BUOCHS: Lärmschutz verhindert vorerst Betrieb

Der neue Schwimmbagger förderte mehr Material und war im Gegensatz zum Vorgänger nur wenige Wochen vor Ort. Doch der künftige Einsatz ist umstritten.

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Dieser neue Schwimmbagger war bis
September 2014 temporär im Einsatz. (Bild: PD)

Dieser neue Schwimmbagger war bis September 2014 temporär im Einsatz. (Bild: PD)

Philipp Unterschütz

Die Genossenkorporationen Buochs und Ennetbürgen waren überzeugt, eine gute Lösung gefunden zu haben. Sie liessen den alten Schwimmbagger, der ganzjährig vor dem Aawasserdelta im See lag, durch eine moderne Förderanlage ersetzen. In den fünf Testwochen von August bis Ende September 2014 wurden 11 500 Kubikmeter Material aus dem Delta entnommen, wie es im Jahresbericht der Genossengemeinde Ennetbürgen heisst. Man sei überzeugt gewesen, diese Art von Seebaggerungen sei ein Gewinn für alle, weil sich die Arbeiten auf 5 bis 6 Wochen ausserhalb der Sommersaison verkürzt hätten, kein Bagger im Flussdelta mehr die Aussicht trübe und die Abbaumengen den Zielen des Hochwasserschutzes entsprächen. Doch anders als erwartet, darf der neue Bagger vorerst nicht wieder wie geplant zum Einsatz kommen. «Wir dachten, das sei keine grosse Sache, sondern ‹nur› ein Ersatz einer bestehenden Anlage», sagt Albert Gabriel, Präsident der Genossenkorporation Ennetbürgen. Doch die Behörden sehen das anders.

Das Problem liegt im Lärmschutz

Der Kanton wies die Korporationen darauf hin, dass es sich um eine neue Anlage handle und deshalb neben wasserrechtlichen, gewässerschutzrechtlichen und fischereirechtlichen Bewilligungen auch bei der Gemeinde eine Baubewilligung eingeholt werden müsse. Das Gesuch wurde daraufhin durch die Gemeinde im Amtsblatt publiziert, worauf drei Einsprachen bei der Gemeinde und eine beim Kanton eingingen. «Wir stehen nun mitten im Verfahren», sagt Albert Gabriel. «Diesen Frühling kommt die Anlage also sicher nicht zum Einsatz.» Eine Einsprache verlange, dass man im Winter abbaue, was aber wegen der Fischerei nicht möglich sei. Bei anderen gehe es um Lärm. Josef Bucher, Geschäftsführer der Genossenkorporation Buochs, bestätigt, dass das Hauptproblem tatsächlich im Lärmschutzbereich liege und sagt: «Wir wollen eine einvernehmliche Lösung, dafür müssen wir mit den Einsprechern das Gespräch suchen. Das geht aber erst, wenn wir eine Stellungnahme vom Kanton haben.»

Neue Anlage oder Ersatz?

Der stellvertretende Leiter des kantonalen Umweltamtes und Leiter der Abteilung Gewässer, Fidel Hendry, meint dagegen: «Das von den Gesuchstellern eingereichte Lärmgutachten weist Überschreitungen der zulässigen Grenzwerte aus. Diese Ausgangslage wurde zwischen den Genossenkorporationen und dem Kanton besprochen und die Genossen aufgefordert, Massnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte zu treffen.»

Fidel Hendry weist darauf hin, dass der Ausgang des Verfahrens noch völlig offen sei. «Wir können das eingereichte Lärmgutachten noch nicht beurteilen, es müssen weitere Daten nachgeliefert und das Lärmgutachten überarbeitet werden.» Hendry betont aber auch, dass der Hochwasserschutz für den Kanton oberste Priorität habe und gewährleistet sein müsse. «Trotzdem muss das Ganze gesetzeskonform ablaufen. Die neue Anlage muss der üblichen lärmrechtlichen und standortabhängigen Prüfung unterzogen werden.» Daneben gelte es auch zu berücksichtigen, dass das Delta ein Bereich mit zahlreichen weiteren Nutzungs- und Schutzansprüchen im öffentlichen Interesse sei.

Die Korporationen sind dagegen der Meinung, dass es sich um eine Ersatzanlage handle. «Sie ist schon seit Jahren im Muotadelta bei Brunnen im Einsatz und vom Kanton Schwyz auch bezüglich Lärm bewilligt», sagt Josef Bucher. «Wir haben nun beim Kanton mündlich unseren Wunsch für eine temporäre Bewilligung für einen sechswöchigen Testbetrieb im Herbst deponiert, damit man genaue Messungen machen kann», ergänzt Albert Gabriel. Für die Genossen drängt die Zeit. «Damit die Anlage im Herbst verfügbar wäre, müssten wir bis Mitte Juni dem Unternehmer Bescheid geben», sagt Josef Bucher.

Nicht um jeden Preis

Die Genossenkorporationen Buochs und Ennetbürgen haben seit Jahrzehnten das verbriefte Recht zur Gewinnung von Sand und Kies beim Ausfluss der Engelbergeraa. Der Kanton stellt sich auf den Standpunkt, dass die Korporationen gemäss Dienstbarkeit aber auch die Verpflichtung haben, den Abfluss der Engelbergeraa frei zu halten. Ein wichtiges Element dieser Freihaltung sei die regelmässige Entfernung von Geschiebe zur Sicherstellung des Hochwasserschutzes.

Für die Genossen wiederum könnten je nach Auflagen Kosten für zusätzliche Lärmschutzmassnahmen auf der Förderanlage entstehen. Wegen der geringen Fördermenge könnte dies die Wirtschaftlichkeit in Frage stellen. «Letztes Jahr haben wir eine Null geschrieben, in manchen Jahren auch einige tausend Franken verdient. Wir müssen das aber nicht um jeden Preis machen», sagt Albert Gabriel. Die Korporationen sind der Ansicht, die Verantwortung für den Hochwasserschutz liege beim Kanton, und würden sie diese Arbeiten nicht mehr ausführen, müsste der Kanton den Hochwasserschutz wohl selber vornehmen.