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BÜRGENSTOCK: Disput um Reha-Angebot dauert an

Die Nidwaldner sollen künftig ins Waldhotel Healthy Living in die Rehabilitation. So will es die Gesundheitsdirektion. Die Krankenversicherer beklagen derweil Wirtschaftsförderung und Mengenausweitung. Der Kanton kontert die Vorwürfe.
Balz Bruder
Das Waldhotel Healthy Living will eine Rehabilitationsabteilung betreiben. (Bild: Roger Grütter (Bürgenstock, 19. September 2017))

Das Waldhotel Healthy Living will eine Rehabilitationsabteilung betreiben. (Bild: Roger Grütter (Bürgenstock, 19. September 2017))

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch

Die Kritik an der Nidwaldner Regierung und an Gesundheitsdirektorin Yvonne von Deschwanden reisst nicht ab. Zuerst war es der Krankenkassenverband Santésuisse, der sich an den Plänen störte, im Waldhotel Healthy Living im Bürgenstock-Resort eine Rehabilitationsabteilung zu eröffnen. Weil Angebote im Gesundheitswesen Nachfragen schafften, befürchtet Santésuisse eine Mengenausweitung auf Kosten der Prämienzahler. Noch einen Schritt weiter ging der Berner Gesundheitsökonom Heinz Locher: Das habe mehr mit regionaler Wirtschaftsförderung zu tun als mit nachvollziehbarer Bedarfsplanung und gesetzeskonformer Gesundheitspolitik, sagte Locher gegenüber dem «Regionaljournal Zentralschweiz».

Und der Unmut über die Pläne, die ihren Ursprung im Planungsbericht 2015 bis 2030 zur Spitalversorgung im Kanton Nidwalden haben, mag sich nicht verziehen. An der Jahrestagung der Einkaufsgemeinschaft HSK, der Helsana, Sanitas und KPT angehören, meinte Verwaltungsratspräsident Rudolf Bruder in Bezug auf die Spitalplanung: «Alles bleibt beim Alten – also vorwiegend strukturerhaltend.» Und erwähnte dabei explizit das Rehaprojekt der Nidwaldner Gesundheitsdirektion.

Angebot auf dem Buckel der Prämienzahler?

Was stört den HSK-Präsidenten explizit? «Erstens: Wenn die Gesundheitsdirektorin des Kantons Nidwalden kurz vor der angekündigten Eröffnung des Luxushotels Bürgenstock erklärt, das Hotel sei auf die Spitalliste Rehabilitation zu setzen, dann ist dies eine Massnahme im Kontext der Standortförderungs- beziehungsweise Wirtschaftsförderungspolitik, die zu Lasten der Krankenversicherung und damit der Prämienzahlenden geht.» Hintergrund dieser Aussage: Höchstens 45 Prozent der Rehakosten berappen die Versicherer, mindestens 55 Prozent übernimmt die öffentliche Hand. Zweitens: «Wenn bis anhin wirklich ein Mangel an Rehabilitationsplätzen für die Bevölkerung von Nidwalden bestand, dann hätte es die Gesundheitsdirektorin, die für das entsprechende Angebot zuständig ist, in der Vergangenheit versäumt, diesen zu beheben.» Ganz abgesehen davon, dass die Nachfrage seit Einführung der neuen Spitalfinanzierung problemlos ausserkantonal abgedeckt werden könne.

Die Breitseite gegen die Rehapläne wird in Stans abgewehrt. Volker Zaugg, Leiter des kantonalen Gesundheitsamts, sagt: «Der Kanton nimmt das Reha-Angebot im Waldhotel auf die Spitalliste, weil der Nidwaldner Bevölkerung damit eine wohnortnahe Rehabilitationsmöglichkeit angeboten werden kann.» Zur Illustration: Begibt sich heute jemand aus Nidwalden in die Rehabilitation, so ist mit ÖV-Anfahrtszeiten von knapp unter zwei Stunden (Adelheid, Unterägeri ZG), zwei Stunden (Hasliberg BE) und über drei Stunden (Montana VS) zu rechnen. Umgekehrt formuliert: Mit dem Angebot auf dem Bürgenstock entstehen für Angehörige vermehrte beziehungsweise einfachere Besuchsmöglichkeiten, «was sich günstig auf die Rehabilitationsdauer auswirken kann», sagt Zaugg.

Bedarf an Reha-Betten wird zunehmen

Der Bedarf nach neuen Rehabetten sei zudem dokumentiert, führt der Leiter des Gesundheitsamts aus – und weist den Heimatschutzvorwurf zurück. «Wir wissen, wie viele Nidwaldnerinnen und Nidwaldner in der Vergangenheit eine Rehabilitation benötigten, und wir verfügen über Prognosen, wie sich diese Zahlen entwickeln werden.» Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung rechne man künftig ohnehin damit, «dass der Bedarf an Rehabetten zunehmen wird». Zaugg erwähnt als Beispiel ältere Patientinnen und Patienten die nach einem Schenkelhalsbruch in die Rehabilitation gehen und danach wieder nach Hause zurückkehren können.

Ebenso wenig berechtigt sei der Vorwurf der Mengenausweitung, betont Zaugg. Eine solche werde nicht stattfinden, weil die durch die Nidwaldner Bevölkerung generierten Pflegetage an den anderen Standorten wegfallen werden. Komme hinzu, dass das Krankenversicherungsgesetz die vertrauensärztliche Kostengutsprache klar regle – und die Preise für den Aufenthaltstag zwischen der Rehabilitationsklinik und den Krankenversicherungen ausgehandelt würden. Zaugg geht davon aus, dass sich die Taxen auf dem Bürgenstock im Bereich jener anderer Rehabilitationskliniken bewegen werden.

Gleichwohl gibt es noch offene Fragen. Zum Beispiel jene nach der Anzahl Betten. «Diese ist noch nicht abschliessend definiert worden, wird sich aber an den Bedürfnissen der Nidwaldner Bevölkerung orientieren», führt Zaugg aus. Klare Vorstellungen hat das Waldhotel Heal­thy Living: Es geht in einer ersten Phase von 28 Betten in 23 Zimmern, in einer zweiten Phase von 38 Betten in 33 Zimmern aus. Dies vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Pflegetage in den vergangenen Jahren leicht anstieg und sich 2015 bei 5437 einpendelte, bis 2030 jedoch deutlich auf 7000 Pflegetrage pro Jahr wachsen soll.

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