Bypass-Projekt: Nidwaldner Regierungsrat pocht auf «flankierende Massnahmen»

Der Kanton Nidwalden will verhindern, dass das lokale Verkehrsnetz trotz des aktuell aufliegenden Bypass-Projekts langfristig überlastet wird. Nun wird er beim Bund vorstellig – was die Gemeinde Hergiswil unterstützt.

Pascal Studer
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Es sind deutliche Worte, welche der Nidwaldner Regierungsrat an das Bundesamt für Strassen (Astra) richtet: Als Rückmeldung auf das Ausführungsprojekt Bypass Luzern bemängelt die Regierung, dass flankierende Massnahmen, welche das untergeordnete Strassennetz entlasten, fehlen. «Vor allem für die Gemeinden Hergiswil, Stansstad, Stans und Buochs sind aber genau diese sehr wichtig», betont der Nidwaldner Baudirektor Josef Niederberger. Für den CVP-Regierungsrat ist klar: «Der Durchgangsverkehr soll auf der Autobahn bleiben – und nicht etwa wegen Staus auf die lokalen Strassen ausweichen.»

Stau am Tunneleingang zwischen Hergiswil und Horw.

Stau am Tunneleingang zwischen Hergiswil und Horw.

Archivbild: Roger Grütter
(17. Februar 2013)

Wie aus der Mitteilung der Nidwaldner Baudirektion vom Donnerstag hervorgeht, droht aber genau dieses Szenario. Das Astra berücksichtige derzeit die Auswirkungen auf das lokale Strassennetz zu wenig. Vor diesem Hintergrund will der Regierungsrat eine generelle Erweiterung des Projekts bis nach Stans. Zudem brauche es beim Anschluss Luzern-Horw durchgängig drei Fahrstreifen in beide Richtungen, um die gewünschte Entlastung zu erreichen. «Daher fordern wir nun eine Gesamtschau», sagt Niederberger. Neben der Entlastung der Gemeindestrassen soll auch die Erreichbarkeit der Urkantone aus den Räumen Luzern, Zürich, Zug und Basel langfristig sichergestellt werden.

Auch wenn der Regierungsrat den Bypass grundsätzlich befürwortet, betont er insbesondere die Wichtigkeit einer langfristigen Massnahme: Eine dritte Spur im südlichen Abschnitt bis zur Einfahrt A8. Niederberger: «Dieser Ruf wird noch nicht gehört.» Es müsse aber eine funktionierende Lösung geben, wobei aber zu beachten sei, dass das Astra eine gesamtschweizerische Perspektive einnehmen muss. «Die Wahrnehmung ist entsprechend anders», erklärt Niederberger. Er sagt aber auch:

«Wir halten den Druck aufrecht.»

Kanton habe zu lange zu wenig interveniert

Seine Interessen vertritt der Kanton Nidwalden auch in einer Taskforce. Einsitz in diesem Gremium haben neben dem Astra auch die Gemeinden Hergiswil, Stans und Stansstad. Remo Zberg, Hergiswiler Gemeindepräsident, begrüsst das Vorgehen des Kantons. Er sagt: «Ich befürworte die Forderungen – das ist in unserem Sinn.» Gesetzlich ist geregelt, dass die betroffenen Gemeinden im Gegensatz zu den Kantonen Einsprache gegen laufende Projekte machen können. Dies hat die Gemeinde Hergiswil gemäss Zberg vergangene Woche getan. Der Gemeindepräsident betont:

«Wir wollen ganz klar eine dritte Spur.»

Kantone können derweil bereits in einer früheren Phase zur Projektplanung Stellung nehmen. Zu jenem Zeitpunkt haben die Gemeinden noch keine Möglichkeit, direkten Einfluss zu nehmen. Gemäss Angaben des Bundes werden Stellungnahmen gleich behandelt wie Einsprachen und jeweils individuell geprüft. Diesbezüglich äussert Zberg Kritik an der Baudirektion: «Der Kanton hat anfänglich zu wenig interveniert und vor allem nie eine eigene Studie gemacht.» Es sei keine vorausschauende Politik erkennbar gewesen, man habe sich «zu wenig gewehrt». Erst in den vergangenen Jahren habe sich der Kanton mehr eingebracht – auch, weil Hergiswil Druck gemacht habe.

In Hergiswil wird bereits an der Verlängerung der Einfahrt der A8 auf die A2 gebaut.

In Hergiswil wird bereits an der Verlängerung der Einfahrt der A8 auf die A2 gebaut.

Bild: Corinne Glanzmann
(Hergiswil, 17. September 2019)

Dennoch: Für Zberg sind die lokalen Bedürfnisse beim Astra noch zu wenig präsent. «Wir fühlen uns auf Bundesebene nicht wahrgenommen», sagt er. Daher müsse man auf die Mängel in der derzeitigen Projektplanung stichhaltig hinweisen – wie das beispielsweise die Stadt Kriens macht. Dazu braucht es jedoch Studien oder gar ein entsprechendes Vorprojekt. «Dies wird zwei bis drei Jahre dauern – aber wenn man ernten will, muss man vorgängig investieren», sagt Zberg. Es seien jedoch auf verschiedenen Ebenen – wie beispielsweise dem Agglomerationsprogramm Nidwalden oder dem kantonalen Gesamtverkehrskonzept – entsprechende Schritte erkennbar.

Einsprachen noch bis nächsten Dienstag möglich

Seit dem 8. Juni liegt das Gesamtsystem Bypass Luzern öffentlich auf. In diesem Rahmen können die betroffenen Gemeinden Einsprache an das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) richten. Gemäss Astra-Angaben ist es noch bis am 7. Juli möglich, Einsprachen und Stellungnahmen einzureichen.

Keine Stellungnahme vorgesehen hat der Kanton Obwalden. Dies bestätigt Regierungsrat Josef Hess. Der Vorsteher des Baudepartements unterstützt jedoch die Forderungen seiner Nidwaldner Amtskollegen. Er sagt: «Wir begrüssen diese Stossrichtung. Wir spüren die problematische Verkehrssituationen teilweise nämlich auch in Obwalden.» So käme es insbesondere am Wochenende zu Engpässen, phasenweise bis nach Sarnen.

Verkehr nimmt weiter zu – auch in der Zentralschweiz

Gemäss aktuellen Zahlen des Astra ist der gesamtschweizerische Verkehr im letzten Jahr wieder gewachsen. Die Fahrkilometer nahmen um rund 100 Millionen auf 27,8 Milliarden zu. Knapp 18 Prozent davon entfielen laut Bund auf den Güterverkehr. Auch die Staus nahmen nach einer leichten Abnahme im Vorjahr wieder zu: Für insgesamt 30'230 Stunden sassen die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer auf den Schweizer Nationalstrassen im Stau fest.

Dieses Problem akzentuiert sich auch in der Zentralschweiz: So musste die Axenstrasse wegen Steinschlags im letzten Sommer für mehrere Wochen gesperrt werden. So gesehen ist der Bypass – dessen Gesamtkosten von 1,7 Milliarden Franken vollumfänglich der Bund trägt – nicht die einzige offene Baustelle. Für Niederberger ist daher auch klar, dass sich der Kanton noch etwas gedulden muss. Er sagt: «Der langfristige Ausbau ist nicht für morgen angedacht.» Vielmehr ziele der Regierungsrat darauf ab, dass sich diese bis 2040 realisieren lassen.

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