BUOCHS: Auf der Spur der neuen Luxustrends

Mara Huber befasste sich in ihrer Maturaarbeit mit den Bedürfnissen der Gäste der Luxushotellerie. Die aktuellen Trends betreffen auch die «Villa Honegg» Ennetbürgen.

Carina Odermatt
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Die Maturandin Mara Huber vor dem 5-Sterne-Hotel Villa Honegg in Ennetbürgen. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Maturandin Mara Huber vor dem 5-Sterne-Hotel Villa Honegg in Ennetbürgen. (Bild Corinne Glanzmann)

Carina Odermatt

«Ich bin sehr interessiert an den neuen Strömungen, die sich am Puls unserer Gesellschaft formen. Diese zu erfassen, war die Motivation für meine Arbeit», erklärt Mara Huber. «Welche Rolle das Hotel in diesem Kontext spielt, fand ich dabei besonders spannend.» Für ihre Maturaarbeit mit dem Titel «Gast der Zukunft in der Luxushotellerie – mit Trendforschung Grundbedürfnisse skizzieren» beschäftigte sie sich mit aktuellen Trends in der Luxusgesellschaft. Der Gegenstand ihrer Forschungen war die Villa Honegg, ein 5-Sterne- Hotel in Ennetbürgen.

Als erster Schritt musste sich die 18-jährige Buochserin in die Literatur vertiefen und herausfinden, welcher Einfluss Trendforschung überhaupt auf ein Unternehmen haben kann. «Für den Erfolg eines Unternehmens gelten die gleichen Regeln wie in der Natur: ‹Survival of the fittest›, wie Darwin sagte.» Das bedeutet, dass der Anpassungsfähigste gewinnt. Sprich: Wenn sich ein Unternehmen den neuen Trends anpassen kann, hat es grössere Chancen auf Erfolg.

Luxus im Wandel

Die Bedürfnisse der Luxusgäste folgen den neuen Strömungen in unserer Gesellschaft. Dies hat auf Hotels wie die Villa Honegg einen direkten Einfluss. Um herauszufinden, wie diese neuen Bedürfnisse aussehen werden, hat sich Mara Huber mit Thesen zur Zukunft der Luxushotellerie befasst. Sie hat herausgefunden, dass sich der Umgang mit Luxus in einem Wandel befindet. «Es ist noch immer wichtig, Luxus zu besitzen, jedoch kommt man immer mehr davon ab, diesen nach aussen zu präsentieren», erläutert sie. Der «nächste Luxus» unterliege zudem einem Wertewandel von der Produkteebene auf die Erlebnisebene. In Bezug auf die Hotellerie bedeutet das, dass die Gäste bereit sind, viel Geld für Erlebnisferien auszugeben. So sind zum Beispiel Übernachtungen auf einem eingefrorenen Expeditionsschiff in der Antarktis im Trend. Die Leute wollen heutzutage ein Land nicht nur besuchen, sondern erleben. Ausserdem sei ein guter Internetauftritt für Hotels sehr wichtig, denn die Reise beginne heute nicht erst am Flughafen, sondern schon zu Hause am Computer.

Empfehlungen für die Villa Honegg

Als Produkt ihrer Arbeit hat Mara Huber, die Betriebswirtschaftslehre an der HSG in St. Gallen studieren will, einen Empfehlungskatalog für die Villa Honegg erstellt. Er ist ein Leitfaden für strategische Entscheidungsgrundlagen und enthält spezifische Empfehlungen, die auf den Ergebnissen der Trendforschungen basieren. Für deren Realisierung waren ihr zuvor erarbeitetes Grundwissen und die Unterstützung durch Peter Durrer, Gastgeber in der Villa Honegg, sehr wichtig. Auch der Marketingstratege Raphael Güller war mit seinem Wissen über die Entwicklungen im Luxusbereich und der Marketingerfahrung eine wichtige Hilfe. Doch die konkreten Ideen stammen aus Mara Hubers Einfallsreichtum.

Auch der Hotelier findets spannend

Ein Beispiel aus ihren Empfehlungen ist der Honegg-Club. Er ist eine Möglichkeit, das vermehrte Bedürfnis nach realen Beziehungen zu befriedigen. Der Honegg-Club würde gegen einen Mitgliederbeitrag verschiedene Anlässe organisieren, an denen die Mitglieder neue Leute kennen lernen könnten. Konkrete Vorschläge für solche Anlässe hat Mara Huber auch gleich erstellt: Degustationen von regionalem Wein, Filmabende im hauseigenen Kino, aber auch spezielle Anlässe ausserhalb des Hotels.

Gastgeber Peter Durrer sagt auf Anfrage, dass er die Ideen aus Hubers Katalog sehr spannend finde. Er und sein Team würden sich momentan Überlegungen zu weiteren Entwicklungen für die Villa Honegg machen, weil die Eröffnung des Bürgenstock-Resorts naht. Besonders interessant erachtet Durrer den Vorschlag für einen Kneippweg, auch weil dieser wohl einfach umzusetzen wäre. Wasser übe auf Menschen eine grosse Faszination aus, und ein solcher Pfad würde in die Natur rund um die Villa Honegg passen. Mara Huber hat auch Tipps für eine neue Website und die Nutzung von Social-Media-Kanälen gegeben. Eine neue Homepage werde Ende Januar aufgeschaltet.

Vom Erklimmen des Gipfels

«Das Matterhorn hat für den Prozess meiner Maturaarbeit eine symbolische Bedeutung. Am Anfang stand ich am Fusse des Berges und schaute ehrfürchtig hinauf. Ich war fasziniert von meinem Thema und erarbeitete es Schritt für Schritt, als würde ich den Berg emporsteigen», erzählt Mara Huber am Anfang ihrer Präsentation. Als ein seit langem geplantes Experteninterview mit einer Trendforscherin ausgefallen war, habe sich das für sie wie ein freier Fall an der Felswand angefühlt. «Das war meine grösste Schwierigkeit gewesen, aber damit muss man sich dann arrangieren», sagt sie und fährt fort: «Ich habe unheimlich viel bei meiner Arbeit gelernt. Zum Beispiel, wie man Strategien entwickelt, um so ein grosses Thema anzugehen. Ich verstehe nun die neuen Entwicklungen in der Luxusbranche und auch in der Betriebswirtschaft habe ich einiges dazugelernt. Nun, da ich den Gipfel erreicht habe, schaue ich mit Stolz auf diese einjährige Arbeit zurück.»