Imkerei in Nidwalden immer beliebter

Nid- und Obwalden haben dieses Jahr Glück: Die Halbkantone werden weitgehend von Bienenseuchen verschont. Ganz anders präsentiert sich die Situation im Kanton Uri.

Christian Tschümperlin
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Bienenseuchen sind eine tückische Angelegenheit: Im Unterschied zu Säugetieren entwickeln Insekten nämlich keine Herdenimmunität und impfen kann man sie auch nicht. Dass Nidwalden dieses Jahr frei von Bienenseuchen bleibt, stimmt Hanspeter Christen aus Wolfenschiessen deshalb froh. Der Bieneninspektor ist im Auftrag des Kantonstierarztes der Urkantone für Nidwalden zuständig und sagt: «Man ist immer erleichtert, wenn die Imker keine Seuchen haben.» Trotzdem geht ihm die Arbeit nicht aus. «Wir führen noch immer Inspektionen durch, um das Risiko zu minimieren». Ab und an helfe er auch in Obwalden aus, wo der zuständige Bieneninspektor Sepp Windlin aus Kägiswil in drei Fällen das Vorhandensein von Seuchen bei Bienenvölkern feststellen musste.

Chef-Inspektor Bruno Reihl und die neue Urner Bienen-Inspektorin Margrit Scheiber sind im Sperrgebiet zwischen Altdorf und Schattdorf auf Kontrollgang.
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Sachte zieht Scheiber die Waben aus dem Magazin.
Auf den Waben geht's emsig zu und er.
Chef-Inspektor Bruno Reihl und die neue Urner Bienen-Inspektorin Margrit Scheibert sind im Sperrgebiet zwischen Altdorf und Schattdorf auf Kontrollgang.

Chef-Inspektor Bruno Reihl und die neue Urner Bienen-Inspektorin Margrit Scheiber sind im Sperrgebiet zwischen Altdorf und Schattdorf auf Kontrollgang.

Christian Tschümperlin / Urner Zeitung

Christen spricht von einer erfreulichen Entwicklung in der Imkerei: «Es gibt wieder mehr Imker, auch Junge, die gut ausgebildet sind», sagt er. Seit zehn Jahren steige die Faszination bei den Menschen für dieses Wesen. In Nidwalden gibt es aktuell 135 Imker mit 150 Bienenständen und zirka 900 Völkern. In Obwalden sind es 154 Imker und Imkerinnen mit 174 Bienenständen und zirka 850 Völkern.

Nidwalden sei mit seinen durchschnittlichen Honigerträgen immer noch eine interessante Region: «Trotz der intensiven Landwirtschaft am Talboden haben wir in den Hanglagen extensiv genutzte Flächen und einen sehr gut strukturierten Wald, der sich für die Bienen bestens eignet.» Die Höhe der Honigerträge hange von vielen Faktoren ab: Nebst der Vegetation spielt auch die Witterung und die Topografie eine Rolle.

Uri geht durch ein grosses Seuchenjahr

Weniger Glück hatte man dieses Jahr im Kanton Uri: Dieser ist mit 13 Seuchen-Fällen beim schweizweiten Ranking ganz vorne mit dabei. In sechs Fällen wurde die Faulbrut gefunden, in sieben die Sauerbrut. In der Schweiz werden jedes Jahr zirka 500 Sauerbrut- und 50 Faulbrut-Fälle gemeldet. Dann gibt es noch die Tracheen-Milbe und die Varroa-Milbe. Die Tracheen-Milbe gilt als ausgerottet, die vor zirka 40 Jahren eingeschleppte Varroa-Milbe ist inzwischen heimisch und daher nicht mehr meldepflichtig. Sie muss aber von den Imkern bekämpft werden, um ein Absterben der Bienenvölker zu verhindern.

Die frisch gekürte Bieneninspektorin von Uri, Margrit Scheiber, hat denn auch alle Hände voll zu tun. Sie ist die erste Frau der Urkantone, die dieses Amt angetreten hat.

«Die Bienen sind sehr ruhig», sagt Margrit Scheiber. Sie macht dies am Summen und an der Art des Fluges aus. Sachte zieht sie eine Wabe aus dem Magazin. Darin wimmelt es von emsigen Arbeiterinnen. Einige heben ab und tanzen friedlich um sie herum. Es geht ein laues Lüftchen, der Himmel ist wolkenverhangen. «Das ist eigentlich nicht das ideale Wetter für Bienen», sagt die Urnerin. Margrit Scheiber befindet sich im Sperrgebiet in Altdorf, das einen Radius von zwei Kilometern umfasst. Gefunden wurde die sogenannte Faulbrut.

«Die Faulbrut ist die schlimmste von vier meldepflichtigen Bienenkrankheiten», weiss die vor einem Jahr gekürte Inspektorin. Wie der Name schon sagt, befällt die Faulbrut die Bienenbrut, also die Maden. Die befallenen Völker müssen vernichtet werden und das gesamte Material der Kehrrichtverbrennungsanlage als Sondermüll zugeführt werden.

4000 Tonnen Honig für die Schweiz

Pro Jahr werden in der Schweiz durchschnittlich 4000 Tonnen Honig produziert. Bienen können aber noch mehr als das. Über ein Drittel der Nahrungsmittel sind abhängig von ihrer Bestäubung. Mit ihrer Bestäubungsleistung erarbeitet das fleissige Insekt für die Schweizer einen Wert von 350 Millionen Franken pro Jahr, wie das Zentrum für Bienenforschung in Bern-Liebefeld ausgerechnet hat. Von der Schlagzeile des Bienensterbens hält Margrit Scheiber allerdings nicht viel: «Es sind einzelne Völker, die man vernichten muss. Die Bienenvölker im Kanton Uri sind nicht bedroht, wir haben eine sehr hohe Bienendichte.»

Chef-Bieneninspektor Bruno Reihl fühlt ähnlich. Er ist zuständig für alle anderen sieben Inspektoren in den Urkantonen und untersteht direkt dem Kantonstierarzt. Reihl kennt sich schon seit über 50 Jahren mit den Bienen aus und kann ein Stück weit in ihnen lesen. «Sie kommunizieren miteinander in der Tanzsprache», weiss er. Sobald eine Biene zum Beispiel eine Obstbaumblüte gefunden habe, fliege sie zum Bienenstock. «Vor den anderen Arbeiterinnen tanzt sie einen Schwänzeltanz, das ist eine Acht, in deren Mitte relativ zur Sonne den Arbeiterinnen angezeigt wird, wo sich die Obstblüten befinden.» Die anderen Bienen tanzen die Botschaft nach, die Information verbreitet sich innert Sekunden.

Bieneninspektoren sind auch ein kleines Kollektiv

Bienen leben im Kollektiv. «Im Unterschied zu solitär lebenden Insekten wie die meisten Wildbienen zählen die Honigbienen und Ameisen zu den sozialen Insekten. Relativ zur Hirnmasse sind sie enorm intelligent», betont Reihl. Vielleicht könne man sich so auch erklären, dass sie rund 80 Millionen Jahre überlebt haben. Damit gibt es die Biene schon länger als den Menschen.

Unterdessen hat Bieneninspektorin Margrit Scheiber die Bienenvölker auf dem Bienenstand gründlich untersucht. Das Brutbild ist kompakt, die Zelldeckel sind nicht eingesunken und die Maden sind nicht verfärbt. Der zuständige Imker kann aufatmen: «Er hat Glück. Seine Bienen sind gesund. Wir haben keinen Befund», sagt Scheiber.

Nun hat die Bieneninspektorin noch 30 Tage lang Zeit, die restlichen 28 Stände im Sperrkreis zu überprüfen. Dabei wird sie von ihren Bieneninspektoren-Kollegen tatkräftig unterstützt. Eine gemeinsame Leistung, fast wie bei den Bienen.