BUOCHS: Die Chatzemuisig Buochs hebt ab Richtung Osten

Die kommende Fasnacht ist für die Chatzemuisig Buochs nicht der einzige Höhepunkt in diesem Jahr. Ihren zweiten grossen Auftritt hat sie im Oktober – in der Millionen-Metropole Schanghai.

Matthias Piazza
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Die Chatzemuisig Buochs spielt im Herbst vor Schanghais Wolkenkratzern. (Bild: PD)

Die Chatzemuisig Buochs spielt im Herbst vor Schanghais Wolkenkratzern. (Bild: PD)

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Am Aschermittwoch, 1. März, dürfte sich bei den Fasnächtlern Wehmut und Katerstimmung breitmachen. Schliesslich müssen sie sich dann wieder fast ein Jahr lang gedulden bis zur nächsten Fasnacht. Bei der Buochser Guugge-Chatzemuisig ist heuer alles etwas anders. Die Instrumente und Kostüme verschwinden nicht so lange im Schrank. Sie kommen im Herbst, genauer gesagt am 13. Oktober, wieder zum Einsatz – im 11 000 Kilometer entfernten Schanghai.

Am International Folk Art Festival darf die Nidwaldner Guugge vom 13. bis 23. Oktober die Schweiz vertreten. Mit Musik- und weiteren Formationen aus rund 100 Nationen darf sie auf einem Mega-Umzug aufspielen – vor den Wolkenkratzern der 14-Millionen-Metropole an der Ostküste Chinas, verfolgt von unzähligen Zuschauern am Strassenrand und am Fernsehen. Das Staatsfernsehen überträgt die farbenfrohe Parade der Fähnler, Musiker und Tänzer. Wie kommt eine Buochser Fasnachtsformation zu dieser Ehre? «Das chinesische Kulturministerium hat uns per Mail zur Teilnahme eingeladen, nachdem wir uns vor zwei Jahren dafür beworben hatten», erklärt Sandro Petermann, Tourmanager der Chatzemuisig. Der Veranstalter begründete die Anfrage damit, dass er nach dem Besuch der Stanser Chälti-Sägler vor zwei Jahren wieder eine Nidwaldner Guuggenmusig nach Schanghai einladen wolle.

Vor der Zusage gabs angeregte Diskussionen bei den rund 25 Chatzemuisig-Mitgliedern: Will man sich in das chinesische Abenteuer stürzen? «Wir diskutierten eifrig, machten unsere Mitglieder darauf aufmerksam, was sie alles erwarten würde.» Schliesslich stand der Entscheid fest: «Schanghai: Wir kommen.» Ferien mussten beim Arbeitgeber eingeholt, der Militärdienst verschoben, Abklärungen wegen Visum und Impfungen getroffen werden, rund 500 Franken pro Mitglied muss aus der eigenen Tasche berappt werden. 23 der 26 Mitglieder sind an Bord.

Verein nutzt einmalige Gelegenheit

«Wir müssen nur den Flug bezahlen, den Rest übernimmt das chinesische Kulturministerium. Das heisst, wir können so günstig wie wohl nie mehr die Millionen-Metropole erkunden. Diese einmalige Gelegenheit, eine andere Kultur kennen zu lernen, müssen wir nutzen. Ich allein ginge wahrscheinlich nicht nach Schanghai, mit dem Verein aber umso lieber», begründet Sandro Petermann das bis jetzt wohl grösste Projekt in der 47-jährigen Vereinsgeschichte, das die bisherigen «gewöhnlichen», zweijährlichen Sommerausflüge in den Schatten stellt.

Auch die Kultur kommt bei diesem zehntägigen Aufenthalt nicht zu kurz. Das Programm tönt verheissungsvoll: Willkommensbankett für alle Teilnehmer, eine nächtliche Bootsfahrt auf dem Huangpu-Fluss, Akrobatik-Show, Besichtigung der Stadt mit Panoramablick, Besuch des Wasserturms und der Wasserstadt Zhouzhuang. Mit der aussergewöhnlichen Reise erhofft sich der Verein zudem, auch noch neue Mitglieder begeistern zu können. «Wir haben 30 Plätze gebucht. Es kann sich also noch der eine oder andere anschliessen», so Petermann.

Auch wenn das Abenteuer die Finanzen nicht strapaziert: Eine Herausforderung ist die weite Reise mit dem Flugzeug dafür in logistischer Hinsicht. Schliesslich müssen nicht nur das persönliche Gepäck, sondern auch die «Werkzeuge» der Guuggenmusig nach Schanghai mit: neben «gewöhnlichen» Instrumenten wie Trompeten auch das gesamte Schlagzeugequipment mit den Trommeln und was sonst noch dazugehört. «Wir müssen alles frachtgerecht verpacken und uns an die zulässigen Masse und Gewichte halten. Was zu gross ist, muss auseinandergenommen und in Schanghai wieder zusammengebaut werden.» Pro Person sind 30 Kilo Gepäck zulässig. Doch Tourmanager Sandro Petermann zweifelt keine Sekunde am Gelingen dieses Unterfangens. «Das wird schon irgendwie laufen, schliesslich bereiten wir uns auch schon seit Monaten darauf vor.»