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BUOCHS: Glocken der Kirche St. Martin läuten künftig weniger lang

Nach Beschwerden wegen des Kirchengeläuts hat der Kirchenrat eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Das Resultat der Gespräche: Die Läutordnung wird ab Ostern angepasst.
Martin Uebelhart
Der Kirchenturm von Buochs fotografiert am 27. Februar 2018. Kirche, Glocken (Bild: Corinne Glanzmann (Buochs, 27. Februar 2018))

Der Kirchenturm von Buochs fotografiert am 27. Februar 2018. Kirche, Glocken (Bild: Corinne Glanzmann (Buochs, 27. Februar 2018))

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch

Es war an einem schönen Samstagabend im vergangenen Sommer. Max Buchs aus Buochs hatte Besuch und sass mit seinen Gästen auf der Terrasse. Umso mehr ärgerte er sich, als um 17.30 Uhr die Glocken der Pfarrkirche St. Martin während dreizehn Minuten läuteten. «Nach einer Pause von sieben Minuten ging das Geläut gleich wieder los, um den Gottesdienst von 18 Uhr einzuläuten. So geht das jeden Samstag», erzählt Buchs. An jenem Abend hatte er als besonders störend empfunden, weil er sich gerne mit seinen Gästen unterhalten hätte. «Im Gegensatz zu vielen anderen, die einfach die Faust im Sack machen, habe ich meinen Ärger mitgeteilt», sagt Buchs im Gespräch mit unserer Zeitung.

Und er wurde gehört: «Wir haben beschlossen, die Aussagen im Kirchenrat anzuschauen», sagt Pfarrer Josef Zwyssig, der wie Kirchenratspräsident Hubert Arnold, Kirchenrätin Edith Murer und der reformierte Pfarrer Heinz Brauchart beim Gespräch mit unserer Zeitung mit am Tisch sitzt. Um sich mit dem Thema als Ganzes auseinanderzusetzen, habe man eine Kommission eingesetzt, so Josef Zwyssig weiter.

«Grundsätzlich empfinde ich das Kirchengeläut als etwas Schönes», sagt Max Buchs, der rund 200 Meter Luftlinie von der Kirche entfernt wohnt. Und wenn alle Glocken gleichzeitig erklängen, sei das auch etwas sehr Feierliches. Was er aber als störend empfinde, sei die Dauer des vollen Geläuts.

Läuten kann auch weltlichen Hintergrund haben

Max Buchs sei nicht der Einzige gewesen, der sich wegen der Kirchenglocken gestört gefühlt habe, hält Pfarrer Josef Zwyssig fest. «Andere Beschwerden haben sich für allem auf das 5-Uhr-Läuten am Morgen bezogen. Und auf den Stundenschlag in der Nacht.» Er hält fest, dass es Geläute mit religiösem Hintergrund gebe, wie etwa das «Bättä liitä» um 5, 11 und 18 Uhr, das Einläuten des Sonntags und der Gottesdienste oder auch das Sterbegeläut. Die Glocken erklängen aber auch aus weltlichen Gründen. Dazu gehören etwa das Läuten zum Bundesfeiertag oder zum Neuen Jahr.

Als Resultat der Kommissionsarbeit hat der Kirchenrat beschlossen, die Läutordnung anzupassen, wie Edith Murer festhält: «Das morgendliche ‹Bättä liitä› wird auf 6 Uhr verschoben, das Sonntageinläuten von 12 auf 8 Minuten verkürzt, das Einläuten der Messe am Samstagabend von 7 auf 5 Minuten.» Auch die Dauer des Sterbeläutens werde verringert, sagt sie.

Den Anpassungen schliesst sich auch die reformierte Kirche in Buochs an. «Bei uns betrifft das allerdings nur das Einläuten des Sonntags, das Endläuten bei Sterbefällen und das Läuten zu den Gottesdiensten», sagt Heinz Brauchart. «Einen Stundenschlag haben wir hier in Buochs ohnehin nicht.» Das Glockengeläut, das schon jetzt auf die katholische Kirche abgestimmt sei, werde ebenfalls verkürzt.

Umgesetzt werden die Änderungen auf den Ostersonntag. Vom Abend des Hohen Donnerstag bis zur Osternacht läuten die Kirchenglocken ohnehin nicht, für die Verantwortlichen der ideale Zeitpunkt, die neue Läutordnung in Kraft zu setzen.

Bedeutung der Glocken wird weniger verstanden

Kirchenratspräsident Hubert Arnold hält fest, man habe nicht zu viel ändern wollen. «Viele Leute erwarten auch, dass die Glocken läuten. Tun sie es nicht, kommen Anrufe.» Auf die Verschiebung des «Bättä liitä» erwarte er schon Reaktionen.

Gerade die beiden Pfarrer orten noch einen weiteren Gewinn aus der Arbeitsgruppe. «Wir haben uns wieder einmal vertieft Gedanken gemacht über die Bedeutung der Kirchenglocken», sagt Heinz Brauchart. Und über die Gründe, warum die Zahl der Beschwerden über Kirchenglocken steigt – nicht nur in Buochs. Brauchart führt das unter anderem auf die fortschreitende Säkularisierung der Gesellschaft zurück. Vor Jahren und Jahrzehnten sei das Kirchengeläut noch tiefer in der Tradition der Bevölkerung verankert gewesen. Josef Zwyssig glaubt, dass man die Bedeutung wahrscheinlich auch nicht mehr so verstehe. «Man muss den Leuten wieder ein bisschen helfen zu verstehen, warum es ein Geläut gibt.»

Kirchliches Geläut als schützenswert eingestuft

Zwyssig kann sich vorstellen, dass künftig häufiger Beschwerden gegen die Kirchenglocken eingehen. Mit juristischen Klagen war Buochs bis heute noch nicht konfrontiert. Mindestens für das kirchliche Geläut dürfte dies laut dem Pfarrer auch nicht ganz einfach sein. Das hätten die Gerichte bis anhin als schützenswert eingestuft. Rückblickend meint er: «In unserem Fall hatten wir im Kirchenrat und in der Kommission das Gefühl, dass wir proaktiv sein sollten. Wir wollen ja nicht die Leute verärgern, sondern einen schönen Brauch erhalten, etwas woran die Menschen auch Freude haben sollen.»

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