Kolumne

Blackout über Nidwalden?

Die Energiewende polarisiert. Auch in Nidwalden.

Dolf Stockhausen
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Dolf Stockhausen.

Dolf Stockhausen.

Bild: Philipp Unterschütz

Strom ist nicht alles, aber ohne Strom ist alles nichts. Maschinen, Heizungen, Züge, Strassenbahnen, Fernseher, Telefone, Computer, Herde stehen und in den Kühltruhen fault das Fleisch. Noch bescheinigt die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom der Schweiz Versorgungssicherheit, aber wird das auch so bleiben? Da sind sich die Experten nicht so sicher. Denn die Atomkraftwerke, bisher gut für 37 Prozent der benötigten Energie, stehen auf dem Aussterbeetat. Mühleberg wurde mit grossem Trara abgeschaltet, die übrigen vier Kernkraftwerke, im Durchschnitt 44-jährig, laufen weiter – aber eben nur vorerst. Darum fordert die ElCom nachdrücklich ein rechtlich verbindliches Zubauziel. Und die Geschäftsführung der EWN ist besorgt. Denn der Winterstrombedarf hier bei uns wird – Sparbemühungen eingerechnet - in den nächsten Jahren um 23 Prozent steigen. Klar, so ist das eben bei mehr Wärmepumpen und Elektromobilität.

Aber woher nehmen und nicht stehlen? Aufgrund des Widerstands gegen den Ausbau der Wasserkraft (just von denen, die vorher für die Abschaltung der Atomkraftwerke auf die Strasse gegangen sind) lässt sich dort die Kapazität allenfalls 4 bis 6 Prozent erhöhen. Der Ausbau der hässlichen, ineffektiven und Vögel mordenden Windkraft stockt. Und für Solarenergie gibt es im Winter schlicht zu wenig Sonne.

In Deutschland ist die Situation noch verrückter, da sollen gleichzeitig die Kern- und die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Das Industrieland Deutschland nur von Wind und Sonne abhängig? Was denn, wenn es drei Wochen windstill und dicht bewölkt ist? Und wenn in dieser Zeit auch noch Ferienbeginn ist, mit Schlangen an den Ladesäulen von Flensburg bis Lörrach? Hier führt ideologischer Starrsinn direkt in die Katastrophe.

Nun wird in der Schweiz nicht immer alles so heiss gegessen, wie es in Deutschland gekocht wird. Aber auch hier sind die Fachleute ratlos, gleich, wen man fragt. Vor allem, wenn der Lemmingszug in die Elektromobilität weiter an Fahrt gewinnen sollte. Da fällt dann schnell das Stichwort «Gaskraftwerke». Kommt schon, habe ich das richtig gehört? Was kommt denn da oben raus? Doch wohl CO2, das böse Klimagas! Wo doch die Schweiz bis 2050 CO2-neutral wirtschaften will. Nein, man kann es drehen und wenden: Ohne neue Kernkraftwerke ist der zusätzlicher Energiebedarf nicht zu stemmen.

Illusion? Nein, denn die alten Argumente, Kernkraftwerke seien im Betrieb nicht sicher und produzierten kaum entsorgbaren hochradioaktiven Abfall, sind doch durch die Technologieentwicklung längst entkräftet. Unter anderem und vor allem durch den Thorium-Flüssigsalzreaktor. Sein Rohstoff Thorium ist schwach radioaktiv und viel besser verfügbar als Uran. Er ist im Betrieb inhärent sicher, weil er nur zwischen 600 und 900 Grad Celsius funktioniert und sich darüber abschaltet. Mit ihm kann man keine Bomben bauen und die Entsorgung ist relativ unproblematisch. Frühere Probleme wie Salzkorrosion an den Behältern sind längst lösbar geworden.

Die Schweiz muss sich einen Ruck geben. Ein souveräner Souverän muss souverän genug sein, um falsche Entscheidungen souverän zu korrigieren, damit es auch in Nidwalden kein Blackout gibt.