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BUOCHS: Seine Bilder verlernten das Wackeln

Den Kollegen bei seiner Skifahrt zu filmen, das geht auch ruckelfrei. Die Entwicklung kostete Elias Hampp viel Nerven. Doch der Aufwand lohnte sich.
Matthias Piazza
So gehts ruckelfrei: Elias Hampp mit seiner selbst entwickelten Kamerahalterung. (Bild Matthias Piazza)

So gehts ruckelfrei: Elias Hampp mit seiner selbst entwickelten Kamerahalterung. (Bild Matthias Piazza)

Matthias Piazza

Der Kameramann springt über das Mäuerchen und flitzt über die Wiese. Doch die Bilder sind nicht «verruckelt», sondern ruhig. Man wähnt sich bei der Filmsequenz in einem professionellen Hollywoodfilm. Doch dahinter steht keine Filmcrew mit einer teuren Ausrüstung, sondern Elias Hampp. Der 19-jährige Buochser entwickelte für seine Mini-Filmkamera eine Vorrichtung, die schnelle, ruckartige Bewegungen, die beim Filmer während des Gehens, Laufens oder Fahrens entstehen, abfedert. Augenfällig wird der Unterschied beim Betrachten derselben Film­sequenz, bei der die Kamera bloss in der Hand gehalten wurde. Das Bild ist «verzittert», wie man es etwa von Amateurfilmchen kennt, die mit dem Smartphone gemacht wurden.

Die Idee sei ihm auf der Piste gekommen, erzählt Elias Hampp. «Ich fuhr meinem Bruder auf den Ski hinterher, um ihn zu filmen.» Das Ergebnis überzeugte ihn nicht. «Die Aufnahmen waren total verwackelt, da es einfach nicht möglich war, die Kamera während der Fahrt genug still zu halten», erinnert er sich.

Günstig und handlich muss es sein

Aus der Not machte er eine Tugend. Das Thema für die Maturaarbeit war gesetzt. Inspiration holte er sich im Internet. Bald war klar: Es braucht eine Konstruktion, die in Richtung «Steadicam» geht, einer Vorrichtung, die professionelle Filmer sich um die Hüfte binden, um auch die wildesten Verfolgungsjagden «ruhig» in den Kasten zu kriegen. Das Problem: So etwas kostet extrem viel und ist ziemlich schwer. «Ich brauche eine günstige und handliche Konstruktion mit demselben Prinzip», war für Elias Hampp klar.

Mehrere Prototypen

Das Tüfteln begann, ein erster Prototyp entstand – mit noch unbefriedigendem Resultat. Der Film war noch immer zu unruhig. Er probierte es mit dem Versetzen des Schwerpunktes und dem Einsatz eines Modellautostossdämpfers, was immer noch nicht den gewünschten Erfolg brachte. Die Verbesserung der kardanischen Aufhängung und dem richtigen Ausbalancieren des ganzen Systems führte zum erwünschten Durchbruch. Bei dieser ausgefeilten Konstruktion macht die Kamera erstmals die ruckartigen Bewegungen der Hand und ungewollte schnelle Schwenker in der Horizontalen oder Vertikalen nicht mehr mit. «Die Kamera schaut damit immer in die richtige Richtung.» Dafür sorgen auch zwei Gegengewichte am Fuss der Vorrichtung, welche man verschieben kann. «Jetzt kommen die Aufnahmen daher, als ob man fliegt», stellt er stolz fest. Allerdings brauche es in der Handhabung schon ein bisschen Übung. Rund 10 Monate harte Entwicklungsarbeit liegen hinter ihm. «Auch wenn die handliche Vorrichtung relativ simpel aussieht, war die Umsetzung anspruchsvoll», erzählt er. Er studierte physikalische Gesetze, machte erste Konstruktionszeichnungen, bevor es ans eigentliche Fertigen der verschiedenen Bauteile ging. Parallel zur Maturaarbeit reichte er die Arbeit auch bei Schweizer Jugend forscht ein, wo er den Sonderpreis mit dem Prädikat «sehr gut» erlangte.

Sieger in Taiwan

Und vor wenigen Tagen folgte ein weiterer Höhepunkt. Am «Taiwan International Science Fair» in Taipei (einer Art internationalen Wissenschaftswettkampf) erlangte Elias Hampp in seiner Kategorie Ingenieurwesen den ersten Rang und setzte sich damit gegen rund 20 weitere Kandidaten durch. Die Überraschung war perfekt: «Ich hätte nie gedacht, dass meine Arbeit mit dem ersten Preis ausgezeichnet wird – zumal ich sehr viele gute, innovative Produkte sah.»

Studium an der ETH ab Sommer

In nächster Zeit will er das Gerät noch etwas verfeinern, mit einem 3-D-Drucker einige Teile aus Plastik anfertigen. «Was ebenfalls verbessert werden könnte, ist die Mechanik für das Verschieben der Gegengewichte, um die Hand­kamera­haltung auszugleichen», meint Elias Hampp. Kommerzielle Absichten habe er aber nicht, eine Serienproduktion sei kein Thema. «Ich machte es für mich selber aus Spass.»

Klar ist für den Jungtüftler allerdings, dass er den Weg weiterverfolgen will. Diesen Sommer startet er an der ETH ein Studium als Maschinenbauingenieur. «Das Ingenieurwesen faszinierte mich schon immer. Man kann aufgrund der physikalischen Grundlagen etwas Funktionierendes bauen. Es bleibt nicht bei der Theorie.»

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