Chäslager Stans: Den Tanz von Inkboat muss man erfahren statt verstehen

Im Chäslager zeigen die Tänzer Dana und Shinichi Iova-Koga erstmals Auszüge ihres neuen Stücks. Ein einmaliges Erlebnis, weil sich das Stück stetig weiterentwickelt.

Philipp Unterschütz
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Dana und Shinichi Iova-Koga im Bewegungsraum im Universe 9. (Bild: Jakob Ineichen (Hergiswil, 19. Februar 2019))

Dana und Shinichi Iova-Koga im Bewegungsraum im Universe 9. (Bild: Jakob Ineichen (Hergiswil, 19. Februar 2019))

«Bewegung ist ein essenzieller Teil unseres Lebens», erklärt Dana Iova-Koga (43) im Universe 9 in Hergiswil. Früher sei die Menschheit immer in Bewegung gewesen – insbesondere um sich Nahrung zu beschaffen. «Heute ist das zwar nicht mehr nötig, aber der Bewegungsdrang ist geblieben. Und Tanz ist ein uralter Weg, um sich auszudrücken.»

Ihre Arbeit und die ihres Mannes Shinichi (50) mit Tanz und mit meditativen, körperlichen Übungen, die Dehnungen und fliessende Bewegungsformen – oft im Zeitlupentempo – beinhalten, seien insofern auch eine Reflexion von Dingen, die wir teilweise verloren hätten. Hingabe und Achtsamkeit für den Körper, sich mit Sorgfalt um dessen Zustand zu kümmern, darauf zu hören und Übereinstimmung und Gleichgewicht mit anderen Menschen und ihren Körpern zu finden, ergänzt Shinichi weitere zentrale Punkte ihrer Kunst.

Ein Stück entwickelt sich wie ein Mensch

Wie sich das ausdrückt, zeigen die beiden professionellen Tänzer, Choreografen und Bewegungslehrer morgen Freitag im Stanser Chäslager. Dort präsentieren sie erstmals Ausschnitte aus ihrem Stück «The Storm in My House», das sie derzeit erarbeiten. «Das ist wie ein Mensch, der wächst und sich entwickelt», vergleicht Shinichi diesen kreativen Prozess. Jetzt sei es noch ein kleines Kind, das vielleicht im Alter von etwa zwei Jahren wäre.

Inspiriert dazu wurden Dana und Shinichi von Heimatlosen, die Interviews über ihr Leben in der Bay Area von San Francisco einer Begleitgruppe gaben. «Tanz hat aber keine Worte zur Erklärung, es bleibt also immer ein grosser Interpretationsspielraum für die Zuschauer», betont Dana Iova-Koga. Es sei deshalb immer interessant, nach dem Stück mit dem Publikum zu sprechen. «Versucht nicht, es zu verstehen. Erfahrt es!», rät Shinichi. Begleitet werden die beiden Tänzer von der Musik von Suki O’Kane. «Elektronische Musik aus dem Herz einer Drummerin», meint die Kalifornierin.

Im Chäslager werden sich die beiden Tänzer zudem mit dem Bassisten Fabien Sevilla gemeinsam innerhalb improvisierter Strukturen bewegen. Eine Premiere ist ausserdem ein Cello-Tanz-Duett von Shinichi und Sarah Bowman.

Seit fast zwei Jahren in der Zentralschweiz heimisch

Das Ehepaar ist aber nicht nur für die Aufführung im Chäslager hier, sondern vor knapp zwei Jahren mit ihren beiden Kindern (12 und 7 Jahre alt) von der Bay Area bei San Francisco nach Horw gezogen. Geplant war das so nicht. «Wir empfanden das Leben in den USA als intensiv und anstrengend, irgendwie ungesund», sagt Dana. Sie und Shinichi, der Tanzlehrer im kalifornischen Oakland war und bis heute das Tanz- und Körpertheater Inkboat führt, wurden mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Massgeblich «beteiligt» am Umzug waren letztlich ihre Freunde Amanda und Cornelius Jaeger, die Initianten der Wohngemeinschaft Universe 9 in Hergiswil. Dana führt dort das Café mit Bioladen und organisiert Anlässe. Zudem unterrichtet das Ehepaar im Universe 9 Tanz und verschiedene Bewegungslehren. Shinichi ist zudem noch Tanzlehrer an einer Tanzschule in Luzern und zuständig für die Choreografie des Freilichtspiels «Die schwarze Spinne», das ab 24. Mai in Ennetmoos aufgeführt wird.

Weitere Infos: www.inkBoat.com und www.elementalvessel.com