BUOCHS: Dorfpolizist wachte über Bauarbeiten

15 000 Stunden Fronarbeit stecken im Trachtenhaus am Aawasserweg. Ein Buch erinnert an den Bau vor 55 Jahren.

Marion Wannemacher
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Die Ehrenpräsidenten Josef von Holzen (links) und Adolf Vogel vor dem Trachtenhaus Buochs. (Bild: PD)

Die Ehrenpräsidenten Josef von Holzen (links) und Adolf Vogel vor dem Trachtenhaus Buochs. (Bild: PD)

Marion Wannemacher

Rund ums Trachtenhaus herrscht eifriges Treiben: Zwei Schulklassen, die 5. und 6. aus Wittenbach SG, sind nach einer Lagerwoche am Packen, Räumen und Putzen. «Wir gehen seit 20 Jahren ins Lager», erzählt Lehrerin Nadja Herzog. «Dieses Haus ist eines der schönsten, auch die Lage ist toll. Man hat von hier aus so viele Möglichkeiten, zum Beispiel zum Rütli oder nach Luzern», schwärmt sie.

Dokumentation der Bauphase

Adolf Vogel und Josef von Holzen, die beiden Ehrenpräsidenten des Buochser Trachtenvereins, führen durchs Haus. «Unten ist die ‹Alphütte› mit Küche», erklärt Vogel. «Einen Stock weiter oben ist ein grosser Versammlungsraum, und im obersten Stock finden sich Schlafsäle mit Stockbetten.»

Vogel und von Holzen gehören noch zu den wenigen, die das Trachtenhaus gebaut haben. Bevor sich gar niemand mehr daran erinnern kann, beschlossen sie, den Bau und die damit verbundene Vereinsgeschichte in einem Buch zu dokumentieren.

Grund für den Bodenerwerb und Bau des Vereinshauses war damals die Schwierigkeit, ein geeignetes Probendomizil zu finden. «Wir beschlossen, etwas Eigenes, Einfaches auf die Beine zu stellen. Einen Saal und ein WC sollte es haben», erinnern sich die beiden Buochser. Von der Korporation konnte der Verein Land erwerben mit schönster Aussicht aufs Buochserhorn. Am Schluss wurde darauf ein komplettes Nidwaldner Schindelhaus gebaut, das heute nicht nur als Vereins-, sondern auch als Lagerhaus dient und auch für einzelne Anlässe, Hochzeiten und Geburtstagsfeiern gebucht wird.

Immer nach Feierabend

Es war eine besondere Zeit, in der die damaligen Mitglieder in die Hände spuckten und die Ärmel hochkrempelten. Der Aushub erfolgte am Anfang von Hand. Per Zufall wurde dem freiwilligen Bautrupp ein Bagger zur Verfügung gestellt. Den galt es zu nutzen. Bis elf Uhr abends wurde gebaggert. Der Dorfpolizist hatte ein Auge auf die nächtliche Ruhestörung, wartete aber mit seiner Intervention ab, bis die wesentlichen Arbeiten erledigt waren. «Jeden Abend nach Feierabend und samstags wurde am Bau gearbeitet», erzählt Adolf Vogel, damaliger Präsident. «Begeisterung und Zusammenhalt wurden immer besser.» Besonderen Stellenwert nahmen die Pausen ein, in denen Trachtenfrauen und -meitli das Znüni vorbeibrachten. Da wurde gefachsimpelt und Pläne geschmiedet. Pragmatischer Verstand war gefragt: So wurde kurzerhand entschieden, dass man nicht etwa das abfal­lende Gelände aufschütten würde, sondern stattdessen lieber den Keller ausbaute. Dieser dient heute noch als unabhängiges Klublokal, auch wenn ein Lager den Rest des Hauses besetzt.

15 000 Fronstunden für alles

«Heute wäre ein solcher Einsatz unmöglich», wertet Vogel. Nur schon der Rohbau brauchte 9000 Fronstunden. Insgesamt leisteten die Vereinsmitglieder über 15 000 Fronstunden. Das meiste wurde selbst bewältigt, nur für we­nige Arbeiten mussten Fachleute beauftragt werden. Immerhin: Innerhalb von zwei Jahren war das Trachtenhaus am Aawasser fertig, dies zum – für heutige Verhältnisse – sensationellen Preis von 112 000 Franken für Land und Haus. Das Vereinsvermögen von damals knapp 7000 Franken reichte nicht aus. Von den Mitgliedern übernommene Schuldscheine lösten das Problem.

Morgen ist Buchvernissage

130 Mitglieder hat der Verein heute mit einer guten Durchmischung von jung und alt. Noch immer treten pro Jahr zwischen drei und sieben neue Mitglieder bei. Doch während der Verein früher für rund 58 Anlässe pro Jahr gebucht wurde, sind es heute weniger als zehn. Viele Partnerschaften pflegt der Trachtenverein in aller Welt, fünf internationale Trachtenfeste richtete er seit Beginn aus. Vom 2. bis 4. September dieses Jahres feiert die Trachtengruppe Buochs ihr 85-Jahr-Jubiläum. Auf dem Programm stehen Bierfassrollen und zwei Unterhaltungsabende.

Doch zunächst wird Buchvernissage gefeiert: Das Buch «Das Haus der Buochser Trachten» kann morgen Freitag von 16 bis 19 Uhr im Trachtenhaus begutachtet werden. Bücher werden nur auf Vorbestellung produziert.