BUOCHS: Auch nach 50 Dienstjahren hält die Leidenschaft noch an

Sein ganzes Berufsleben widmete Ernst Achermann den Frank-Türen. Und auch als Pensionär lässt ihn die Leidenschaft als Bauschreiner nicht los.

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Ernst Achermann an einer Maschine, welche er über die Jahre mitentwickelt hat. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Ernst Achermann an einer Maschine, welche er über die Jahre mitentwickelt hat. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Eigentlich könnte Ernst Achermann sein Leben als Pensionär geniessen. Im vergangenen Dezember feierte sein Arbeitgeber seine Pensionierung. Doch an rund einem Tag pro Woche trifft man den 65-Jährigen immer noch bei der Frank Türen AG in Buochs an. Dort, wo er sein gesamtes Berufsleben verbrachte – inklusive Lehre als Bauschreiner, die er 1964 antrat. «Ich habe den Plausch, in einem reduzierten Pensum bei diesem tollen Betriebsklima noch weiterzuarbeiten», erzählt er gut gelaunt. Allerdings hat sich sein Arbeitsplatz etwas verlagert – von der Maschine an den Bürotisch.

Zusammen mit dem Geschäftsleiter und Inhaber Marcel Frank tüftelt er an neuen Entwicklungen und Verbesserungen im Produktionsprozess, berät ihn bei Neuanschaffungen von Maschinen. «Mir gefällt, mein Wissen und meine Erfahrungen, die ich mir in den vergangenen Jahrzehnten aneignen konnte, weiterzugeben.» Auch die Verhandlungen mit Vertretern schätze er. «Ich arbeitete immer gerne, und der Aufgabenbereich passt mir. Das Engagement erachte ich als eine Genugtuung.»

Schritt in die Automatisierung

Für das Unternehmen war er ein Glücksfall. Schliesslich befasste sich Ernst Achermann jahrelang mit Maschinen. In den 1990er-Jahren war er massgeblich daran beteiligt, dass das Unternehmen den Schritt ins automatisierte Zeitalter vollzog. Sein ganzer Stolz ist eine Holzbearbeitungsmaschine, die er vor rund 20 Jahren für die Bedürfnisse des Unternehmens einrichtete. Die Maschine bearbeitet auf Knopfdruck die Türen wie vom Programm vorgegeben. Etwas, was früher in mehreren Arbeitsschritten von Hand ausgeführt werden musste. «Wir waren damals ein Pionier auf diesem Gebiet», erzählt er stolz. Und vor rund fünf Jahren arbeitete er an der Erneuerung der Maschine, sodass sie nun für weitere zehn bis fünfzehn Jahre läuft.

Am eigenen Leib erlebte er die Automatisierung, die die Arbeit des Schreiners veränderte. «Es war eine kräftezehrende Handarbeit», erinnert sich Ernst Achermann an die Anfänge seiner Karriere Mitte der 1960er-Jahre, als das Unternehmen sämtliche Schreinerarbeiten ausführte, mit Ausnahme von Fenstern. «Man war Handwerker, heute ist jeder auf eine bestimmte Maschine spezialisiert, die Anforderungen stiegen.» Auch die Frank Türen AG spezialisierte sich im Verlaufe der Jahrzehnte – auf Brandschütztüren. Darin liegt für ihn auch der Grund für den grossen Erfolg des Unternehmens.

Trotz der Spezialisierung sei die Arbeit dank den modernen Maschinen abwechslungsreicher geworden. «Wir produzieren Türen in allen verschiedenen Varianten.» Den riesigen Wandel habe er nicht als schwierig erlebt, da er jeden Schritt sukzessive mitgemacht habe, er bildete sich auch weiter zum Maschinenmeister.

Schreinerberuf in den Genen

Seine Liebe zum Schreinerberuf kommt nicht von ungefähr. Seine beiden Grossväter führten bereits kleine Schreinereien. Als man bei der Schreinerei Frank Nachwuchs suchte, klopfte der damalige Firmeninhaber bei Achermanns an. Ernst Achermann packte die Chance und begann die Lehre als Bauschreiner – mit einem Lehrlingslohn von 80 Franken pro Monat. «Bereut habe ich den Schritt keinen Tag, ich würde den Beruf jederzeit wieder ergreifen. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich dem Betrieb fünfzig Jahre treu bleiben werde, hätte ich ihn nicht für verrückt gehalten.» Er ist wohl der einzige Angestellte, der von sich behaupten kann, unter drei Generationen von Chefs gearbeitet und sämtliche vier Generationen gekannt zu haben. Jede Generation habe den Betrieb weitergebracht, geblieben sei aber der Patrongeist, das Familiäre.

In der Werkstatt massiert

Unter den vielen Anekdoten bleibt ihm eine in besonderer Erinnerung. Josef Frank junior, der den Betrieb 1937 bis 1971 leitete, stellte für die Spieler des FC Buochs jeweils die Räumlichkeiten zur Verfügung, wo sie massiert wurden. «Am Morgen danach roch die ganze Werkstatt nach Salbe», erinnert sich Ernst Achermann. Wie viele Türen durch seine Maschine gingen, kann er nicht genau sagen. «Es müssen Tausende gewesen sein.» Nicht selten kommt es vor, dass er bei einem Hotelaufenthalt, vor allem in der Schweiz, doch auch schon mal in der Ukraine, «seine» Frank-Türen antrifft, was ihn mit besonderen Stolz erfülle. Auf die Frage, wie lange er noch arbeiten wolle, lässt er sich nicht auf die Äste heraus. «Bestimmt noch dieses Jahr.» Langweilig werde es ihm auch danach nicht – dank der Familie, den Grosskindern, dem Tambourverein Ennetbürgen, dem Garten und dem Schwimmen.

Matthias Piazza