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BUOCHS: Alle warten auf den grossen Moment ...

Die weitherum bekannte Landtheaterbühne will ihrem Renommee einmal mehr gerecht werden. Im Stück «Kaländer-Girls» lässt sie ihr Publikum dies wortwörtlich «hautnah» spüren!
Romano Cuonz
Die sechs Buochser «Kaländer-Girls» in Aktion: Von links: Katrin Niess, Marianne Friedrich, Annette Kissling, Antoinette Petermann, Edith Andermatt und Yvonne Grüter. (Bild: Romano Cuonz (Buochs, 12. Januar 2017))

Die sechs Buochser «Kaländer-Girls» in Aktion: Von links: Katrin Niess, Marianne Friedrich, Annette Kissling, Antoinette Petermann, Edith Andermatt und Yvonne Grüter. (Bild: Romano Cuonz (Buochs, 12. Januar 2017))

Den Kinoschlager «Calendar Girls» von Nigel Cole kennen die meisten Leute. Wer aber hat schon mitbekommen, dass Drehbuchautor Tim Firth den sechs geradezu tollkühnen Frauen aus Nordengland auch noch ein Theaterstück gewidmet hat? Und dass dieses in Grossbritannien – mindestens punkto Besucherzahlen – gar das erfolgreichste aller Zeiten ist! Offenbar gewusst haben dies jene Theaterleute in ­Buochs, die mit Regisseurin Eva Mann das diesjährige Stück ausgesucht haben. All den Vorschusslorbeeren zum Trotz: Mit diesem Stück ist man in Nidwaldens Theaterhochburg ein kleines Wagnis eingegangen. Eine Komödie, die einen Abend lang zwischen Lachen und Weinen hin und her pendelt und dazu den Hauptdarstellerinnen auch noch abverlangt, ziemlich viel nackte Haut zu zeigen, könnte gar leicht ins Peinliche kippen. Doch man darf gleich entwarnen: Eva Mann und das Buochser Team – von den Spielerinnen und Spielern bis zum letzten Mitarbeiter hinter dem Vorhang – meistern diese Herausforderung mustergültig.

Eine ziemlich verrückte Geschichte

Dass hinter den «Kaländer-Girls» sogar eine wahre Begebenheit steckt, mag man fast nicht glauben. Zu verrückt, zu märchenhaft auch, kommt diese Geschichte daher. In einem Vereinslokal in North Yorkshire versammeln sich regelmässig sechs reifere Hausfrauen. Ihre Sitzungen mit Vorträgen – etwa über Brokkoli – sind aristokratisch englisch geprägt und todlangweilig. Jedes Jahr bringen die Frauen einen braven Kalender mit Blumenbildern oder Fotos von regionalen Brücken heraus. Die Einnahmen aber bleiben bescheiden. Eines Tages erkrankt John (Dani Danner sehr glaubhaft) unheilbar an Leukämie. Seine Frau Annie (Antoinette Petermann mit feinem Gespür) verbringt viel Zeit im Krankenhaus. Oft wird sie dabei von ihrer Freundin Chris (Katrin Niess in der Paraderolle quicklebendig) begleitet. Als die beiden feststellen, dass im Angehörigenraum des Spitals dringend ein neues Sofa benötigt wird, wollen sie dafür den Erlös des nächsten Kalenders einsetzen. Aber ach: Erfahrungen zeigen, dass die Einnahmen dazu kaum ausreichen werden. Doch jetzt kommt Chris auf eine geradezu ungehörige, aber brillante Idee. «Warum wollen wir uns nicht bei Betätigungen, die für Hausfrauen typisch sind, fotografieren lassen?» fragt sie ihre Kolleginnen. Das Häklein an der Sache: Damit der Kalender sich auch verkauft, sollen die Frauen hinter Kochtopf, Gebäck, Strickzeug oder Blumen nackt sein! Die biedere Vereinspräsidentin (Daniela Gröbli wunderschön komisch) und die konservative Lady Gravenshire (Trudi Wahlen wie die Queen) haben das Nachsehen. Chris vermag ihre Freundinnen zu überzeugen: Da ist die vorerst eher prüde und zaghafte Ruth (Edith Andermatt hübsch wandlungsfähig). Da sind die umtriebige Cora (Marianne Friedrich musikalisch agil) und die etwas ältere, aber mutige Lehrerin Jessie (Annette Kiessling authentisch). Schliesslich auch noch die lebenslustige Celia (Yvonne Grüter mit viel Sex-Appeal). Sie alle soll der Hobbyfotograf Lawrence (Hannes Marty twistend und witzig) «fast ohne Hüllen» ablichten. Grosse Stärke der Aufführung: Regisseurin Eva Mann zeichnet die sechs Frauencharaktere spannend und jeden anders. Geradezu gerissen inszeniert sie jene Momente, auf die alle warten. So frappant kommt Nacktheit auf die Bühne, dass man hier nichts verraten sollte. Zum Verkaufsschlager wird der Kalender, und die «Girls» werden mit Fanpost überhäuft. Im ganzen Rummel drollige Szenen. Mittendrin: Markus Zimmermann als linkischer Ehemann, Erika Reiser als gewollt langweilige Referentin, Aurel Niess ein echter Schnösel, und Anja Schmidiger die verführerische Kosmetikerin. Allerdings: Einige gezielte Kürzungen könnten dem ab und zu etwas gar erklärenden Stück die Langatmigkeit nehmen.

Viel Applaus für alle Helfer

Das Theater Buochs spielt einmal mehr seine grosse Stärke aus: perfekte Teamarbeit bis hin zur letzten Charge. Ohne die Gitarre des schwarzen Osonga Chick Munduki bliebe vieles ungesagt. Aufwendig, farbig und voll Überraschungen ist das Bühnenbild von Elionora Amstutz. Mit dem nötigen Gespür für die 1960er-Jahre sind Margot Gadients Kostüme und die Maskenarbeit von Roger R. Niederberger. Zweifelsohne: Die «Kaländer-Girls» werden auch in Buochs zum Kassenschlager. Gutes Landtheater ist es. Mit allem, was dazu gehört!

Romano Cuonz

Hinweis

Kaländer-Girls: Bis 5. März sind 25 Aufführungen geplant. Mehr unter www.theater-buochs.ch. Im Verkauf auch ein Kalender mit entblätterten Buochser Akteuren. 20.– Fr. Erlös geht an Krebsliga.

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