jahre für ihre Selbstständigkeit und chancengleichen Möglichkeiten eingesetzt haben – in Bildung, im Sozialwesen, in der Wirtschaft, in Kunst, Kirche und Politik – trafen schliesslich in jedem Kanton Schulklassen während Projektwochen die letzte Auswahl.

Hanny Wallimann und Dora Stockmann

Im Kanton Obwalden fiel die Wahl auf die mutige und mit Leserbriefen selbst gegen «die da oben» furchtlos kämpferische Hanny Wallimann-Bracher (1919–1994) (unsere Zeitung porträtierte sie am vergangenen Samstag). Ausgewählt auch Dora Stockmann (1904–1997), die sich für all jene Menschen einsetzte, die auf der Schattenseite des Lebens standen: Für Alkoholkranke etwa, die dringend auf Hilfe angewiesen waren.

Veronika Gut und Marie von Deschwanden

In Nidwalden wählten Schülerinnen und Schüler zum einen die rebellische Veronika Gut (1757–1829). Die wohlhabende, politisch einflussreiche Witwe führte 1798 den Widerstand der altgesinnten Kräfte gegen die Franzosen und ihre Helvetik an. Auch nach der Niederlage am Allweg wollte sie sich der neuen Ordnung nicht unterwerfen. Die Schüler begründeten die Auswahl damit, dass sie den starken Willen dieser Frau bewundern.

Die zweite Nidwaldnerin in Bern ist Marie von Deschwanden (1830–1890). Die aus einem begüterten Haus stammende Frau sorgte dafür, dass auch Nidwaldner Mädchen eine angemessene Bildung bekamen. Sie gründete 1871 die erste Mädchensekundarschule in Stans und führte sie ohne einen Anspruch auf Entschädigung. Zuvor hatten Mädchen nach der Primarschule nur die Möglichkeit gehabt, sogenannte Arbeitsschulen für Handarbeit und Haushaltführung zu besuchen.

Hommage 21: 52 Porträts von Schweizer Pionierinnen: Ausstellung in der Altstadt von Bern (Herrengasse, Münstergasse, Münsterplatz) 7. Februar bis 30.Juni 2021