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Zoff auf dem Bürgenstock: Handwerkerbetrieb spricht von chaotischer Planung

Wegen ausstehender Zahlungen liegen sich die Bürgenstock Hotels AG und ein Teil der am Bau des Resorts involvierten Firmen in den Haaren. Jetzt stellt sich die Frage, ob ein Urteil des Handelsgerichtes Bern die Gläubiger in eine bessere Position bringen könnte.
Thomas Heer
Das finanzielle Nachspiel um den Bau des Luxusresorts dauert an. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Das finanzielle Nachspiel um den Bau des Luxusresorts dauert an. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Die Abläufe rund um den Bau der Hotelanlage auf dem Bürgenstock bezeichnet ein betroffener Bauunternehmer als «hane­büchen». Er, der noch heute auf ­hohen offenen Rechnungen sitzt, sagt weiter: «Wir werden uns von der Bauherrschaft nicht über den Tisch ziehen lassen. Falls wir auf dem Verhandlungsweg keine ­Einigung erreichen, werden wir den Gerichtsweg beschreiten. Entsprechende Vorbereitungen haben wir bereits eingeleitet.»

In diesen Tagen finden verschiedene Treffen statt. Und zwar zwischen dem Management der Bürgenstock Hotels AG und diversen Gläubigervertretern. Wie die «Zentralschweiz am Sonntag» bereits am 4. März 2018 schrieb, laufen gegen die Bürgenstock Hotels AG Betreibungen in Millionenhöhe. Diese Massnahmen wurden von verschiedenen Unternehmen eingeleitet, die beim Bau des Resorts involviert waren. Auf dem Bürgenstock ­investierten die Geldgeber aus Katar insgesamt 550 Millionen Franken in die neue Hotelanlage.

Unrealistischer Terminplan oder mangelhafte Arbeit?

Einer, der auf dem Bürgenstock als Handwerker mit seiner Firma, der GLG Immobilien AG, wochenlang vor Ort war, heisst Dejan Antonovic. Er verlegte Fliesen im grossen Stil und stellte dem Auftraggeber Ende April eine Schlussrechnung, inklusive Mehrwertsteuer, im Betrag von rund 630 000 Franken. Er ­bemängelt, dass Termine oft nicht eingehalten wurden. Und: «Wenn es zu Störungen im Bauablauf kam, mussten das immer die verschiedenen im Prozess involvierten Handwerker ausbaden.» Dadurch sei, so Antonovic, ein enormer Druck entstanden.

Antonovic sagt weiter, man habe ohne gültige Pläne arbeiten müssen. «Aufgrund fehlender oder völlig unrealistischer Terminprogramme hat die Bauleitung oft wild improvisiert und uns Fristen für Arbeiten auferlegt, obschon die dafür notwendigen Vorleistungen von anderen Unternehmen noch gar nicht ausgeführt waren.» Die Bürgenstock Hotels AG entgegnet: «Es stellte sich heraus, dass die Firma zu wenig personelle Ressourcen hatte und auch nicht über das fachliche und administrative Wissen verfügte, um die Arbeiten fach­gemäss auszuführen.» Es seien deshalb Schäden im hohen sechsstelligen Bereich entstanden.

Wenn der Berner Rechtsanwalt Michael Bader diese Schilderungen hört, tönt das in seinen Ohren sehr vertraut: Chaotische Zustände auf der Baustelle und Unternehmer, die auf offenen Rechnungen sitzenbleiben. Denn Bader vertrat während Jahren das Architekturbüro Spörri, Graf Partner. Die Firma war bei der Totalsanierung des Fünfsternehotels Schweizerhof in Bern engagiert.

Wie die Bürgenstock Hotels AG gehört auch der «Schweizerhof» zur in Zug domizilierten Katara Hospitality Switzerland AG. Der Delegierte des Verwaltungsrates heisst Bruno H. Schöpfer. Sowohl auf dem Bürgenstock wie auch beim Umbau in Bern liefen die wichtigen Entscheide über sein Pult. Nun wurde Mitte Mai bekannt, dass das Berner Architekturbüro Spörri Graf Partner im Kampf gegen die Besitzerin des «Schweizerhofs» erfolgreich prozessierte. Das Handelsgerichts-urteil wurde rechtskräftig.

Resort hofft auf eine aussergerichtliche Lösung

Zum Streit zwischen den Architekten und der «Schweizerhof»-Besitzerin kam es wegen nicht bezahlter Honorare. Die «Schweizerhof»-Crew hielt den Architekten vor, sie seien für Verspätungen und Kostenüberschreitungen verantwortlich. Das sah das Berner Handelsgericht anders und verurteilte die «Schweizerhof»-Besitzerin zu einer Zahlung für nicht überwiesene Honorare in der Höhe von zirka 460 000 Franken. Dazu kommen noch Verzugszinsen von 170 000 Franken. Architekt Leo Graf wird in der «Berner Zeitung» folgendermassen zitiert: «Nach all den Jahren ist das eine wahnsinnige Genugtuung für uns.» Anwalt Bader sagt zur Strategie der Bauherrschaft: «Es geht ihnen um das finanzielle Aushungern und das Androhen eines langen Rechtsstreites.» Hat das Berner Urteil einen Einfluss auf den Fall Bürgenstock? Dazu schreibt Kommunikationsmanager Jonas Reif: «Die Bürgenstock Hotels AG ist stets bestrebt, einvernehmliche Lösungen zu finden und sich aussergerichtlich zu einigen.»

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