Corona

Nid- und Obwalden wollen spätestens im Januar mit Impfung starten – Gesundheitsdirektorin kritisiert Luzern

In Kürze soll in den beiden Kantonen mit dem Impfen begonnen werden. Nid- und Obwalden verzichten auf Impfzentren – zumindest vorerst.

Christian Tschümperlin
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Swissmedic hat am Wochenende grünes Licht für den Covid-19-Impfstoff von Pfizer/Biontech gegeben. Die Verteilung der Impfdosen wird gesamtschweizerisch über die Armeeapotheke koordiniert, es stehen vorerst 107'000 Impfdosen zur Verfügung. Auf regionaler Ebene arbeiten die Zentralschweizer Kantone zusammen. Die Impfdosen sollen so rasch als möglich in der Zentralschweiz verteilt werden. Um «einen politischen Wettbewerb» zu verhindern, haben die Zentralschweizer Kantone die Impfdosen gemeinsam bestellt und wollten diese gemeinsam verteilen.

Der Kanton Luzern ist nun aber vorgeprescht und will bereits am Mittwoch erste Personen impfen. In einem Interview mit dem «Sonntags-Blick» kündigte der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf an, dass vier Corona-Impfzentren im Kanton errichtet werden. Die Nidwaldner Gesundheitsdirektorin Michèle Blöchliger zeigt sich darüber irritiert:

«Eigentlich war abgemacht, dass wir alle am gleichen Datum zu impfen beginnen. Der Kanton Luzern hat nun entschieden, das anders zu machen.»

Erste Tranche der Impfdosen soll bald eintreffen

Aber auch in Nidwalden und Obwalden soll so rasch als möglich mit dem Impfen begonnen werden. Aktuell sind gemäss Michèle Blöchliger die Impfdosen noch nicht eingetroffen. «Bei der ersten Tranche, die in den nächsten Tagen eintreffen sollte, handelt es sich um ein kleines Kontingent», so Blöchliger. Die zweite Tranche soll im Januar eintreffen. Die Kantone erhalten abhängig von ihrer Einwohnerzahl jeweils Kontingente der Impfstoffdosen zugeordnet. «Zu Beginn ist das Kontingent für den Kanton Obwalden sehr klein, weshalb zunächst erst wenige Personen geimpft werden können», schreibt der Kanton Obwalden.

Angelehnt an die Impfstrategie des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) werden in Nid- und Obwalden anfänglich ausschliesslich Personen der Risikogruppen geimpft, also Menschen über 65 Jahre oder solche mit einer Vorerkrankung. «Diese Personen zeigen oft schwere Verläufe. Das will man vermeiden, um die Spitäler und das Personal zu entlasten», sagt Blöchliger. Sie macht sich aber auch Sorgen um die Gesundheit der Risikopatienten. Mobile Equipen nehmen die Impfungen in den Alters- und Pflegeheimen vor.

Die Gesundheitsämter sind für diese erste Etappe der Impfungen in Kontakt mit den Alters- und Pflegeheimen, Pflegefachpersonen und der lokalen Ärzteschaft. Die letzten Vorbereitungsarbeiten laufen noch. «Wir müssen die anspruchsvollen Abläufe und Anforderungen möglichst sauber aufbereiten, bevor wir mit den Impfungen beginnen», erklärt der Leiter des Gesundheitsamts, Patrick Csomor. Der Impfstart in Obwalden ist spätestens für den 4. Januar 2021 vorgesehen.

In zweiter Priorität folgt das Gesundheitspersonal mit Patientenkontakten, anschliessend der Personenkreis, der mit besonders gefährdeten Menschen zusammenlebt.

Kapazitäten der Arztpraxen reichen aus

Die Zulassung durch Swissmedic kam früher als erwartet. In Nidwalden fühlt man sich aber nicht überrollt: «Das Bundesamt für Gesundheit hat uns immer angehalten, parat zu sein, weil es sehr schnell gehen könne. Darum sind wir parat», so Blöchlinger.

Der Kanton Nidwalden verzichtet vorerst auf ein Impfzentrum. Mit Blick auf die momentan erwarteten 800 Dosen sagt Blöchliger: «Es wäre unverhältnismässig, für diese geringe Anzahl ein Impfzentrum einzurichten». Der Kanton Nidwalden will in einem ersten Schritt die Impfung dezentral durch die Hausärzte machen lassen. Die Regierungsrätin sagt:

«Die Kapazitäten der Arztpraxen sind nach heutigen Erkenntnissen ausreichend.»

Der Nidwaldner Kantonsarzt Peter Gürber erläutert die grosse Logistik, die hinter der Verteilung durch die Kantone steckt: «So müssen diese in geeigneten Tiefkühlbehältern transportiert werden. Sind die Impfdosen einmal bei uns, können sie nur während einiger Tage im Kühlschrank gelagert werden, bevor sie verabreicht werden müssen». Inzwischen ist bekannt, dass der Impfstoff fünf Tage lang bei zwei bis acht Grad im Kühlschrank haltbar ist.

Abstands- und Hygieneregeln bleiben in Kraft

Trotz des vorläufigen Verzichtes auf Impfzentren ist Nidwalden vorbereitet auf eine grössere Lieferung. «Wenn es so weit ist, überprüfen wir die Lage erneut», sagt Michèle Blöchliger. «Wir haben verschiedene Szenarien ausgearbeitet.»

Laut Swissmedic sind in den Zulassungsstudien für den Covid-19-Impfstoff am häufigsten Nebenwirkungen dokumentiert worden, die vergleichbar sind mit jenen nach einer Grippeimpfung. «Die Schutzwirkung des Impfstoffes beträgt 90 Prozent», sagt Kantonsarzt Gürber. Das bedeutet, dass das Risiko, an Corona zu erkranken, um 90 Prozent sinkt. Noch unklar ist, ob man trotz Impfung das Virus nicht mehr übertragen kann. Deshalb bleiben die bisherigen Abstands- und Hygieneregeln in Kraft, bis Weiteres bekannt ist.