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BUOCHS: «Wir hingen auf Sportplatz rum»

Ob Midnight Sports oder das Jugendlokal Süesswinkel. Die Jugendarbeit zieht. Fabian Achermann ist seit vergangenem Jahr der Kopf hinter der Erfolgsgeschichte.
Jugendarbeiter Fabian Achermann im Jugendlokal Süesswinkel in Buochs. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Jugendarbeiter Fabian Achermann im Jugendlokal Süesswinkel in Buochs. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Interview Matthias Piazza

Fabian Achermann, gab es schon eine solche Jugendarbeit wie in Buochs, als Sie selber im entsprechenden Alter waren?

Fabian Achermann: In Dallenwil, wo ich aufgewachsen bin, gab es so etwas nicht. Vielfach hingen wir auf dem Sportplatz rum, wo wir unsere Freizeit verbrachten – zum Unmut der Anwohner. Ich hätte mir einen Ort gewünscht, an dem wir uns hätten aufhalten können und vor Regen und Kälte geschützt gewesen wären. Umso erfreuter bin ich, dass es heute in Nidwalden nebst Buochs in Stans und Stansstad eine professionelle Jugendarbeit gibt.

Warum braucht die Jugend einen Jugendarbeiter, das Vereinsangebot ist ja gerade in Buochs riesig?

Achermann: Die Jugendarbeit als professionelles, institutionalisiertes Angebot ist eine wichtige Ergänzung in der ausserschulischen Freizeit. Nicht alle Jugendlichen fühlen sich von den Vereinsstrukturen angesprochen. Der Jugendraum im Süesswinkel, der auch zu meinem Verantwortungsbereich gehört, wäre nur mit einem Riesenaufwand ehrenamtlich zu führen.

Was bietet die Jugendarbeitsstelle an?

Achermann: Unsere primäre Zielgruppe sind Oberstufenschüler, also Jugendliche zwischen etwa 12 und 16 Jahren. Daneben sprechen wir auch 5.-/6.-Klässler und Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren an. Jeden zweiten Freitagabend treffen sich die Oberstufenschüler im Süesswinkel. Aus ihren Reihen hat sich ein Team gebildet, das den Betrieb gewährleistet und die Bar betreibt. Midnight Sports gehört zu unseren beliebtesten Angeboten. Rund 60 Jugendliche vergnügen sich jeden Samstagabend in der Turnhalle zu Sport und Musik. Sehr beliebt ist auch unser neu eingeführtes Jugendbüro als Anlaufstelle für persönliche Fragen oder Ideen. Daraus war auch die Choreografiegruppe entstanden beim Cup-Match SC Buochs - FC St. Gallen im vergangenen Frühling.

Das heisst, die Jugendarbeitsstelle ist sehr beliebt?

Achermann: Auf jeden Fall. Fast 50 Jugendliche zählen wir jeweils im Süesswinkel, also mehr als jeder dritte Buochser Oberstufenschüler. Teilweise muss ich Jugendliche mit Projektideen gar vertrösten. Und von den insgesamt zehn Jugendvereinen arbeiten acht mit uns zusammen an Fragen rund um die Jugend in Vereinen. Bald soll es eine Neuauflage des Austausches geben.

Wie hat sich die Buochser Jugendarbeit seit der definitiven Einführung 2013 entwickelt?

Achermann: Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist gewachsen, wir spüren eine sehr grosse Unterstützung durch den Gemeinderat. Auch von der Schule erhalten wir positive Rückmeldungen.

Sie sind seit vergangenem Jahr dabei, schmeissen den Laden in einem 60-Prozent-Pensum mit einem jährlichen Projektbudget von rund 25 000 Franken. Was fasziniert Sie am Job?

Achermann: Der Mix der Kommunikation mit ganz verschiedenen Leuten und Stellen fasziniert mich. Ich habe nebst Jugendlichen auch mit dem Gemeinderat, der Schule und Fachstellen zu tun, kann vermitteln, in verschiedene Lebenswelten eintauchen.

Mit welchen Hürden und Herausforderungen kämpfen Sie?

Achermann: Wenn es um Entscheide geht, ist die Einzelstelle eine Herausforderung, aber ich geniesse sehr grosse Rückendeckung durch die externe fachliche Leitung und meinen zuständigen Gemeinderat Klaus Waser. Weil im Kanton eine Jugendfachstelle fehlt, haben wir in der Politik keine fixe Stimme, wenn es um unsere Anliegen geht. Und im Arbeitsalltag ist sicher die Freiwilligkeit der Jugendlichen eine Herausforderung, was zu einer gewissen Unverbindlichkeit führt. Aber wenn man die Jugendlichen mitbestimmen lässt, hat man sie im Boot, dann läuft der Laden.

Welchen Einfluss haben Sie auf die Entwicklung der Jugendlichen?

Achermann: Unsere ganze Jugendarbeit hat präventiven Charakter. Mit unserem Angebot bieten wir den Schülern eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Da ich keine Sanktionen aussprechen muss, entsteht auch ein Vertrauensverhältnis. Die Jugendlichen kommen auf mich zu, sprechen mit mir auch über persönliche Fragen oder Themen wie den Konsum von Suchtmitteln.

Wann sind Sie mit Ihrer Arbeit zufrieden?

Achermann: Wenn ich die Erwartungen der Gemeinde und von mir erfüllen kann, das Angebot bei den Jugendlichen ankommt, die Rückmeldungen positiv sind.

Wie verschaffen Sie sich als 25-Jähriger Respekt, zumal der Altersunterschied nicht so gross ist?

Achermann: Indem die Schüler merken, dass ich sie fair behandle, ihre Interessen wahrnehme, aber trotzdem eine klare Haltung an den Tag lege.

Wie zufrieden sind Sie mit den Rahmenbedingungen?

Achermann: Sehr. Die Gemeinde Buochs ist in Sachen Jugendarbeit sehr gut aufgestellt. Mit dem renovierten Süesswinkel haben wir ein ideales Lokal. Und das Ja an der Urne zu einer professionellen Jugendarbeitsstelle ist ein klares Zeichen, dass die Bevölkerung hinter uns steht.

Wie sieht die Zukunft aus?

Achermann: Den erfolgreichen eingeschlagenen Weg wollen wir weiterbeschreiten. Ich wünsche mir, dass die Jugendarbeitsstelle weiterhin diesen grossen Rückhalt von allen Seiten geniesst. Von den Jugendlichen wünsche ich mir natürlich, dass sie das coole Angebot weiter nutzen.

Zur Person

Fabian Achermann (25) arbeitet seit 2014 in einem 60-Prozent-Pensum als Jugendarbeiter in Buochs. Daneben studiert er noch an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit die Fachrichtung Soziokulturelle Animation. Die Gemeinde Buochs hat seit 2013 eine Jugendarbeitsstelle.

So machen es die anderen Gemeinden

Jugendarbeit red. Seit März 2006 gibt es die Jugendarbeitsstelle Stans (JAS) mit einem Arbeitspensum von 70 Prozent. Dieses wurde 2009, nach einer vierjährigen Pilotphase, in den Leistungsauftrag der politischen Gemeinde Stans aufgenommen. Die Jugendkommission unterstützt die JAS strategisch und berät den Gemeinderat. Der Jugendarbeiter übernimmt bei Bedarf die fachliche Begleitung und Beratung bei der Organisation von Anlässen, Projekten und so weiter von und für Jugendliche. Als Fachstelle vermittelt die Jugendarbeitsstelle bei Konflikten von und mit Jugendlichen und erarbeitet mit den Betroffenen Lösungen. Ziel der JAS sei es, Jugendliche zu befähigen, gesellschaftliche Verantwortung zu entwickeln und zu übernehmen, erklärt Gemeinderat Gregor Schwander.

Es steht ein Jugendraum für Jugendliche unter 16 Jahren zur Verfügung. Die Arbeitsstelle organisiert mit Freiwilligen den Betrieb. Zudem berät Jugendarbeiter Turri Furrer das «Senkelteam» des Jugendkulturhauses.

Diverse «Jugendräume» vorhanden

  • Nach der Erarbeitung des Konzeptes für ein dreijähriges Projekt und der Genehmigung durch die Gemeindeversammlung führte die Gemeinde Stansstad die Jugendanimation im Jahr 2010 ein. Nach diesen Erfahrungen wurde an der Gemeindeversammlung im Mai 2013 die definitive Einführung der Jugendanimation beschlossen.
  • In der Gemeinde Hergiswil ist die Sozialkommission für die Jugendthemen zuständig. Seit über zwei Jahren wird den Jugendlichen in Hergiswil Midnight Sports angeboten: Dabei wird jeweils am Samstagabend die Turnhalle Grossmatt für Bewegung und Begegnung geöffnet. Gegenwärtig wird in Hergiswil abgeklärt, ob der Bedarf einer offenen Jugendarbeit besteht, wie es auf Anfrage heisst. Die Jugendlichen können momentan in einer Online-Umfrage ihre Bedürfnisse kundtun. Anhand dieser Ergebnisse und mit Hilfe von Workshops wird ein Konzept zur Initiierung von offener Jugendarbeit erstellt. Der Gemeinderat werde im Laufe des nächsten Jahres darüber entscheiden.
  • Seit einigen Jahren können die Jugendlichen der Gemeinde Ennetmoos ab der 6. Klasse das Jugendraumangebot nutzen. Der Jugendraum ist in der Zivilschutzanlage im Schulhaus Morgenstern. Jeden Freitag, ausser in den Schulferien, ist der Jugendraum von 20 bis 23 Uhr geöffnet. Bei Bedarf arbeitet Ennetmoos eng mit dem Jugendarbeiter von Stans zusammen, heisst es.
  • Den Jugendlichen der 9. Klasse steht in der Gemeinde Oberdorf das Lokal der «Bunker» bei der Kirche Büren zur freien Verfügung. Eltern, Jugendliche, die Kirche, die Gemeinde und die Schule betreiben dies gemeinsam. Die Erfahrungen seien positiv.
  • In Emmetten steht ein Jugendraum zur Verfügung, momentan geführt von der IG Jugendraum, die gleichzeitig auch Betriebsgruppe ist.
  • Die Jugendarbeit in Ennetbürgen wird von der Jugendkommission, dem Moes Team und Jungwacht/Blauring und verschiedenen Vereinen, vor allem Sportvereinen, gemacht. Die Jugendkommission trifft sich fast monatlich und ist verantwortlich für alle Anliegen der Jugendlichen, heisst es.
  • In Beckenried existiert das Jugendlokal Lieli.
  • In Wolfenschiessen werde die Jugendarbeit von einem gut funktionierenden Netz von Vereinen und dessen Aktivitäten getragen. Im Weiteren hätten die Jugendlichen in der ländlichen Gegend Beschäftigung genug, sodass die Nachfrage nach Jugendarbeit nicht da sei, heisst es.
  • Die Gemeinde Dallenwil hat keine Jugendarbeit und auch keinen Bedarf dafür, heisst es auf Anfrage.

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