BUOCHS/ENNETBÜRGEN: «Der Helfergedanke stand im Vordergrund»

Mirco Schneeberger hört nach 25 Jahren mit dem Feuerwehrdienst auf. Der Kommandant blickt zurück – und nach vorne auf die Nachwuchssituation.

Martin Uebelhart
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Mirco Schneeberger in der Fahrzeug- und Materialhalle des Feuerwehrlokals. Bild: Martin Uebelhart (Buochs, 17. Dezember 2016)

Mirco Schneeberger in der Fahrzeug- und Materialhalle des Feuerwehrlokals. Bild: Martin Uebelhart (Buochs, 17. Dezember 2016)

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge übergibt Mirco Schneeberger das Kommando über die Feuerwehr Buochs-Ennetbürgen an Thomas Barmettler, einen seiner Stellvertreter. «Es war nach der sehr intensiven letzten Zeit klar für mich, dass ich nach 25 Jahren Miliz-Feuerwehr aufhöre», sagt der 41-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Am Anfang seiner Feuerwehrkarriere – damals noch in Emmetten – stand eine Ausnahmebewilligung. «Als ich mit 16 in die Lehre als Automechaniker kam, war mein Vater Kommandant der Feuerwehr.» Das Korps habe zu wenig Leute gehabt. Er habe seinem Vater gesagt, dass er sich vorstellen könnte, in der Feuerwehr mitzumachen. Aber eben gleich mit 16 und nicht wie normalerweise erst mit 18. «Denn da stand die Lehrabschlussprüfung und später der Militärdienst an, da hätte ich mir nicht vorstellen können, auch noch mit der Feuerwehr zu beginnen», erzählt Schneeberger. Nachdem das Feuerwehrinspektorat grünes Licht gegeben hatte, konnte er in die Feuerwehr eintreten. Auch später habe er sein Engagement in der Feuerwehr immer gut an Aus- und Weiter­bildungen «vorbeijonglieren» können.

Und warum überhaupt die Feuerwehr? «Für mich stand der Helfergedanke im Vordergrund», erzählt Mirco Schneeberger. Nach Spezialisierungen für Motorspritzen und Tanklöschfahrzeug sowie Atemschutz schlug er die Kaderlaufbahn ein. «Ich wollte mehr Verantwortung übernehmen», sagt er. Und weil ihm Gruppenführer- und Offizierskurs gefallen haben, hat er sich auch noch von der Nidwaldner Sachversicherung als Feuerwehrinstruktor ausbilden lassen. Eine Offizierskarriere hat Schneeberger auch im Militär gemacht. Heute ist er im Rang eines Oberstleutnants im Territorialverbindungsstab Nidwalden eingeteilt und kann seinen Dienst in der Kaserne Wil leisten.

Grossprojekt Feuerwehrfusion

Nach 12 Jahren in der Feuerwehr Emmetten kam der mittlerweile dreifache Familienvater mit der Heirat nach Ennetbürgen. «Ich konnte rasch Fuss fassen», sagt er, «einige Leute habe ich schon gekannt aus meiner Instruktorentätigkeit.» Und dann sei alles schneller gegangen, als ihm zunächst lieb gewesen sei, meint er. 2008 wurde er stellvertretender Kommandant, im selben Jahr wurde der Kommandant ins kantonale Feuerwehrinspektorat berufen, und er rückte nach. Man sei der Meinung gewesen, er sei der richtige Mann dafür. In seine Kommandozeit fiel das grosse Vorhaben, die beiden Feuerwehren von Buochs und Ennetbürgen zusammenzulegen. «Das war ein tolles Projekt», hält er fest. Habe aber vor allem für das Kommando auch viel Arbeit bedeutet. «Wir konnten etwas bewirken, mitgestalten.» Sichtbares Zeichen ist das neue Feuerwehrlokal, das auf der grünen Wiese zwischen den beiden Dörfern entstanden ist. «Wir konnten das Raumprogramm mitplanen und das notwendige Material und die Fahrzeuge beschaffen.» Das neue Lokal habe dazu beigetragen, dass die Fusion gut verlaufen sei. «Es sah nicht so aus, als hätte die eine Feuerwehr die andere übernommen», betont Schneeberger. Der Aufbau von Formationen mit Feuerwehrleuten aus beiden Gemeinden habe die Fusion weiter begünstigt.

Die Feuerwehr Buochs-Ennetbürgen hat einen Sollbestand von 100 Personen. «Da liegen wir heute mit gut 120 noch darüber», so Schneeberger. Noch, weil es zunehmend schwieriger werde, junge Leute für die Feuerwehr zu gewinnen. «Dieses Jahr konnten wir nur vier rekrutieren», sagt er. Als einen Grund sieht er, dass der Vereinsgedanke nicht mehr so verbreitet ist. Sich zu engagieren – nicht nur in der Feuerwehr –, stehe weniger hoch im Kurs als früher.

Kameradschaft hilft nach schweren Einsätzen

Wer zur Feuerwehr gehe, verpflichte sich, an gewissen Übungen teilzunehmen. «Auf Stufe Feuerwehrsoldat ist das etwa eine im Monat», sagt Mirco Schneeberger, was seiner Meinung nach machbar sei. Es sei sicher gut, wenn man sich ideell mit der Feuerwehr identifizieren könne. «Es gibt zwar auch eine Entschädigung, aber Feuerwehrdienst wegen des Geldes zu machen, ist nicht der richtige Weg.»

Grossgeschrieben werde bei der Feuerwehr auch die Kameradschaft. Nach herausfordernden Einsätzen sei diese besonders wichtig. Man sitze zusammen und bespreche noch einmal alles. Sollte die Verarbeitung im Kreis der Kameraden nicht reichen, könne man auch auf ein Care Team des Kantons zurückgreifen», erklärt Schneeberger. «Zudem bringe ich sämtliche Situationen, vor allem die schwierigen, im Gebet zu Gott und bitte ihn, mir dabei zu helfen», sagt er. Und herausfordernde Einsätze gibt es: etwa den Fall eines Buben, der vor etwa zwei Jahren nach einem Verkehrsunfall in Ennetbürgen verstorben sei. Hier sei erschwerend hinzugekommen, dass man die betroffene Familie gut kenne. Weniger nahe sei ihm dagegen der Fall eines mutmasslichen Mafiamordes gegangen. Noch zu seinen Emmetter Zeiten wurde in einem ausgebrannten Auto eine gefesselte Leiche gefunden.

«Die schönen Einsätze sind jene, wo die Menschen nachher dankbar sind», befindet Schneeberger. Dazu gehöre der Klassiker vom Büsi auf dem Baum, aber auch das Abdichten eines Daches, das ein Sturm abgedeckt hat oder das Auspumpen von Kellern bei einem Hochwasser.

Mirco Schneeberger hört jetzt zwar als Feuerwehrkommandant in Buochs-Ennetbürgen auf und hat damit wieder etwas mehr Zeit für andere Hobbys und nicht zuletzte seine Familie. Die Feuerwehr wird ihn aber weiterhin beschäftigen: Seit einigen Monaten kommandiert er den Stützpunkt Rotkreuz der SBB-Berufsfeuerwehr.

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch