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BÜRGENSTOCK: «Resort braucht starken Schweizer Markt»

Tourismusfachmann Urs Wagenseil ist überzeugt: Mit einem kompetenten Management und der richtigen Preisgestaltung wird das Bürgenstock-Resort die hohen Erwartungen erfüllen. Doch er ortet auch Risiken.
Philipp Unterschütz
Aussicht von der Terrasse des 1904 erbauten Palace Hotel: Ab Sommer sollen die Gäste kommen. (Bild: Dominik Wunderli (Bürgenstock, 5. Mai 2017))

Aussicht von der Terrasse des 1904 erbauten Palace Hotel: Ab Sommer sollen die Gäste kommen. (Bild: Dominik Wunderli (Bürgenstock, 5. Mai 2017))

Interview: Philipp Unterschütz

<span class="mail_autor">philipp.unterschuetz@nidwaldnerzeitung.ch</span>

Rund 550 Millionen Franken investieren die Geldgeber aus Katar auf dem Bürgenstock für eine gewaltige Tourismusanlage auf 60 Hektaren mit 30 Gebäuden, vier Hotels mit 383 Zimmern und Suiten sowie 12 Restaurants und Bars. Dazu gibt’s eine Spa-Anlage, Konferenzräume, 68 Residenzwohnungen, drei Tennisplätze und eine 9-Loch-Golfanlage. Das Bürgenstock-Resort soll diesen Sommer eröffnen. Das Management will bereits in drei Jahren schwarze Zahlen schreiben. Tourismusfachmann Urs Wagenseil, Dozent und Leiter Kompetenzzenter Tourismus an der Hochschule Luzern – Wirtschaft, zu den Chancen und Risiken des Projekts.

Urs Wagenseil, angesichts der hohen Investition ist verständlich, dass höchste Erwartungen an das Bürgenstock-Resort gestellt werden. Können diese erfüllt werden?

Ja, ich denke, das dürfte funktionieren. Es wurde bisher, soweit ich das beurteilen kann, sehr gute Arbeit geleistet und eine solide Bausubstanz mit hoher Qualität erstellt. Die Lage ist ideal, nahe der Autobahn und den Ballungsgebieten im Mittelland, zwischen Hotspots wie Zürich und Luzern sowie Vierwaldstättersee, Titlis, Rigi, Pilatus und der weiteren Bergwelt – das Gesamtangebot hat grosse Magnetwirkung.

In drei Jahren will man schwarze Zahlen schreiben und den Vollbetrieb mit 65 Prozent Auslastung erreichen. Ist das realistisch?

Das ist in erster Linie abhängig von der Managementkompetenz. Wie gut ist das Marketing, beispielsweise im Geschäft mit Seminaren oder mit Reiseverkäufern im Ausland? Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Preisgestaltung von Kaffee und Kuchen über Hotelzimmer bis hin zum Seminarraum oder den Gesundheitsangeboten. Im Lifestyle-Bereich wiederum ist vor allem die medizinische Kompetenz entscheidend. Die Leistung im ersten Jahr ist extrem wichtig, nach dem Start muss alles klappen. So entsteht die wichtige Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Auslastung allein sagt aber noch wenig über den Erfolg aus, es muss damit auch Geld verdient werden.

In den Fünfzigern und Sechzigern gastierten Stars wie Konrad Adenauer, Charly Chaplin, Sophia Loren oder Audrey Hepburn. Ist das noch ein Verkaufsargument?

Da bin ich etwas skeptisch. Heute will die Prominenz eher anonym unterwegs sein und den Rummel umgehen. Dass Hotels versuchen, über Promis ihre Bedeutung zu steigern, ist verständlich. Durch die sozialen Medien weiss es in kürzester Zeit die ganze Welt. Mit den richtigen Verbindungen kann es schon möglich sein, Prominente auf den Berg zu bringen und dies PR-mässig zu nutzen. Es gibt ja viele Leute, die der Regenbogenpresse folgen.

Mindestens die Hälfte der Gäste soll aus der Schweiz kommen. Wie wichtig ist es, dieses Ziel zu erreichen?

Das Resort braucht einen starken Schweizer Markt. Einheimische Gäste müssen für die nötige Grundauslastung sorgen. Wichtig ist es auch, im Seminarbereich die KMU zu erreichen und sich nicht nur um grosse Firmen zu kümmern.

Das Bürgenstock-Resort wirbt mit seiner Vielfalt. Funktioniert der Mix vom Burn-out-Patienten über Seminarteilnehmer und Luxustouristen bis hin zu Naturfreunden?

Das Resort erstreckt sich über eine grosse Fläche, also sollte es auch gelingen, die Gruppen voneinander zu trennen, soweit das nötig ist. Aus Kapazitätsgründen ist es notwendig, unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen, aber eine logistische Trennung ist ebenso vorteilhaft, sonst fühlt sich am Schluss niemand wirklich wohl. Steuern kann man das auch über die Preisgestaltung. Eine hohe Auslastung muss ebenso erreicht werden wie eine gewisse Exklusivität. So müssen sich die Betreiber etwa Gedanken machen, ob und unter welchen Bedingungen Tagesgäste in den Wellnessbereich dürfen.

Wo sehen Sie Risikofaktoren?

Es gibt die äusseren Faktoren, wie die Lage der Weltwirtschaft, Terrorgefahr oder Währungsentwicklungen, welche die Nachfrage aus dem Ausland reduzieren können. Beinflussbar sind interne Faktoren. So muss es gelingen, sich im Tourismusmarkt als Partner zu integrieren. Der Umgang mit den politischen Instanzen muss ebenso klappen, Meinungsverschiedenheiten können rasch Sand ins Getriebe bringen. Auch kann, wie erwähnt, eine falsche Preisgestaltung zum Risiko werden. Und wenn so etwas Grosses gestartet wird, besteht auch die Gefahr, dass am Anfang die Abläufe nicht funktionieren. Die Abhängigkeit von ausländischen Investoren sehe ich nicht als primäres Risiko. Angesichts der Dimension des Finanzinvestments kann man von einem langfristigen Engagement ausgehen.

Der Run auf das neue Resort

Buchungen Das neue Bürgenstock-Resort erfreut sich bereits vor seiner eigentlichen Eröffnung grosser Nachfrage. Gleich mehrere Firmen möchten das gesamte Resort mit seinen vier Hotels, 68 Residence-Suiten sowie 12 Restaurants und Bars für ihre Anlässe mieten. Dies ist grundsätzlich möglich, wie Pressesprecher Raphael Amrein erklärt.

Ebenso gibt es mehrere Anfragen für die beiden Eventhallen, die Platz bieten für bis zu
500 Gäste. Diese können ab kommendem Jahr für private Anlässe gemietet werden. In allen Fällen ist es bislang zu keinem Vertragsabschluss gekommen.

Dafür gibt es umso mehr Buchungen für das Palace Hotel. Dieses steht Individualgästen zwar erst ab diesem Sommer offen. Für private Anlässe können die Räumlichkeiten aber bereits heute genutzt werden. Und davon machen sehr viele Vereine, Verbände und Firmen Gebrauch, wie Amrein bestätigt. «Die Nachfrage ist in der Tat gross, es ist jedoch noch nicht ausgebucht», betont er. (bu)

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