Bilanz
Nidwaldner Kantonalbank schreibt 15,5 Millionen Franken Gewinn

Der Kanton Nidwalden wird im üblichen Rahmen abgegolten. Für ein knapp tieferes Ergebnis als im Vorjahr sorgte eine Wertberichtigung nach einem Coronastresstest. Der Kanton erhält wiederum 10 Millionen.

Florian Arnold
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Bankdirektor Heinrich Leuthard (links) und Bankratspräsident Daniel Bieri vor dem Hauptsitzgebäude der NKB.

Bankdirektor Heinrich Leuthard (links) und Bankratspräsident Daniel Bieri vor dem Hauptsitzgebäude der NKB.

Bild: Florian Arnold (Stans, 21. Januar 2021)

Damit konnte man im Verlauf des vergangenen Jahres nicht rechnen. Und auch Bankratspräsident Daniel Bieri gab sich am Medientermin vom Donnerstag überrascht: Die Bilanzsumme der Nidwaldner Kantonalbank (NKB) ist im Pandemiejahr gestiegen. Um 470 Millionen respektive 9 Prozent auf 5,88 Milliarden Franken. Auch der Gewinn von 15,5 Millionen Franken ist ansehnlich, dieser ist zwar um 580'000 Franken (minus 4 Prozent) gegenüber dem Vorjahr gesunken. Jedoch ist dies hauptsächlich auf eine vorsorgliche Wertberichtigung zurückzuführen.

Extremszenarios durchgespielt

Denn die NKB hat ihr gesamtes Kreditportfolio wegen der Coronapandemie einem Stresstest unterzogen. Dabei wurde simuliert, wie sich die Bilanz in verschiedenen Szenarien verändern würde. Das «latente Ausfallrisiko» wurde durch diese Methode auf 1,7 Millionen Franken geschätzt, das nun den aktuellen Abschluss nach unten korrigiert. Auf der anderen Seite verzeichnete die Bank tiefere Abschreibungen auf Sachanlagen und einen reduzierten Geschäftsaufwand. «Wo wir Einfluss nehmen konnten, haben wir gut gearbeitet», sagt Heinrich Leuthard, Vorsitzender der Geschäftsleitung. «Operativ lagen wir in allen Bereichen über dem Vorjahr.»

Aus der Bilanz wird deutlich: Während der Pandemie haben mehr Leute Geld auf die Bank gebracht. Die bilanzwirksamen Kundengelder steigen um 7 Prozent auf 3,7 Milliarden Franken. Für den Bankratspräsidenten ist dies ein logisches Szenario in einer unsicheren Situation. «Die Leute wollten ihr Geld schützen.» Damit dieses aber nicht an Wert verlor, wurde auch investiert. Viele Kunden gingen an die Börse. Beim Wertschriften- und Anlagegeschäft stieg der Kommissionserfolg um 10 Prozent.

«Ob es Sinn macht, während der Pandemie Geld in Aktien anzulegen, lässt sich generell nicht beantworten», so Heinrich Leuthard. «Uns war sehr wichtig, die Kunden individuell beraten zu können.» Die Zahlen wertet Leuthard als Vertrauensbeweis. «Diese Entwicklung zeigt, dass wir uns bei unseren Kunden auch im turbulenten Pandemie-Jahr mit teils sehr starken Marktschwankungen als kompetente Partnerin in der Anlageberatung profilieren konnten.»

Auch Ausleihungen haben zugenommen

Daneben haben Kunden auch während der Pandemie etwa Renovationen in Angriff genommen oder Gebäude aufgestockt. Die Kundenausleihungen stiegen um 5,1 Prozent auf 4,4 Milliarden Franken. In diesem Ausleihungswachstum finden sich auch die über 400 gewährten Covid-19-Kredite von insgesamt 47 Millionen Franken. Als Bank habe man versucht, während der Coronakrise Impulse zu Gunsten der Wirtschaft zu setzen. Leuthard erwähnt etwa die Bergbahn-Aktion, bei der 7100 Gutscheine eingelöst wurden, oder Gastro-Gutscheine, die in Umlauf gebracht wurden.

Bankenintern habe man gut auf die Krisensituation reagiert, sagt der Bankdirektor. Dank eines Pandemiekonzepts und gelagerten Materials wie Desinfektionsmittel oder Masken konnte der Spezialbetrieb sehr rasch hochgefahren werden. «Vor allem hat das aber von unseren Mitarbeitenden viel Flexibilität abverlangt», so Leuthard. Laut einer Befragung ist die Mitarbeiterzufriedenheit innerhalb von zwei Jahren gestiegen. Fortschritte habe man bei der Förderung von Mitarbeitern gemacht. «Das Humankapital ist das Wichtigste», betont Bankratspräsident Daniel Bieri.

Corona sorgte auch bei der NKB für eine Digitalisierungswelle. Ende Juni wurden die QR-Rechnungen eingeführt, mit denen bereits 30'000 Rechnungen bezahlt wurden. Bei den E-Banking-Verträgen gab es einen Zulauf von 17 Prozent und beim Mobile-Banking fürs Smartphone gab es sogar 30 Prozent mehr Downloads: Rund 6500 Kunden nutzen das Smartphone für ihre Bankgeschäfte.

Kanton erhält wieder 10 Millionen

Vom guten Abschluss des vergangenen Jahres profitiert auch der Kanton als Haupteigner. Vom Jahresgewinn werden 9,6 Millionen Dividende an den Kanton Nidwalden ausgeschüttet. Zusätzlich erhält der Kanton 1 Million als Abgeltung für die Staatsgarantie. Die Dividende für die Partizipanten beträgt unverändert 60 Franken. Dies entspricht einer Dividendenrendite von 2,3 Prozent des Partizipationsscheins. Bei aller Euphorie warnt jedoch Bankdirektor Leuthard: «Die Lage bleibt angespannt.»

Im laufenden Jahr will die NKB ihre Strategie überarbeiten. Um die Kundenbedürfnisse auch in diese Erarbeitung einfliessen zu lassen, läuft momentan eine Kundenumfrage. «Die persönliche Kundenberatung bleibt nach wie vor im operativen Zentrum der Bank», sagt der Bankratspräsident. Im Herbst soll die bisherige Maestrokarte durch die Debitkarte abgelöst werden, mit welcher die Kunden neu auch online Zahlungen tätigen. «Eine Preiserhöhung für die Karte ist nicht geplant», so Leuthard.