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BÜRGENSTOCK: Er gibt der «Herkunft» eine Zukunft

Jo Müllers grosse Hotel-Kulturgütersammlung ist abgeschlossen. Bereits werden Kostbarkeiten wieder ins neue Resort integriert.
Der wohl grösste Sammelgegenstand: Jo Müller im «Palace»-Lift von 1905 mit Täfer aus Rosenholz, den auch Audrey Hepburn oder Sophia Loren benutzten. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Der wohl grösste Sammelgegenstand: Jo Müller im «Palace»-Lift von 1905 mit Täfer aus Rosenholz, den auch Audrey Hepburn oder Sophia Loren benutzten. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Romano Cuonz

«Einfach nur Wahnsinn: In diesem einmalig schönen Lift aus Rosenholz durfte ich Sophia Loren und ihre beiden Buben in ihre Suite begleiten!», erzählt Jo Müller (67). Fast ein bisschen «verliebt» schaut er zur Kristallleuchte oben an der Kabine. Zwischen 1970 und 1981 war Müller auf dem Bürgenstock vom Kassier zum Generaldirektor aufgestiegen. Nach seiner Zeit auf dem Hotelberg stand er dem «Waldhaus» in Flims vor. 2011 kehrte er auf den Bürgenstock zurück nicht als Direktor, sondern als Kurator einer Ausstellung. Gezeigt wurde etwa die Original-Bar des früheren Bürgenstocks. Auch sämtliche acht Modelle fürs neue Parkhotel waren zu sehen. Bruno H. Schöpfer, Managing Director der Katara Hospitality Switzerland AG, setzte einen treffenden Titel über diese Schau: «Zukunft hat Herkunft!»

Die Ausstellung war mit 8000 Besuchern sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass Bruno H. Schöpfer Jo Müller beauftragte, vor dem Abbruch der alten Häuser alle dort gehorteten Schätze zu sichern. Was nun der Fachmann in den letzten fünf Jahren an Hotel-Kulturgut gerettet hat, könnte manches Museum vor Neid erblassen lassen. Von wertvollen Bildern, Möbeln, Lampen, Dokumenten und Grafiken bis hin zu Tand und billigem Kitsch mit Nostalgiewert geht die Sammlung. Jeder verfügbare Raum auf dem Bürgenstock ist mittlerweile belegt. «Wir mussten Lagerräume hinzumieten, inzwischen sind es sieben», sagt Müller voller Stolz.

Ein Schatz wartet auf Entdecker

«Wir haben den Ehrgeiz, nach der Eröffnung des neuen Resorts das grösste Hotelkulturarchiv der Schweiz zu besitzen», erklärt Jo Müller. Wenn er einen zum Rundgang durch die Lagerräume mitnimmt, beredt und enthusiastisch Gegenstand um Gegenstand vorstellt, voll Liebe beschreibt, zweifelt man nicht daran, dass er dies auch schaffen wird. Im Haus «Gübelin» sind kleine Kostbarkeiten katalogisiert und eingelagert: Beispielsweise eine einzigartige Kollektion von alten Dias und Bildern. Da ist denn manche «Celebrity» in bester Ferienlaune zu sehen. Viel zu erzählen haben auch Prospekte, Postkarten und alte Plakate. Im Haus «Trogen» bewahrt Jo Müller rustikale, oft kuriose Dinge aus der Ära Frei auf. Den Weihnachtsbaum mit künstlichem Laub und Zitronenkugeln, den der Ästhet Fritz Frei so sehr geliebt hatte beispielsweise. Oder all die Truhen, die er auf seinen Reisen vom Bündnerland, Bernbiet oder aus Südfrankreich heimgebracht hat.

Alles soll seinen Platz bekommen

Weiter geht die Entdeckungsfahrt Richtung Ennetbürgen. «Ein riesiger Glücksfall, dass wir hier in ehemaligen Pferdeställen zwei grosse Lagerräume mieten konnten», schwärmt Müller. Wie er die Tür öffnet, wähnt man sich in einem Märchenreich. Hunderte alter Stühle stehen da, Truhen, Schränke, wunderschöne Sekretäre und Buffets gibt es. Und Kristall-Lüster ohne Zahl.

Jo Müller nimmt eine grosse alte Vase zur Hand. «Ziemlich wertvoll», sagt er mit Kennerblick. Dann wird er fast andächtig ruhig. «Dass ich diese erste Liftkabine aus Rosenholz mit den Spiegeln retten konnte, freut mich ganz besonders», sagt er. «Wenn ich daran denke, wer alles da ein- und ausstieg, spüre ich heute noch ein Kribbeln.» Was will er denn mit diesem Ungetüm von Lift anfangen? Da sprudelt er nur so vor Ideen: Klassische Musik könnte man in der Kabine spielen. Dazu eine kleine Videoschau zeigen, die all die Gäste vorstellt, welche den Lift einst benutzt hatten. Auch für eine Hörstation mit alten Geschichten wäre die edle Liftkabine wie gemacht. «Ich bin nicht Sammler des Sammelns wegen», bekennt Müller, «sondern weil es für mich wichtig ist, dass solche Bijous erhalten bleiben.»

Alte Sachen in modernen Räumen

«Die Sicherung von rund 500 Antiquitäten und Kulturgütern ist nun abgeschlossen», sagt Jo Müller. Alle seien sie einzeln fotografiert und kartiert worden. Eine ganze Anzahl Sachen würde zurzeit bereits wieder in die neuen Häuser eingebaut. Das alte Kaminfeuer von 1920 etwa wird als Dekoration in einem öffentlichen Raum wieder zum Zuge kommen. Kachelöfen oder antike Möbelstücke sollen Suiten und Lokalen einen schlossartigen Charme verleihen. Auch das Schild des Hotels «Palace» von 1930 wird, wie eh und je, an der Fassade prangen.

Zahlreiche Sammelstücke will Müller in Museumskorridoren in verschiedenen Ausstellungen präsentieren. Das geht von Kehrsiten über die Piazza bis in die Hotels. Müller schmunzelt: «Nach einigen Sachen, die ich zu gerne hätte, muss ich allerdings noch suchen. Etwa nach der legendären orangen Vespa von Fritz Frei oder nach seinem Rolls Royce!»

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