BÜREN: Mit viel Handarbeit zu neuem Klang

Staub, Dreck, abgenutzte Teile, verstimmte Pfeifen: Nun wird die Orgel revidiert – und dafür in ihre Einzelteile zerlegt.

Matthias Piazza
Drucken
Teilen
Orgelbauer Christian Musch baut die 112 Tasten der Orgel in der katholischen Kirche in Büren aus. (Bilder Corinne Glanzmann)

Orgelbauer Christian Musch baut die 112 Tasten der Orgel in der katholischen Kirche in Büren aus. (Bilder Corinne Glanzmann)

Katja Lassauer putzt eine Orgelpfeife, die ausgebaut auf dem Tisch liegt – eine von vielen. Es sieht in der Bürer Kirche ein bisschen aus wie in einer Werkstatt. Die Megger Organistin assistiert dem Orgelbauer Christian Musch bei der grossen, intensiven Revision der Kirchenorgel in Büren. Am Montag starteten sie, etwa drei bis vier Wochen werden sie dafür brauchen. Kein Wunder: Es ist Handarbeit, ausser einem Staubsauger kommen keine elektrischen Geräte zum Einsatz.

Tasten am meisten beansprucht

«Wir nehmen die ganze Orgel auseinander, zerlegen sie in ihre Einzelteile», erklärt Christian Musch. Wie viele es sind, weiss er nicht. Es dürften unzählige sein. Es gibt allein 112 Tasten, die ausgebaut und gereinigt werden müssen. «Die Tasten werden mechanisch am meisten beansprucht.» Auch die vielen Pfeifen werden ausgebaut, gereinigt und bei Bedarf wieder frisch gestimmt. Die ganze Orgel wird von Staub und Dreck befreit, der sich in den über 40 Jahren ihres Lebens angesammelt und sich in allen Ecken und Spalte des Instruments eingenistet hat. Zudem überprüfen Musch und Lassauer sämtliche mechanischen Teile auf Abnutzung und Funktionsfähigkeit und ersetzen sie bei Bedarf.

Revision lohnt sich trotz des Alters

«Auf dieser Orgel kann man nach wie vor spielen, aber der Schmutz, der sich über Jahrzehnte ansammelte, hat einen negativen Einfluss auf den Klang», klärt Christian Musch auf. Darum sei in der Regel alle 25 bis 30 Jahre eine solche Orgelrevision angebracht.

Also höchste Zeit bei der Bürer Kirchenorgel mit Baujahr 1970. Trotz ihres Alters lohne sich in diesem Falle eine solche Revision. «Orgeln, die ab 1970 gebaut worden sind, haben wegen ihrer qualitativ hohen Bauart eine sehr lange Lebensdauer. Anders sieht bei älteren Modellen aus. Da wurde oft nur das billigste Material verwendet.»

Testen macht den Hauptteil aus

Doch Reinigen und Stimmen machen nur einen Teil der Arbeit aus: «Wir müssen die ganze Orgel gründlich testen, alles von Grund auf ausprobieren, das ist der Hauptteil unserer Revision. Es ist wie bei einem Auto, das nach einem grossen Service durchgecheckt wird, nur können wir nicht einfach einen Computer anschliessen», erläutert er.

Doch der Aufwand lohne sich. Er ist überzeugt, dass man den klanglichen Unterschied nach der Revision merke. «Denn wir versuchen jeweils auch, den Klang durchs Stimmen der Pfeifen zu optimieren.» Vor allem regelmässige Gottesdienstbesucher würden jeweils einen Unterschied hören. Auch von den Organisten bekomme er jeweils positive Feedbacks.

Als Orgelbauer der Orgelbau Goll AG in Luzern revidiert Christian Musch im Schnitt vier oder fünf Kirchenorgeln pro Jahr – in verschiedenen Grössen. Im Herbst nimmt er eine Orgel «auseinander», die rund sechsmal so gross ist wie diejenige von Büren und ihn rund drei Monate beschäftigen wird. An seinem Aussendienst-Job schätzt Musch, dass er an einem fertigen, funktionierenden Instrument arbeiten darf – im Gegensatz zu seinen Kollegen, die in der Werkstatt neue Orgeln herstellen.

Auch Beleuchtung wurde erneuert

Rund 35 000 Franken bewilligte die Kapellgemeindeversammlung Büren für diese Revision. Der Anstoss dafür kam von der Organistin Judith Gander-Brem, die das Gefühl hatte, dass die Orgel mal überprüft werden müsste, wie der Bürer Gemeindeleiter Marino Bosoppi-Lan­genauer erklärte. In den vorhergehenden Jahren wurden in der 50 Jahre alten Bruderklausenkirche die alte Beleuchtung durch LED ersetzt und eine Sitzbankheizung eingebaut.

Matthias Piazza

Am Sonntag, 6. März, um 18 Uhr wird die revidierte Orgel feierlich eingeweiht.