BUOCHS: Auch Buochs hat Cabrio-Bahn

Die Cabrio-Bahn zog drei Lehrlinge in ihren Bann. So sehr, dass sie die Bahn als Modell nachbauten – mit der Antriebstechnik des grossen Vorbilds.

Matthias Piazza
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Die Lehrlinge (v. l.) Pius Odermatt, Kobi Würsch und Hans Odermatt haben die Cabrio-Bahn nachgebaut und damit die Bestnote erreicht. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Die Lehrlinge (v. l.) Pius Odermatt, Kobi Würsch und Hans Odermatt haben die Cabrio-Bahn nachgebaut und damit die Bestnote erreicht. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Fast lautlos schwebt die Cabrio-Kabine vom Chälti in Richtung Stanserhorn. Auf halber Höhe begegnet sie der talwärts fahrenden Gondel. Die Ähnlichkeiten zwischen dem Modell, das im Moment bei der BAB Technik in Buochs steht, und der grossen Schwester sind verblüffend. Talstation, Bergstation, Masten, Cabrio-Kabinen: alles vorhanden. Selbst die Berglandschaft mit Wiesen und Tannen wurde mit viel Liebe fürs Detail nachgebildet. Das Modell ist das stolze Werk von drei Lehrlingen, die im vierten Jahr ihrer Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker sind. Herzstück dieses Werks ist die komplizierte, innovative Antriebstechnik der Cabrio-Bahn, welche die drei wirklichkeitsgetreu nachgebaut haben. Wie bei der richtigen Cabrio-Bahn verläuft das Zugseil über verschiedene Antriebsräder und Masten. Und zieht so in einer Art Flaschenzug die beiden Kabinen.

Über 300 Stunden investiert

Eine ebenso faszinierende wie komplizierte Antriebstechnik. Und genau diese neuartige Technik faszinierte die drei. Der Ehrgeiz war gepackt. «Diese neuartige Technik, die vor unserer Haustür die Cabrio-Bahn steuert, interessierte uns, wir wollten deren Funktionsweise verstehen», erklärt Kobi Würsch, der sich zusammen mit Hans Odermatt und Pius Odermatt der Herausforderung gestellt hat. Die Fahrt mit der Cabrio-Bahn bezeichnet das Trio einstimmig als tolles Erlebnis.

Die Idee zur obligatorischen Vertiefungsarbeit im vierten Lehrjahr war geboren. Verlangt worden wäre eigentlich nur eine schriftliche Arbeit. Daraus wurde bei den drei Lehrlingen nun ein voll funktionsfähiges Modell. «Als Ziele definierten wir in unserer Arbeit unter anderem, die Seilbahnführung zu verstehen und zu erklären. Und wir fanden, dass das am besten anhand eines Modells geht», begründet Hans Odermatt. «Auch wir selber brauchten lange, bis wir das System begriffen.»

Rund 200 Arbeitsstunden investierten sie. Zählt man die Zeit für die Dokumentation dazu, sind es über 350 Stunden. Zeit, welche die drei Lernenden in ihrer Freizeit, abends, nachts und an den Wochenenden investierten. Im vergangenen Oktober fiel der Startschuss für das Projekt. Kosten mussten ermittelt, Material musste beschafft werden. Sie schauten sich die «grosse» Cabrio-Bahn mit eigenen Augen an, machten Fotos, studierten die Pläne, sprachen mit den Technikern der Stanserhorn-Bahn. Kreativität war gefragt. Welcher Motor ist geeignet für diesen Zweck, hat genug Leistung? Wie baut man die gesamte Konstruktion stabil genug?

Bestnote für das Projekt

In der Umsetzung stellten sich Probleme. «Der Motor, den wir zuerst einbauten, war zu schwach. Wir mussten einen zweiten einbauen», erzählt Kobi Würsch. «Schliesslich brauchten wir viel mehr Zeit als ursprünglich vorgesehen.» Fast der Zeit-Guil­lo­ti­ne zum Opfer gefallen wäre der ausgeklügelte, aufwendig gestaltete Mast. Der Verzicht hätte aber weitere Schwierigkeiten nach sich gezogen. «Ohne Mast wären die Seile zu stark durchgehangen, wir hätten sie mit viel Aufwand spannen müssen.» Doch es kam alles gut, die Projektgruppe wurde rechtzeitig fertig und konnte das System im Rahmen ihres Vortrags ihrer Klasse auf anschauliche und spannende Weise erklären. Dafür gabs die Bestnote 6. Auch sie selber seien stolz auf ihr Produkt.

Modell bei Stanserhorn-Bahn?

Lob gabs auch von allerhöchster Stelle. Jürg Balsiger, Direktor der Stanserhorn-Bahn, sei von der Leistung der drei Lehrlinge hell begeistert gewesen. Als Dank lud er die ganze Klasse aufs Stanserhorn ein – und die drei Modellbauer samt ihren Familien zusätzlich zu einem Frühstück auf dem Horn.

Noch geklärt werden muss die Frage, wo das Modell definitiv stehen soll. Einen Wunschstandort haben die drei bereits definiert: bei der Stanserhorn-Bahn.