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BUOCHS: Diese Maschine druckt dreidimensional

Ob ein Prototyp eines Fenstergriffs oder ein chirurgisches Besteck: In Buochs steht eine Maschine, die Gegenstände ausspuckt. Wegen der grossen Nachfrage wird sogar nachts produziert.
Matthias Piazza
Stolz auf seinen Drucker: Marcus Risi mit Produkten, die seine Maschine hergestellt hat. (Bild Corinne Glanzmann)

Stolz auf seinen Drucker: Marcus Risi mit Produkten, die seine Maschine hergestellt hat. (Bild Corinne Glanzmann)

Diese Woche machte eine Meldung der Nasa die Runde: Die US-Raumfahrtbehörde hat erfolgreich ein Triebwerkteil getestet, das komplett aus einem Dreidimensional-Drucker hergestellt worden war (wir berichteten am Donnerstag). Solche 3-D-Drucker sind immer mehr im Kommen, der vermutlich schweizweit grösste im Dienstleistungsbereich steht in Buochs. Seit rund einem Monat druckt Marcus Risi mit seiner Firma 3-D-Prototyp GmbH für Privat- und Firmenkunden dreidimensional – «als Erster und Einziger in der Zentralschweiz», wie er betont. Das Geschäft laufe, die drei 3-D-Drucker sind teilweise auch nachts in Betrieb. Gegenstände mit einer Grösse von bis zu 40 Zentimetern Höhe, 40 Zentimetern Breite und 40 Zentimetern Länge kann der eine, 170 000 Franken teure 3-D-Drucker in Buochs produzieren. Um den Drucker zu füttern, muss Risi eine geeignete 3-D-Datei importieren. Oder ein bereits bestehender Gegenstand wird gescannt, worauf aus diesen Daten ein Abbild geschaffen werden kann.

Aufwendiges Verfahren

Gerade wird mit Polykarbonat eine exakte Nachbildung eines Backsteins produziert. Sie dient einem Backsteinhersteller als Vorlage für eine neue Serie. 274 Schichten hat er schon gefertigt, 1281 Schichten braucht es noch, bis die Backsteinkopie fertig ist – massstabgetreu und in allen drei Dimensionen. «Das Verfahren ist aufwendig und zeitintensiv. Der Drucker arbeitet an diesem Auftrag fünf Stunden, dazu kommen Vorbereitungsarbeiten von drei Stunden, um den Drucker mit den Daten zu füttern», erklärt Marcus Risi. Kundschaft hat er aus der ganzen Schweiz. «Der Anwendung sind praktisch keine Grenzen gesetzt – vorausgesetzt, es ist materialtechnisch machbar.» Er zeigt einen Prototypen für einen Fenstergriff: Damit testet ein Architekt, ob der Fenstergriff mit diesen Massen auch tatsächlich geeignet ist. Ein Stuhldesigner beauftragte Marcus Risi, ein Modell eines neuen Stuhls zu fertigen. «Für einen Uhrenhersteller durfte ich ein dreidimensionales Modell einer Armbanduhr produzieren», erzählt er stolz.

Schneller und günstiger

Doch bereits werden nicht mehr nur Prototypen, sondern auch schon Kleinserien hergestellt – für den «echten» Einsatz. So fertigte er für einen Zeltbauer einen speziellen Nagel, um die Zelte zu befestigen. Oder ein anderer Kunde bestellte Nadelhalter für alte Grammofone. Auch medizinisches Besteck wurde mit dem 3-D-Drucker hergestellt. Lüftungsstutzen, Luftdüsen für Flugzeuge oder Schachfiguren sind weitere Beispiele. Auch die Firmen Maxon, Komax und die Pilatus-Flugzeugwerke gehören zu den 3-D-Kunden von Marcus Risi. Und kürzlich stellte das Einmannunternehmen für einen Werbefilm zehn Nachbildungen einer Google-Brille her.

Marcus Risi erklärt sich die grosse Nachfrage nach dreidimensionalen Aufträgen einerseits mit den niedrigen Herstellungskosten. «Kostet die Produktion eines Musterartikels mit der 3-D-Technologie 1300 Franken, zahlt man bei einem konventionellen Verfahren vielleicht 2500 Franken», veranschaulicht er. Doch noch stärker ins Gewicht fielen die kurzen Herstellungsfristen. «Wenn der Kunde den Auftrag um 16 Uhr erteilt, hat er sein Teil am anderen Morgen um 8 Uhr.»

Mit einem 3-D-Drucker kann man sogar Schusswaffen herstellen. Das konnte man kürzlich ebenfalls den Medien entnehmen. Dazu sagt Risi: «Missbrauch kann man nie ausschliessen. Denn gerade Schusswaffen sind eigentlich mit einem 3-D-Drucker sehr leicht herzustellen.»

Auch zu Hause möglich

3-D-Drucker sind für rund 1500 Franken inzwischen sogar für den Hausgebrauch erhältlich. «Die Qualität ist mit jener eines professionellen Druckers natürlich nicht vergleichbar. Hohlräume und Hervorstehendes wie etwa die Nase einer Büste kann man nicht herstellen», sagt Risi. Er glaubt darum auch nicht, dass Home-Drucker ihm Aufträge wegnehmen. «Die Industrie verlangt hochstehende Qualität, das kann man nur mit professionellen Maschinen und hohem Fachwissen garantieren.» Er geht aber davon aus, dass in den nächsten Jahren Entwicklungsabteilungen von grossen Unternehmen sich eigene 3-D-Drucker anschaffen.

Nach dem Verkauf seines Copycenters vor drei Jahren hat sich Marcus Risi intensiv der «dritten Dimension» gewidmet. Er sagt der 3-D-Technologie eine grosse Zukunft voraus. «Nehmen die Aufträge weiter zu, werde ich einen weiteren Drucker anschaffen.» Mit der Technologie war Risi vor sieben Jahren an einer Messe in Deutschland in Kontakt gekommen. «Die Faszination fürs 3-D-Drucken ergriff mich», erzählt er. Als Nächstes steht die Anschaffung eines 3-D-Scanners an – als schweizweit erstes Unternehmen. Der Scanner wird Gegenstände abtasten und Daten erfassen, die dann dem Drucker zur Reproduktion weitergegeben werden.

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