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BÜRGENSTOCK: Couscous unter dem Sternenhimmel

Mehrgang-Menüs kann man auch im Wald kochen. Sybille Hänggi und Claudia Arnold machen es vor. Und erleben dabei auch viele anregende Gespräche.
Rosemarie Bugmann
Claudia Arnold (links) und Sybille Hänggi kochen am liebsten in der freien Natur. (Bild: Rosemarie Berlinger / Neue NZ)

Claudia Arnold (links) und Sybille Hänggi kochen am liebsten in der freien Natur. (Bild: Rosemarie Berlinger / Neue NZ)

Eine Einladung zum Nachtessen im Wald? Das tönt verlockend und weckt Kindheitserinnerungen an verbrannte Cervelats über dem offenen Feuer oder ebenso verbrannten Emmentaler Käse, der lange Fäden zieht. Doch weit gefehlt. Was Sybille Hänggi und Claudia Arnold im Wald auf dem offenen Feuer kochen, hat mit verbrannten Cervelats gar nichts mehr am Hut. Da werden Menüs gekocht, mindestens Dreigänger, mit Häppchen zum Apéro. Und das alles an einem einzigen offenen Feuer. Geht das? Es geht. Doch zuerst muss das Essen verdient werden. «Wir haben rund zwanzig Kilogramm Material hochgeschleppt», sagt Claudia Arnold. «Ja, unseren ganzen Hausrat, inklusive Backofen und Kühlschrank» ergänzt Sybille Hänggi lachend.

Küche mit Kühlschrank und Ofen

Die beiden Lehrerinnen und Erlebnispädagoginnen verbringen sehr viel Freizeit in der freien Natur, meistens im Wald. Sie kochen sich feine Menüs und verbringen auch die Nacht im Wald. Dies bei jedem Wetter. Ist es mal nass oder kalt, schützen sie sich mit grossen Blachen. Am beschriebenen Abend ist das nicht nötig. Ihr momentanes Camp befindet sich irgendwo auf dem Kamm des Bürgenberges. Im Hintergrund zwischen den Bäumen schimmert der See. Noch ist es hell. Mitten auf einem kleinen ebenen Platz prasselt ein Feuer. Ein schwarzer Topf hängt an einem Stecken darüber. Etwas weiter hinten ist die «Küche» mit den Gewürzen und sonstigen Utensilien aufgebaut.

Die Vorräte hängen in grossen Säcken an einem Baum daneben. Der Kühlschrank ist ein Loch in der Erde, zugedeckt mit feuchtem Laub. Auch der Backofen ist unkonventionell: ein grosser Topf, eine Lage Kieselsteine, darin eine Gugelhopfform, ein Deckel, fertig. Der Ofen scheint zu funktionieren, denn ein Gugelhopf ist schon fertig gebacken, leicht braun, genau, wie er sein muss.

Brennnesselchips brennen nicht

Doch zuerst zum Apéro: Es gibt Brennnesselchips, Bowle und Popcorn. Die Brennnesselchips knacken fast genauso wie ihre berühmten Brüder, und sie schmecken ausgezeichnet. «Wir haben Brennnesselblätter in Öl gebacken und mit Gewürzsalz bestreut, das ist alles», erklärt Claudia Arnold. So viel für die Neugier: Die Chips brennen überhaupt nicht. Es folgt Apfel-Sellerie-Salat mit gerösteten Mandeln. Immer wieder steht eine der zwei Frauen auf, legt Holz nach oder gibt etwas in den Topf über dem Feuer. Sie sind ein eingespieltes Team. «Man kann alles draussen kochen», sagen sie. Es brauche einfach Zeit. Inzwischen ist es stockdunkel, weit weg flimmern die Lichter von Vitznau. «Man ist nahe bei der Zivilisation und doch so weit weg», sagt Claudia Arnold. Es ist eine eigene kleine Welt, irgendwo auf dem Kamm des Bürgenberges.

Gugelhopf und Steinkaffee

Inzwischen ist das Hauptgericht fertig, ein Couscous mit Lammfleisch und viel Gemüse. Die Stühle sind zusammengefaltete Matten auf dem Waldboden, der Tisch die eigenen Knie, das Essen top. «Ich ziehe dies einem vornehmen Lokal vor», sagt Claudia Arnold. Natürlich schätzen die zwei nach einem mehrtägigen Trip auch wieder das eigene Bett oder Badezimmer. Aber im Moment ist das alles unwichtig und unendlich weit weg. Die Gespräche am Feuer sind anregend und intensiv, die Zeit fliegt dahin und bleibt doch irgendwie stehen.

Es folgt der Gugelhopf. Er schaut nicht nur gut aus, er schmeckt auch ausgezeichnet. Dazu gibts einen «Steinkaffee». Dabei wird das Kaffeepulver in kochendes Wasser geschüttet. Es kommt ein heisser, faustgrosser Stein dazu, der die ganze Zeit über in der Asche des Feuers lag. Mit dem Stein brodelt der Kaffee noch einmal auf. Erst dann wird er in die Tassen gegossen. Er schmeckt wie alles andere ausgezeichnet. Irgendwann ist es dann doch Zeit aufzubrechen. Und während die Journalistin mit einem gewissen Bedauern wieder in die hell glitzernde Zivilisation hinuntersteigt, richten sich die zwei Frauen für eine weitere Nacht im Wald ein.

Am nächsten Morgen werden sie weiterziehen. Wohin, wissen sie nicht. «Wenn wir das Camp verlassen, sieht man gar nichts mehr.» Das Feuer wird erloschen sein, die Stelle wieder Waldboden. So, als ob das fantastische Essen nie stattgefunden hätte.

HINWEIS
Wer mehr über die beiden Erlebnispädagoginnen wissen möchte: www.koruforyou.ch

Mindestens sieben Gemüse nötig

Folgende Zutaten (pro Person) sind für das Wald-Couscous nötig: 100 Gramm Lamm- oder Pouletfleisch, in mundgerechte Stücke geschnitten, 1 Kartoffel, 1 Karotte, 1 kleiner Sellerie, 1 Zwiebel, 1 kleiner Kohl, 1 Zucchetto, 1 Tomate (mindestens sieben verschiedene Gemüse), alles in nicht zu kleine, mundgerechte Stücke geschnitten. 125 Gramm Couscous (Hirse).

In einem grossen Topf 1,5 Liter Wasser mit einem Bouillonwürfel und wenig Kreuzkümmel erhitzen. Fleischstücke hineingeben. Alle zehn Minuten eine Gemüseart dazugeben. Reihenfolge nach Härte der Gemüse, zuerst die Kartoffeln, dann Karotten, Sellerie usw. Immer wieder abschmecken und würzen mit Kurkuma, Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel, Curry (wer mag, kann zusätzlich Chilipulver und Koriander zum Würzen verwenden).

Wenn das letzte Gemüse im Topf ist, die Hirse in separates, erhitztes Wasser (zirka 1,25 Deziliter pro Person) geben, wenig Öl und Salz zugeben, zudecken und ziehen lassen.

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