Blitzlicht
Omlin ist nicht gleich Omlin

Redaktionsleiter Florian Arnold über Verwechslungen – und weshalb man dem Gehirn dabei nicht böse sein soll.

Florian Arnold
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Florian Arnold, Leiter Redaktion Urschweiz

Florian Arnold, Leiter Redaktion Urschweiz

Bild: Manuela Jans-Koch

«Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten!» Und schon erscheint der Dickhäuter in der ungewöhnlichen Farbe vor ihrem geistigen Auge. Das typische Beispiel aus der Psychologie zeigt eindrücklich: Wir können unserem Hirn nicht vorgeben, was es nicht tun soll.

Es war am vergangenen Donnerstagmorgen, als einigen Lesern unserer Zeitung die Schlagzeile «Omlin fälschte Unterschriften» ins Auge stach. Wie in Trance wurde zum Telefonhörer gegriffen und die Nummer der Anwältin gewählt, um ihr gehörig die Meinung zu geigen. So was gibt es doch nicht! Im Verlauf des Tages sollten es noch Dutzende weitere Klienten sein, die sich bei der Frau des Rechts in Sachseln meldeten. Unfassbar!

Das Problem nur: «Omlin ist nicht gleich Omlin», wie es später in einer Stellungnahme hiess. Im Telefonbuch im Internet findet man unter dem einheimischen Namen von der Pferdemetzgerei, übers Architekturbüro, bis zur Homöopathin alles. Und eben auch mindestens drei Juristinnen. Die dutzenden Klienten, die sich um die Glaubwürdigkeit ihrer Rechtsvertreterin Sorge machten, hatten gemein, dass sie weder den Vornamen in der Unterzeile des Titels gelesen, noch das vier Spalten breite Foto im Innern der Zeitung genau angesehen hatten, bevor sie ihrer Empörung freien Lauf liessen.

Das Gerichtsgebäude in Sarnen: Hier wurde Staatsanwältin Esther Omlin verurteilt.

Das Gerichtsgebäude in Sarnen: Hier wurde Staatsanwältin Esther Omlin verurteilt.

Bild: Pius Amrein

Ich kenne das Problem mit der Namensverwechslung nur zu gut. Im Kanton Uri gibt es etwa 4500 Korporationsbürger mit meinem Nachnamen. Mein Vorgänger als Redaktionsleiter der Urner Zeitung heisst Arnold, der Chefredaktor des Mitbewerbers Urner Wochenblatt heisst Arnold und dessen Stellvertreter ebenfalls. Wie oft ich schon vermeintlich bei der anderen Zeitung gearbeitet habe oder der Sohn meines Vorgängers war, habe ich schon lange aufgehört zu zählen.

Ich erinnere mich, wie ich als kleiner Bub stolz darauf war, gleich zu heissen wie der Österreichische Bodybuilder, der in Hollywood als Terminator Erfolg feierte (wenn er auch zum Vornamen so hiess) oder wie die lustige Trickfilmfigur namens Arnold mit der Kopfform eines Footballs.

Es ist der Genialität unseres Gehirns geschuldet, dass neue Information automatisch an schon Bestehendes angeknüpft wird. Wir könnten sonst nichts lernen. Kein Wunder, dass unser Titel bei einigen Leuten mit der falschen Juristin Omlin in Verbindung gebracht wurde. Und selbst ein Titel wie «Omlin fälschte Unterschriften – aber es ist im Fall nicht die aus Sachseln» hätte, wie in der Einleitung beschrieben, eher noch mehr zum Nachdenken angeregt, ob sie denn doch etwas mit der Sache zu tun haben könnte.

Seien wir dem Gehirn nicht böse, wenn es irgendwelche Verknüpfungen macht – es trainiert damit nur die Merkfähigkeit! Und vermeiden wir es gleichzeitig auch, irgendwelche Personen aufgrund ihres Namens zu verurteilen!